Thunberg vs. Bahn Fünf Gründe, die Bahn zu nehmen – und fünf dagegen

Von Redaktion 

Greta Thunberg sitzt auf dem Boden, die Bahn kassiert Spott und Häme – wie gut ist der Konzern im Alltag?

„In überfüllten Zügen durch Deutschland“ twitterte Greta Thunberg. Daraufhin erklärte die Bahn, Thunberg habe  den Komfort der 1. Klasse genossen.  Später stellt sich heraus: Züge waren  ausgefallen, Thunberg saß teilweise im Gang, nur vorübergehend in der 1. Klasse.      Foto: /Twitter/Thunberg
„In überfüllten Zügen durch Deutschland“ twitterte Greta Thunberg. Daraufhin erklärte die Bahn, Thunberg habe den Komfort der 1. Klasse genossen. Später stellt sich heraus: Züge waren ausgefallen, Thunberg saß teilweise im Gang, nur vorübergehend in der 1. Klasse.    Foto: /Twitter/Thunberg

Stuttgart - Die Klimaaktivistin Greta Thunberg streitet sich mit der Bahn. Eine gute Gelegenheit, den deutschen Schienenverkehr unter die Lupe zu nehmen.

PRO

1. Herzklopfen für wenig Geld

Anders als früher ist das Personal der Bahn von heute freundlich und engagiert. Das ist etwa von Vorteil, wenn man aus Versehen vor neun Uhr mit dem Baden-Württemberg-Ticket fährt. Weil die Schaffnerin einer fünfköpfigen Rentnergruppe geduldig erklärt, warum jeder 60 Euro wegen Schwarzfahrens zahlen muss, hat man als Sitznachbar mit dem gleichen Problem genug Zeit, beim nächsten Halt das Weite zu suchen. Wo gibt es heute noch so viel Herzklopfen für so wenig Geld? (lud)

2. Mitmenschlichkeit erleben

Wer sein Zugticket frühzeitig bucht, spart zwar, legt sich aber wochen- oder gar monatelang im Voraus fest. Die Zugbindung kann einem einen dicken Strich durch die Rechnung namens Leben machen – etwa bei plötzlichen Todesfällen. Doch zum Glück gibt es noch Menschen hinter dem DB-System, die ein Auge zudrücken und die Zugbindung Zugbindung sein lassen, wenn man statt um 15 Uhr bereits um 10 Uhr zurück nach Stuttgart fahren muss, um noch rechtzeitig zur Trauerfeier zu kommen. Und das ganz ohne Aufpreis. (

3. Neue Freunde kennen lernen

Eine Frau telefoniert lautstark in der Vierersitzgruppe im Abteil. Ersten Zug verpasst, miserablen Tag gehabt, dafür aber wahnsinnig viel Spargel mitbekommen, wer das denn alles essen solle, fragt sie. Abendessen werde aber super, sagt sie. Dauert halt noch, weil wir erst kurz hinter Frankfurt sind. Als sie mit Telefonieren aufhört, zeigt eine ältere Dame auf eine der Taschen der Frau. „Ist da der Spargel drin?“, fragt sie. Man lernt sich kennen in der Bahn. (setz)

4. In Ruhe arbeiten

Im modernen Großraumbüro kommt man heutzutage ja kaum zum konzentrierten Arbeiten. Anders im Großraumabteil des ICEs, die Mitfahrenden behelligen einen wohl nur selten mit arbeitsspezifischen Fragen. Wer eine Platzreservierung und eine umstiegsfreie Verbindung hat, kann Dank des mäßig funktionierenden Wlans völlig störungsfrei arbeiten. Damit der positive Flow nicht abbricht, kommt die nächste Verspätung bestimmt. Ein Hoch auf das Zugoffice! (hsp)

5. Hilfe vom Schaffner erhalten

Auf der Fahrt in den Sommerurlaub mit Kind, Kegel und Schwiegermutter. Natürlich hat direkt der erste Zug Verspätung, beim hektischen Umstieg in Würzburg stürzt die Oma. Anschluss weg, Familie sitzt genervt am Bahnsteig, Omas Bein blutet. Da ruft plötzlich der Lokführer am Gleis hinter uns, ob er helfen vielleicht kann, und reicht Verbandsmaterial aus dem Fenster. Als die Schaffner im nächsten Zug dann auch noch kostenlose Getränke ausschenken, ist alles wieder gut.

KONTRA

1. Chaos erleben

Die Dame im Reisebüro ist sich ganz sicher. „Mannheim, Göttingen, Hannover, Stralsund: Wenn Sie nach Rügen wollen, müssen Sie viermal umsteigen. Eine Direktverbindung besteht nicht“, erklärt sie. Am Gleis 12 geht’s los – und bis auf eine Vollsperrung auf Rügen läuft auch alles wie am Schnürchen. Dumm nur, dass kurz vor der Abfahrt auf dem Nachbargleis die Direktverbindung aus dem Ostseebad Binz auf Rügen einfährt. Bitte zurücktreten! (smr)

2. Frustrationen aushalten

Sport soll ja gesund sein. Wenn man aber zweimal innerhalb einer Woche wie ein Irrer durch den Bahnhof rennt und trotzdem nur die Rücklichter des Anschlusszugs sieht, hört der Spaß irgendwann auf. Erst recht, wenn man in beiden Fällen vorher im Zug die Ansage gehört hat: „Sämtliche Anschlusszüge werden erreicht!“ Das Wort „voraussichtlich“ hat man als positiv denkender Mensch natürlich überhört. Aber halt, fährt hier nicht gerade ein Zug in der richtigen Richtung ein? Fehlanzeige. Leider nur eine Betriebsfahrt: „Bitte nicht einsteigen!“ (lud)

3. Sich gegenseitig nerven

„Ihnen ist schon klar, dass ich meinen Anschluss nach Hamburg verpasse?“, stellt der Mann im Anzug gegenüber der Frau vom Service fest. Sie nickt und entschuldigt sich erneut für die Verspätung und auch dafür, dass es am Abend keinen direkten Anschlusszug mehr gebe. Der Fahrgast fragt, ob sie zur Dekoration an Bord sei, und sagt, wie lächerlich das alles wäre. Hamburg sei schließlich die zweitgrößte Stadt im Land. Man lernt sich leider kennen in der Bahn.

4. Ungeplant übernachten

Wer einmal vergeblich abends auf den letzten Zug gewartet hat, wünscht sich einen Sitzplatz auf dem Boden im Gang – immerhin käme man dann noch weg. In diesem Fall sagte zwar die App, der Zug sei gemäß Fahrplan unterwegs. Nur leider tauchte er am Bahnhof Osterburken nie auf. Stattdessen hoppelte ein Feldhase über die Gleise. Wo der Geisterzug stattdessen unterwegs war? Das bleibt das Geheimnis der Bahn. Die Nachfrage wurde leider nicht beantwortet. (aja)

5. Über Kosten ärgern

Die Bahn will mehr als zwölf Milliarden Euro für neue Züge ausgeben. Dies sei „eine Rekordsumme in der Geschichte der DB“, erklärte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Montag. Allein, wer weiß, wie viele Milliarden der Bund schon in die Bahn gesteckt hat, wird kaum ins Frohlocken der Bahn-Chefs einstimmen. Experten zufolge sind allein 25 000 Eisenbahnbrücken marode, von den Zugausfällen, Verspätungen und unterbezahlten wie überforderten Mitarbeitern ganz zu schweigen. (smr)




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