Thomas Bach IOC-Präsident will weiter machen

Von red/dpa 

Auf der 136. Session des Internationalen Olympischen Komitees hat Thomas Bach angekündigt, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren.

Thomas Bach stand während der Corona-Krise heftig in der Kritik. (Archivbild) Foto: AP/Rick Rycroft
Thomas Bach stand während der Corona-Krise heftig in der Kritik. (Archivbild) Foto: AP/Rick Rycroft

Lausanne - Thomas Bach setzt mitten in einer der größten Krisen des Internationalen Olympischen Komitees mit der Ankündigung der Kandidatur für eine weitere Amtszeit ein Zeichen. Ermutigt durch viele IOC-Mitglieder habe er sich entschlossen, im nächsten Jahr erneut anzutreten. „Ich bin tief berührt und ich weiß nicht, wie ich all meine Gefühle und Dankbarkeit ausdrücken soll“, sagte der 66-jährige Tauberbischofsheimer am Freitag auf der ersten virtuellen IOC-Session der Geschichte. „Es ist ein wirklich emotionaler Moment.“

Nach der Ankündigung, nach den ersten acht Jahren noch vier weitere im höchsten Amt des Weltsports bleiben zu wollen, gab es für den in der Corona-Krise heftig kritisierten Bach viel Lob von den Kollegen. „Wir leben die olympischen Werte. Danke für ihre Ankündigung. Wir müssen unsere Einigkeit zeigen“, kommentierte Prinz Albert von Monaco den Bach-Entschluss. „In dieser Pandemie-Phase brauchen wir sie“, rief das senegalesische IOC-Mitglied Mamadou Diagna Ndiaye dem deutschen Spitzenfunktionär zu. Bach erwiderte: „Ich hoffe, wir behalten diesen Teamspirit. Es ist eine Ermutigung für mich, in Zukunft noch härter zu arbeiten. Wir wissen, dass es keine einfache Reise sein wird.“

Heftige Kritik an Bach

Es geht um nicht weniger als die Rettung der verschobenen Sommerspiele in Tokio auf das kommende Jahr. Als Krisenmanager bis zur Entscheidung, die Spiele in Japan zu verlegen, hatte er heftige Kritik geerntet - vor allem von den Athleten. Mangelnde Transparenz und ein zu langes Zögern wurden Bach vorgeworfen. Wenige Tage vor der IOC-Session hatte der deutsche Athletensprecher Max Hartung noch einmal gemahnt, die Athleten in die Planung und Szenario-Planung für die Tokio-Spiele miteinzubeziehen.

Unterdessen hat der Deutsche Olympische Sportbund Bachs Entschluss, 2021 erneut anzutreten, begrüßt. „Wir wünschen ihm dabei viel Erfolg“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. „Es liegen schwierige, aber zugleich erfolgreiche sieben Jahre hinter ihm und gerade in der nun herausfordernden Zeit der Pandemie braucht der Weltsport eine starke Führung.“ Auch Sportdeutschland brauche ein starkes IOC.

2021 läuft die erste Amtszeit des Olympiasiegers von 1976 mit der Herrenflorett-Mannschaft nach acht Jahren aus. Bach war 2013 dem Belgier Jacques Rogge im IOC-Spitzenamt gefolgt. 1981 kam er in die Athletenkommission und wurde zehn Jahre später ordentliches Mitglied des IOC. 1996 wurde Bach in das IOC-Exekutivkomitee gewählt.

Handeln im russischen Dopingskandal führte zu Protesten

In seiner bisherigen Amtszeit hat Bach nicht nur mit der Agenda 2020 einen Reformprozess im IOC für die Vergabe und Ausrichtung von Olympischen Spielen initiiert, sondern war auch mit Krisen konfrontiert. Dazu gehört der russische Dopingskandal mit der Manipulation von russischen Dopingproben im offiziellen Analyselabor bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Dass Bach einen kompletten Olympia-Bann Russlands als Sanktion ablehnte und Athleten der Sportmacht nach individueller Prüfung an den Spielen 2016 in Rio und 2018 in Pyeonchang zuließ, erzeugte weltweit Proteste.

Zudem konnte die Agenda 2020 das Image der Olympischen Spiele - zu gigantisch und exorbitant teuer - nicht so schnell, wie vom IOC erhofft, aufpolieren. Bewerber mussten wegen des Widerstandes der eigenen Bevölkerung reihenweise aufgeben - dazu gehörten auch München und Hamburg.

Die gegenwärtige, größte Herausforderung ist für Bach und das IOC die Corona-Krise und die Rettung der Tokio-Spiele, was mit einer Vielzahl von Szenarien zusammen mit den japanischen Gastgebern gelingen soll. „Wir sind Sportsleute und versuchen, unser Bestes zu geben“, sagte Bach betont optimistisch.

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