Lässt sich der Weltranglistenerste nicht impfen, kann er bei fast allen wichtigen Turnieren dieses Tennisjahres ebenfalls nicht spielen. Wie wird Djokovic darauf reagieren?

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart/Belgrad - Nachdem der Flieger aus Dubai am Montagmittag auf dem Nikola-Tesla-Flughafen in Serbiens Hauptstadt Belgrad aufgesetzt hatte, mied Novak Djokovic die Öffentlichkeit. Also verließ der ungeimpfte Weltranglistenerste im Tennis, den die australische Regierung mit einem annullierten Visum vor die Tür gesetzt hatte, durch einen Nebenausgang den Airport.

Letztlich war es auch nur eine kleine Schar an Fans, die in serbische Flaggen gehüllt neben der Traube der internationalen Kamerateams auf die Ankunft des 34-Jährigen in der Heimat gewartet hatten. Dennoch ist Djokovic die Unterstützung seiner Landsleute weiter gewiss. Und zwar im In- wie im Ausland.

Seine Landsleute bleiben Djokovic treu

So erklärte beispielsweise der in Melbourne verbliebene Tennisprofi Miomir Kecmanovic, er und seine serbischen Landsleute würden bei diesen Australian Open nun „alles tun, um Djokovic zu rächen und ihn stolz zu machen“.

Eigentlich hätte Kecmanovic in der ersten Runde des Grand-Slam-Turniers im Melbourne-Park, das sonst im Konzert der großen vier Majorturniere als der sogenannte Happy-Slam firmiert, zum Turnierauftakt gegen sein Idol Djokovic spielen sollen. Nun besiegte der 22-jährige Serbe, der die Nummer 77 der Welt ist, den ins Hauptfeld gerutschten Salvatore Caruso mit 6:4, 6:2, 6:1.

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„Ich werde mir jetzt etwas Zeit nehmen, um mich auszuruhen und zu erholen, bevor ich weitere Kommentare abgebe“, das hatte Novak Djokovic noch vor seinem Abflug aus Australien verkündet. Sportlich wird es der 34-Jährige, für den der Trip ans andere Ende der Welt neben den Reisekosten auch eine Geldstrafe von umgerechnet 300 000 Euro sowie weitere 200 000 Euro an Gerichts- und Anwaltskosten mit sich bringt, auch in den nächsten Wochen schwer haben. Klar ist schon jetzt, dass es mit einem Start von Djokovic beim nächsten Grand Slam des Tennisjahres, den an seinem Geburtstag am 22. Mai in Paris beginnenden French Open, höchstwahrscheinlich auch nichts werden wird. So hatte Sportministerin Roxana Maracineanu kürzlich noch Ausnahmeregeln in Aussicht gestellt. Doch nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP will die französische Regierung jetzt nur Geimpfte in Roland Garros spielen lassen. Dies gilt auch für Wimbledon und die US Open. Lässt Djokovic sich also weiter nicht immunisieren, könnte er in der Rekordjagd mit Rafael Nadal und Roger Federer kampflos ins Hintertreffen geraten, weil das Duo bisher auch je 20 Grand Slams gewonnen hat.

Auch bei den Masters-Turnieren geht nichts

Die nächsten großen Turniere, die sogenannten Masters, werden derweil in den USA in Indian Wells und in Miami sowie wenig später in Monte Carlo ausgespielt. Auch hier bliebe der eigenwillige Serbe nach aktuellem Status quo außen vor. Djokovic steht also weiter im Abseits.

Immerhin schicken sich die Australier an, der Nummer eins die Hand zu reichen. Denn eigentlich dürfte Djokovic nach der Aberkennung seines Visums durch den Einwanderungsminister Alex Hawke nun drei Jahre lang nicht nach Down Under einreisen. Weil der Djoker im Frühjahr 35 Jahre alt wird, dürfte er in diesem Fall kaum die Chance besitzen, seinen neun Titeln bei den Australien Open einen weiteren hinzuzufügen. Doch Scott Morrison deutete in einem Radiointerview eine versöhnliche Linie an. „Unter den richtigen Umständen“ sei eine frühere Rückkehr möglich, erklärte der australische Premierminister. Dies würde dann zum „gegebenen Zeitpunkt“ betrachtet werden.

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