Tennis: Verstärkung aus Saragossa Eine einschlägige familiäre Vorbelastung

Noch in zwei weiteren Begegnungen wird Alberto Colas Sanchez für den TEV Fellbach in der Oberliga antreten, dann fliegt  er wieder zum Studieren  in die USA. Foto: /Eva Herschmann
Noch in zwei weiteren Begegnungen wird Alberto Colas Sanchez für den TEV Fellbach in der Oberliga antreten, dann fliegt er wieder zum Studieren in die USA. Foto: /Eva Herschmann

Der Spanier Alberto Colas Sanchez, 21, ist die neue Nummer eins der Oberliga-Männer des TEV Rot-Weiß Fellbach. Sein Doppelerfolg an der Seite von Bogdan Ivascu kann am Sonntag die Niederlage gegen den TC Weissenhof nicht mehr verhindern.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Fellbach - Auf Sand, sagt Alberto Colas Sanchez, fühle er sich daheim. Das hat der 21-jährige Spanier bei seinem Einstand am Sonntag als neue Nummer eins der Oberliga-Mannschaft des TEV Rot-Weiß Fellbach nur zum Teil erfolgreich demonstrieren können. In seinem Einzel unterlag er im entscheidenden Match-Tiebreak Jannik Maute, dem topgesetzten Spieler des TC Weissenhof, mit 7:10. Im Doppel an der Seite von Bogdan Ivascu gelang ihm ein Zwei-Satz-Sieg. Die Niederlage der Gastgeber (2:7) konnte das jedoch nicht mehr verhindern.

Im Alter von drei Jahren bekam Alberto Colas Sanchez in Saragossa von seinem Vater einen Schläger in die Hand gedrückt, der fast so groß war wie er selbst. Er habe wohl tapfer irgendwie die Bälle zurückgeschlagen, sagt der 21-Jährige mit einem Grinsen. Vater Aurelio Colas, selbst Tennisspieler und 1983 auf Platz 616 in der Profi-Weltrangliste, erkannte rasch, dass in seinem lockenköpfigen Sprössling Talent steckt. „Meine Eltern haben mich immer gefördert und unterstützt“, sagt Alberto Colas Sanchez, der zuweilen auch noch bei seinen Eltern wohnt, mittlerweile aber von seinem Onkel Jesus Colas trainiert wird, der 1988 immerhin die Nummer 157 der Tennis-Weltrangliste war.

Der Vater war in der Weltrangliste, der Onkel auch

Trotz der einschlägigen familiären Vorbelastungen: Was den Profi-Tennissport anbetrifft, hat sich Alberto Colas Sanchez eine überaus realistische Einstellung und Einschätzung bewahrt. Er baut sich neben den Auftritten auf den Tennisplätzen deshalb derzeit ein zweites Standbein auf. Seit zwei Jahren studiert der Spanier an einer US-Universität in Mississippi das Fach Marketing. „Ich will mein Glück bei den Profis versuchen, ich werde mich eine Weile auch voll darauf konzentrieren und dann schauen, was geht und was eben nicht geht.“ Doch vorher werde er eben erst sein Studium in den Vereinigten Staaten von Amerika abschließen, sagt Alberto Colas Sanchez.

Und über die USA hat Alberto Colas Sanchez nun den Weg nach Fellbach gefunden, besser gesagt: über seinen Mitbewohner in den Vereinigten Staaten. Den 23-jährigen Florian Broska, selbst immer wieder als Tennisspieler auf Reisen, hatte Armin Maute, der Fellbacher Cheftrainer, 2019 zum TEV holen wollen. Die Zusammenarbeit kam nicht zustande, dafür half Florian Broska jetzt beim Engagement von Alberto Colas Sanchez. „Ich kannte ihn vorher nicht, aber wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist ein Superspieler. Das war ein ganz tolles Einzel auf richtig hohem Niveau. Alberto ist für uns eine richtig gute Verstärkung aus dem Ausland“, sagt Armin Maute.

Alberto Colas Sanchez studiert in Mississippi

Alberto Colas Sanchez sagt von sich selbst, dass er ein typischer Spanier ist, der von der Grundlinie aus die Bälle verteilt. Sein Vorbild ist David Ferrer, ein Landsmann, der als Sandplatzspezialist bekannt war, aber auch auf anderen Belägen gute Resultate erzielte. ,„Ich liebe Sand, mag Hartplätze und habe noch nie auf Gras gespielt.“

Erst am Samstag kam der Spanier, der die Zeit seit Semesterende im Mai zumeist daheim in Saragossa verbracht hat, in Stuttgart an. Einen Bummel durch die Innenstadt hat er am Abend gemacht. „Es war schön, es waren viele Menschen unterwegs“, sagt er. Auch sein erster Eindruck von seinem Klub auf Zeit und der Anlage an der Kienbachstraße ist gut. „Als ich am Samstag ein bisschen trainiert habe, waren fast alle Plätze belegt, das war schön.“ Viel Zeit, Land und Leute kennenzulernen, hat Alberto Colas Sanchez, der noch nie zuvor in Deutschland war, nicht. Am Montag ist er zu einem Turnier nach Barcelona geflogen, „aber am Samstag bin ich wieder da“. Nach zwei TEV-Niederlagen zum Saisonauftakt wird der Spanier nächsten Sonntag in der Auswärtsbegegnung bei den Sportfreunden Schwendi dringend auf dem Platz gebraucht.

Zum nächsten Oberliga-Spiel will der Spanier wieder anreisen

Eine Woche später wird er auf der heimischen Anlage gegen den TV Reutlingen III ein weiteres Mal für den TEV Fellbach Einzel und Doppel bestreiten. Die beiden letzten Partien im September muss Alberto Colas Sanchez allerdings aus Studiengründen sausen lassen. „Ich muss pünktlich zum Semesterbeginn wieder in Mississippi sein.“ Zwischendurch geht es auch mal wieder heim nach Saragossa, wo er mit seinem Onkel trainiert. „Mit meinem Vater spiele ich nur noch zum Spaß.“




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