Theodor-Heuss-Preis für Andreas Dresen Mit Kino die Welt ein wenig freundlicher machen

Von Bernd Haasis 

Andreas Dresen war nach der Wende so etwas wie der erste gesamtdeutsche Filmemacher, der die Menschen liebt und stets das Verbindende sucht. Dafür hat er nun den Theodor-Heuss-Preis bekommen.

Andreas Dresen  und die Büste von Theodor Heuss bei der Preisverleihung im Haus der Wirtschaft in Stuttgart Foto: dpa/Marijan Murat
Andreas Dresen und die Büste von Theodor Heuss bei der Preisverleihung im Haus der Wirtschaft in Stuttgart Foto: dpa/Marijan Murat

Stuttgart - Kino kann die Welt nicht verändern, aber es kann die Zuschauer bewegen, und die können dann die Welt ein wenig freundlicher machen“, sagt der diesjährige Theodor-Heuss-Preisträger Andreas Dresen am Samstag im Haus der Wirtschaft. „Nach 30 Jahren: Wie schafft Demokratie Einheit in Vielfalt?“ lautet das Motto. Dresen ist in der DDR aufgewachsen und wurde dann Teil eines gesamtdeutschen Duos mit dem gebürtigen Stuttgarter Produzenten Peter Rommel – „wir sind ein gelebtes Beispiel von Wiedervereinigung“, sagt er.

Der Heuss-Stiftung zeichnet Menschen aus, die das demokratische Gemeinwesen verteidigen in jenem integrativen Geist, mit dem der Verfassungsvater und erste Bundespräsident Theodor Heuss Westdeutschland geprägt hat. Dresen hat einen scharfen Blick dafür, was Menschen ausmacht und verbindet: die verlorenen Seelen in „Nachtgestalten“ (1998), die Zerrissenen in „Halbe Treppe“ (2002), den DDR-Sänger „Gundermann“ (2018) mit seiner unglücklichen Stasiverstrickung.

Ein solidarischer Ansatz

„Verrat und Opportunismus gibt es überall“, sagt Dresen dazu. „Gundermann war bei der Stasi, um die DDR besser zu machen, das haben sie gemerkt und dann ihn bespitzelt. Da kann sich jeder fragen: ‚Was hätte ich getan?‘“ Er habe sich „in der DDR zu Hause gefühlt“, bekennt der Regisseur: „Nicht jeder gegen jeden, sondern ein solidarischer Ansatz. Die Umsetzung war höchst mangelhaft, klar, aber dass so ein Experiment scheitert, heißt ja nicht, dass der Ansatz falsch ist.“ Er hätte sich nach dem Mauerfall einen „kommunikativen Prozess“ gewünscht über eine „andere Form von Zusammenleben“. In seinem Film „Als wir träumten“ geht es um die Ernüchterung Heranwachsender im Osten nach der Wende. „Das Ende der Träume heißt ja nicht, dass es dann nicht wieder neue Träume geben kann“, sagt Dresen.

Drei Medaillen vergibt die Heuss-Stiftung noch an diesem Vormittag: Perspektive hoch 3 ist ein Verein junger Menschen, der ostdeutsche Blickwinkel im öffentlichen Diskurs sichtbar machen möchte, der Schüler Jakob Springfeld aus Zwickau engagiert sich gegen Rechtsradikalismus und ist Klimaaktivist. Bernhard Winter, Psychologe und früher Bürgermeister von Markt Schwaben bei München bringt in seinen „Sonntagsbegegnungen“ seit 1992 „Menschen, die sich nicht nahe sind, einander näher“. Er sagt: „Alles fängt mit Träumen an.“




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