Theatersommer Ludwigsburg startet in den Sommer Von „Frankenstein“ bis Gertrude Stein

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Mary Shelleys „Frankenstein“ als Boulevardtheater und die „Pension Schöller“ als Zeitstück: Im Juni beginnt die neue Saison im Ludwigsburger Theatersommer.

Die Nibelungen kehren zurück – für zehn Abende im Juli und im August. Foto: Theatersommer
Die Nibelungen kehren zurück – für zehn Abende im Juli und im August. Foto: Theatersommer

Ludwigsburg - Alle Welt spricht zurzeit von künstlicher Intelligenz und davon, ob Roboter oder Cyborgs den Menschen eines Tages ablösen werden. Peter Kratz vom Ludwigsburger Theatersommer versucht nun, diese meist sehr verkopft geführte Diskussion auf die Beine zu stellen. Dazu hat er sich den auch schon bald 200 Jahre alten Frankenstein von Mary Shelley vorgenommen, um ihn auf der Theaterbühne neu zu erzählen. Statt des Schöpfers – wie im Roman – erzählt das Geschöpf die Geschichte aus seiner Sicht. Ein Kunstgriff, der dem Klassiker viel von seinem Horror nimmt, dafür aber das Wesen trotz all seiner schrecklichen Taten beinahe menschlich erscheinen lässt. Die neue Freiluftsaison beginnt am 14. Juni.

„Der Räuber Hotzenplotz“ im Kindertheater

„Wir hatten das Glück, dass wir die Rechte an der Bühnenfassung von Nick Dear bekommen haben“, sagt Kratz, der gemeinsam mit Christiane Wolff den Theatersommer leitet. Dessen Adaption des klassischen Stoffes lief jahrelang erfolgreich im Londoner National Theatre. Die Rolle des von Frankenstein geschaffenen Kreatur spielte der vor allem mit der BBC-Serie „Sherlock Holmes“ berühmt gewordenen Benedict Cumberbatch, das Monster avancierte zum Liebling des Boulevardtheaters. Was den Regisseur und Intendanten des Theatersommers ganz besonders daran reizt, ist das Spiel mit Abstraktionen. „Dear ist ein Schüler von Peter Brook“, sagt Kratz. „Auch ihn interessiert darum nur die Spielsituation, weniger die Kulissen.“

Christiane Wolff setzt dagegen bei ihrer neuen Komödie „Die Pension Schöller“, die im August auf die Freilichtbühne am Clussgarten kommt, auf ein besonders eindrucksvolles Bühnenbild. „Das Stück geht nicht ohne Kulisse“, sagt die Regisseurin. „So eine Komödie ohne Bühnenbild, das wäre wie Billardspielen ohne Bande.“ So betrachtet, sei die Pension Schöller das exakte Gegenstück zu Frankenstein. Der Schwank nach Wilhelm Jacoby und Carl Laufs sei im Grunde „ein alter Schinken“, sagt Wolff. Genau das aber gebe ihr reichlich Gelegenheit für eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen: Texte umschreiben. Sie verspricht denn auch „ein aufgefrischtes Stück mit überraschend neuen Akzenten“.

Wolff, die auch die Kinderstücke inszeniert, hat sich in diesem Jahr für den „Räuber Hotzenplotz“ entschieden. Nach Stücken wie „Tintenherz“ oder „Kalle Blomquist“, die vor allem ältere Kinder und Jugendliche begeistern, sollen nun wieder die Kleineren auf ihre Kosten kommen. „Das Programm war noch gar nicht richtig bekannt, da waren die Schulvorstellungen schon ausverkauft“, sagt Wolff: „Offenbar haben die Lehrer nur darauf gewartet.“ Auch wenn sie gern Zusatzvorstellungen anbieten würde, es ist nicht möglich. Der enge Spielplan lässt es nicht zu, außerdem müssen die Schauspieler des Kinderstücks auch die Komödie am Abend meistern.

Die Nibelungen kommen wieder

Aufgrund des Erfolgs im Sommer 2016 hat Kratz die „Nibelungen“ wieder ins Programm aufgenommen. Die Persiflage des mittelalterlichen Epos’ nach Moritz Rinke kommt nicht nur ganz ohne Massenszenen aus, sie beschränkt sich auch ganz auf die actionreichen Höhepunkte, in denen ein geistig minderbemittelter Siegfried versehentlich zum Helden wird.

Auch die 2014 für das Stück „Garten von Godot“ neu installiert Experimentierbühne im Clussgarten wird wieder bespielt: Zum bereits aus dem Vorjahr bekannten absurden Reigen um „Die Familie Dada im Urlaut-Wald“ wird sich die neue Textcollage „Gertrude und die Steine des Anstoßes“ gesellen. Infiziert vom Dada-Virus hat Peter Kratz weiter nach Texten und Motiven aus dem frühen 20. Jahrhundert gesucht und sie bei Gertrude Stein, in deren Salon sich damals die Avantgarde traf, gefunden.




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