Terroranschlag in Paris Frankreichs „Krieg gegen den Islamismus“

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Innenminister Darmanin will hart gegen den Terror im eigenen Land vorgehen. Nach der Messerattacke in Paris wird über die Rolle des Islam gestritten.

Französische Polizisten nehmen den mutmaßlichen Attentäter fest, der kurz zuvor zwei Menschen mit einem Messer attackiert hat. Foto: AFP/LAURA CAMBAUD
Französische Polizisten nehmen den mutmaßlichen Attentäter fest, der kurz zuvor zwei Menschen mit einem Messer attackiert hat. Foto: AFP/LAURA CAMBAUD

Paris - „Wir befinden uns im Krieg gegen den Islamismus und wir müssen diesen Krieg gewinnen.“ Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin ist entschlossen, den Kampf gegen den Terrorismus aufzunehmen. Zwei Tage nach der Messerattacke in Paris warnte er beim Besuch einer Synagoge im Stadtteil Boulogne Billancourt, dass sich das Land in einer „sehr kritischen Situation“ befinde, was von manchem seiner Landleute womöglich nicht so wahrgenommen worden sei. Und er erklärte, dass in den vergangenen drei Jahren 32 Angriffe verhindert worden seien.

Streit über die Rolle des Islam

Nach der Attacke in Paris durch einen 18-jährigen Pakistaner wird in Frankreich erneut über die Rolle des Islam im Land gestritten. Inzwischen hat der mutmaßliche Täter des Angriffs vor dem früheren Sitz der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ gestanden, aus Wut über die Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen durch das Blatt gehandelt zu haben. Dabei hat er mit einem Hackmesser zwei Mitarbeiter einer Medien-Produktionsfirma schwer verletzt. Acht Menschen waren am Wochenende im Zusammenhang mit den Ermittlungen in Polizeigewahrsam, darunter ein Bruder des Hauptverdächtigen. Es deute jedoch alles darauf hin, dass der 18-Jährige allein gehandelt habe, verlautete aus Justizkreisen.

Warnung vor Abschottung der Muslime

In den hitzigen Diskussionen um die Rolle des Islam in Frankreich fällt immer wieder ein Wort: Separatisme. Gemeint ist damit die gezielte Abschottung der Bewohner in den berüchtigten Vorstädten entlang ethnischer und religiöser Linien. Seit den Attentaten durch französischstämmige radikale Muslime gegen „Charlie Hebdo“ und im Musikklub Bataclan im Jahr 2015 hat sich die Debatte verschärft. Die zentrale Frage ist, ob sich französische Muslime zunehmend von französischen Werten wie dem Laizismus abwenden. Befürchtet wird die Ablehnung des Rechtsstaates und eine ideologische Radikalisierung, die den Nährboden für Attentate liefert.

Präsident Emmanuel Macron hatte den Begriff „separatism“ bereits im Frühjahr dieses Jahres bei einem Besuch im elsässischen Mulhouse/Mülhausen im Brennpunktviertel Bourtzwiller immer wieder verwendet. Der Staatschef hatte damals eine „republikanische Wiedereroberung“ von Stadtteilen angekündigt, in denen Islamisten viel Einfluss haben.

Mehr Präsenz der Polizei auf der Straße

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin versicherte nun bei seinem Besuch der Synagoge am Sonntag in Paris, dass der Staat die Sicherheitskräfte bei ihrem Kampf gegen den Terrorismus besser ausstatten und die Polizei mehr Präsenz zeigen werde. Allerdings will die Regierung das Problem nicht nur durch ein härteres Durchgreifen lösen. Gearbeitet werde an einem ressortübergreifenden Plan und die Erhöhung der Ausgaben für Kultur und Sport. Zudem soll die Ausbildung von Imamen in Frankreich wesentlich verbessert werden. Bisher kamen viele Geistliche vor allem aus der Türkei oder arabischen Ländern, um in Frankreich in den Moscheen zu arbeiten. All diese Maßnahmen sollen zusammenwirken und auf diese Weise die Radikalisierung von jungen Muslimen verhindern.




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