Theatersommer Ludwigsburg Mit vollem Einsatz zur dritten Premierenfeier

Von Lisa Kutteruf 

Der Theatersommer Ludwigsburg hat trotz schwieriger Bedingungen ein Programm auf die Beine gestellt, für das es vom Publikum gefeiert wird. Die Stimmung im Freilichttheater ist entspannt – die Vorbereitungen hinter den Kulissen waren es weniger.

Bernhard Linke bei seinem Solo-Auftritt in Günther Grass’ „Blechtrommel“. Foto: factum/Simon Granville 7 Bilder
Bernhard Linke bei seinem Solo-Auftritt in Günther Grass’ „Blechtrommel“. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - „Die letzten Monate waren irrsinnig anstrengend , sagt Peter Kratz, der Intendant des Ludwigsburger Theatersommers. Lange sei unklar gewesen, ob der Theatersommer überhaupt stattfinden würde. „Das ganze Hin und Her hat mehr Energie gekostet als die künstlerische Arbeit“, so Kratz. Dennoch entschied das Ludwigsburger Team letztlich: Wir probieren’s trotzdem. Auch wenn am Ende alles ganz anders wurde als geplant.

Das Sonderprogramm „Reality Close-up“ zum 30-jährigen Jubiläum des Theatersommers in diesem Jahr ist in Zusammenarbeit mit Architektur- und Designstudenten und Künstlern entstanden und verspricht „unerwartete Blicke auf das scheinbar Bekannteste, die Realität“. Die Stiftungsgelder dafür musste Kratz angesichts der Corona-Pandemie auf das kommende Jahr umleiten, auch die Vorstellungen sind auf 2021 verschoben. Die Beschäftigen bekamen teilweise Kurzarbeitergeld, ein Antrag auf Förderhilfe des Landes ist zu Kratz’ Bedauern hingegen abgelehnt worden.

Sechs Mal täglich wird desinfiziert

Nebenbei entwickelte das Team ein Hygienekonzept. Es zimmerte alte Bühnenfenster zu einem Spuckschutz zusammen und baute Absperrbänder aus alten Holzrohren. An Tagen mit Publikumsverkehr wird alles sechs Mal täglich desinfiziert, wie Kratz berichtet, zweimal am Tag kommt eine Reinigungsfirma.

Lesen Sie hier: Der Aufbruch ist im Chaos geendet - Intendant Peter Kratz im Interview

Die Zuschauermenge liegt wegen der geltenden Abstandsregeln bei etwa einem Drittel der üblichen Zahlen. „Der Umsatz ist in einem ähnlichen Verhältnis eingebrochen“, sagt Kratz. Immerhin: „Das Publikum ist wahnsinnig dankbar. Schließlich gibt es zur Zeit weit und breit kaum ein Kulturangebot.“ Die Vorstellungen in der seit Mitte Juli laufenden Spielzeit seien konstant ausverkauft und von Standing Ovations begleitet gewesen. Außerdem bezeichnet Kratz die Atmosphäre im Zuschauerbereich der Freilichtbühne – bedingt durch die nun größeren Abstände zwischen den Plätzen – als sehr entspannt. Dass es durch den Ausfall der Weinlaube, die normalerweise auf dem benachbarten Rathaushof stattfindet, im Hintergrund ruhiger ist, dürfte den Entspannungseffekt noch verstärken.

Blechtrommel als Solo feiert Premiere

Die Spielzeit startete mit den Stücken „Pippi Langstrumpf“ und „Cyrano“. Am heutigen Mittwoch steht die dritte Premiere an.

Die Zuschauer erwartet dann ein sonderbar scharfzüngiges Kind und seine Blechtrommel. Das Ensemble des Theatersommers Ludwigsburg bietet den Klassiker von Günter Grass am Mittwochabend und an zehn weiteren Abenden auf außergewöhnliche Weise dar: als Solostück vom Intendanten des Berliner Ensembles Oliver Reese. Der langjährige Theatersommer-Schauspieler Bernhard Linke als Alter Ego Oskars steht nur mit einer Puppe, die den widerspenstigen Jungen verkörpert, der nicht wachsen will, auf der Bühne. Die Schauspielerin und Musikerin Josephine Tancke steuert live Musik und Geräusche bei.

Inhaltlich dürfte das Stück hingegen liefern, was man von der Blechtrommel erwartet: Oskar, der vor dem Zweiten Weltkrieg, währenddessen und danach mit der Gesellschaft ins Gericht geht und – während er Menschliches und Abgründiges offenlegt – eine Trommel nach der anderen verschleißt.

Die Inszenierung als Solostück ist kein Zufall. Ursprünglich wollten die Macher alle drei Bühnen bespielen, doch das Coronavirus durchkreuzte ihre Pläne. Die Stücke „Orlando“ und „Cabaret Dada“ wurden abgesagt, stattdessen wählten die Intendanten die Blechtrommel als Solovariante, die angesichts der Mini-Besetzung für Pandemiezeiten prädestiniert zu sein schien. Die Vorstellungen am Mittwoch und Donnerstag sind ausverkauft, für spätere Termine gibt es noch Karten.

Am 26. August ist die Premiere des Stücks „How to date a feminist“, in dem es um Rollenbilder und Gleichberechtigung geht und das der Theatersommer angesichts des „brodelnden Zuschauerinteresses“ im vergangenen Jahr noch einmal ins Programm aufgenommen hat. Die Kulissen hat es zu diesem Zweck neu gestaltet, das Paar bleibt mit Bernadette Hug und Bernhard Linke hingegen original besetzt.

Die Spielzeit des Sommertheaters Ludwigsburg endet am 12. September. Karten gibt es in diesem Jahr ausschließlich über den Online-Shop.




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