Von Märklin-Modelleisenbahnen über Plüsch bis hin zu Elektrospielzeug: Spielwarenhersteller Simba Dickie wird bald seine Preise anpassen. Die Reaktion der Kunden bleibt ungewiss.

Fürth - Blickt man auf die blanken Zahlen, könnte sich Florian Sieber entspannt zurücklehnen. „Wir wurden leergekauft“, sagt der neue Chef der familiengeführten Spielwarengruppe Simba Dickie, und meint damit auch seine Modelleisenbahnfirma Märklin. Dort läuft das Geschäftsjahr bis Ende April und das 2021 unerwartet gut. 112 Millionen Euro Märklin-Umsatz hatte er vor Jahresfrist erwartet. 128 Millionen Euro sind es bei Märklin dann geworden.

Schwache Lieferketten, fehlendes Personal

Bei Märklin sorgten zunehmend jüngere Kundengruppen für anhaltend hohe Nachfrage. Die ködert man nun zeitgemäß per Videoclip auf Youtube, Instagram oder Facebook. Auch im sonstigen Familienimperium ging es aufwärts. Um gut fünf Prozent auf 754 Milllionen Euro sind die Erlöse der größten Spielwarengruppe Deutschlands 2021 gestiegen. Inklusive Märklin macht das gut 880 Millionen Euro.

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Im vorigen Weihnachtsgeschäft habe die Pandemie für reißende Lieferketten gesorgt. Märklin habe das schmerzhaft in der Produktlinie für Kinder getroffen. Dazu kommt zunehmender Personalmangel. „Ich würde allein bei Märklin sofort 100 Stellen aufstocken, wenn ich könnte“, sagt Sieber. Weitere hundert Jobs habe er in der Logistik gruppenweit zu vergeben. Simba Dickie beschäftigt hierzulande rund 1 300 Leute. Weltweit sind es 4 200 Beschäftigte.

Branchenweite Preiskämpfe erwartet

Weit mehr Sorgen macht er sich aber um die im Kinderzimmer drohenden Preisaufschläge. „Wir haben extrem gestiegene Kosten bei Kunststoff und Elektronikkomponenten, Verpackung und Seefracht“, zählt Sieber auf. Das habe man erst in geringem Umfang an Kunden weitergegeben. „Aber diesen Februar und März wird das vollen Abdruck finden“, warnt er vor. Relativ glimpflich sieht er Käufer von Modelleisenbahnen davonkommen. Um vier bis fünf Prozent sollen sich Märklin-Produkte verteuern. Bei Plüschtieren schätzt Sieber zehn bis 20 Prozent, bei Puppen fünf bis zehn Prozent und bei Elektrospielzeug 15 bis 20 Prozent.

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Preiskämpfe werden befürchtet. Denn der Corona-Gewinner schlechthin war der Onlinehandel. Das Internet aber sorgt für hohe Preistransparenz, weiß Simba-Dickie-Manager Manfred Duschl. „Wenn wir Preissteigerungen nicht durchsetzen können, bekommen wir Druck auf die Marge“, räumt er ein. Die nennt das Unternehmen zwar traditionell nicht. Glücklich wirkt Duschl beim Blick in die nahe Zukunft aber nicht.

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