Tiere in Feld und Weinberg Wiedehopf und Werre wieder im Wengert?

Von Michael Eick 

Ein verloren geglaubter Bewohner unserer Landschaft meldet sich zaghaft zurück: der Wiedehopf (Upupa epops). Aber der Erfolg seines Comebacks hängt vielleicht an Insekten wie der Maulwurfsgrille. (Gryllotalpa gryllotalpa).

Der Wiedehopf hat sich eine Werre geschnappt.Foto: Michael Eick Foto:  
Der Wiedehopf hat sich eine Werre geschnappt.Foto: Michael Eick

Fellbach - Wenn man nach den vielen Wiedehopf-Sichtungen, die es im Frühjahr gegeben hat, geht, steht dieser charismatische Vogel kurz vor seinem endgültigen Comeback. Von überall her rings um Fellbach gab es dieses Jahr Beobachtungen: aus Rommelshausen und Obertürkheim, aus Remseck, vom Korber Kopf und an mehreren Stellen im Remstal. Sogar mitten in Backnang wurde im April einer gesichtet. Freilich handelte es sich wohl bei all den Wiedehopfen im Frühjahr um sogenannte Durchzügler, Individuen also, die nicht bei uns brüten, sondern auf dem Weg in ihre etwas weiter nördlich liegenden Brutgebiete waren.

In Baden-Württemberg gibt es den Wiedehopf eigentlich nur am Kaiserstuhl

So ist diese Vogelart nicht nur in manchen warmen Weinbaugegenden entlang des Rheins, etwa in der Pfalz verbreitet, sondern auch in ehemaligen Truppenübungsplätzen und Bergbaulandschaften Ostdeutschlands. Irgendwo müssen diese Vögel auch mal Zwischenrast machen – übrigens auch auf dem Rückweg, den sie inzwischen längst angetreten haben. Die Wintermonate verbringen sie nämlich am liebsten im milden Mittelmeerraum und in Nordafrika.

In Baden-Württemberg gibt es den Wiedehopf eigentlich nur am Kaiserstuhl. Doch die handfesten Nachweise zur Brutzeit rücken näher an Fellbach heran. An einigen Stellen im Remstal und Neckartal wurden die markanten Vögel auch im Sommer gesichtet – zu einer Zeit also, in der sie bereits brüten. Zuletzt hat ein Pärchen in der Nähe von Nürtingen gebrütet. Auch aus Fellbach gibt es solche vereinzelten Beobachtungen.

Wird der Vogel genügend Nahrung finden?

Was liegt also näher, als dem einstigen Allerweltsvogel schon mal ein Plätzchen vorzubereiten, an dem er sich im Idealfall niederlassen könnte, ins sprichwörtliche „gemachte Nest“ gewissermaßen. Die hiesige Fellbacher Nabu-Gruppe hat also kurzerhand ein Nistkastenprojekt aufgelegt und mittlerweile rund drei Dutzend spezieller Nestboxen gebaut und aufgehängt. So soll dem Wiedehopf die Wiederkehr in den Wengert ermöglicht werden. In die Kästen, die rings um Fellbach entlang der Weinberge, im Bereich der Pferdekoppeln des Reitvereins und der Equirena, in den Oeffinger Streuobstwiesen oder in Gärten in Richtung Hofen und Untertürkheim aufgehängt wurden, setzen die Projektverantwortlichen große Hoffnungen. Prinzipiell wird sich der Wiedehopf im Weinbauklima rund um den Fellbacher Kappelberg wohlfühlen.

Maulwurfsgrille ist nicht beliebt. Foto: Michael Eick

Eine Sache indes ist im Moment noch völlig unklar: Wird der Vogel genügend Nahrung finden? Der Wiedehopf, der den allermeisten aus „der Vogelhochzeit“, dem beliebten Kinderlied bekannt sein dürfte, bringt zwar im Lied der Braut einen Blumentopf als Geschenk – aber nur des Reims wegen. Denn mit Blumentöpfen hat er so gar nichts am Hut. Viel eher interessiert sich der „Weidenhüpfer“, wie man seinen Namen deuten müsste, für Großinsekten. Ganz oben auf der Liste seiner Lieblingsspeisen stehen neben Engerlingen von Maikäfern und anderen Kerfen ein ganz besonderes Insekt: die Werre oder Maulwurfsgrille.

Die Maulwurfsgrille ist bei Gartenbesitzern, Gärtnern und Gemüsebauern nicht beliebt

Das Vorkommen solcher Beutetiere ist jedoch für eine dauerhafte Existenz des Wiedehopfs entscheidend. Die einst fast überall verbreitete und durchaus häufige Werre ist heutzutage bundesweit in der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft. In vielen Regionen sind sie bereits ganz verschwunden. Grund: starke Verfolgung. Die Maulwurfsgrille ist nämlich bei Gartenbesitzern, Gärtnern und Gemüsebauern nicht sonderlich beliebt. Mit kräftigen Grabschaufeln legt dieses Ungetüm richtige Tunnelsysteme unter der Erde an. Was dem Tunnel im Weg ist, wird kurzerhand beseitigt. Mehrere Meter buddelt eine Maulwurfsgrille unter Umständen in einer Nacht, bevorzugt in lockerem Substrat. Durch die Aktivität des Tiefbau-Tiers kann da auch mal ein zartes Jungpflänzchen oder eine frische Einsaat zu Schaden kommen. Als Nahrung hat sie es dagegen auf Würmer, Gelege von Schnecken, Engerlinge und andere Wirbellose, die im Boden leben, abgesehen. Pflanzenwurzeln knabbert sie nur im Notfall an. Die Einschätzung, sie sei ein Schädling, ist demnach nicht gerechtfertigt. Das Gegenteil ist eher der Fall. Sie durchwühlt und lockert den Boden und verschlingt so manches Tierchen, das im Gartenbau richtige Probleme bereiten könnte.

Bei uns in der Gegend scheint die Werre nur noch stellenweise vorzukommen – etwa im Bereich der Hangweide bei Stetten in Kernen. Ob sie sich noch an anderen Stellen durch den Boden wühlt, ist nicht genau bekannt. In ihrem Tunnel, in dem sie sich fast ihr ganzes Leben aufhalten, sind sie weitgehend sicher, zumindest so lange, bis ein Wiedehopf sie bemerkt hat. Mit seinem langem, leicht abwärts gebogenen Schnabel stochert er in der Erde und zieht seine Beute wie mit einer Pinzette heraus. Nach erfolgreicher Beutesuche scheint sich der Vogel in einen riesenhaften Schmetterling zu verwandeln und flattert mit weichen Flügelschlägen auf großen schwarz-weiß gestreift Flügeln zu seinem Nistplatz.

Steckbrief

Der Wiedehopf ist ein hübscher, etwa drosselgroßer Vogel, der aber wegen seines Kopfschmucks und seines langen Schnabels größer wirkt. Der Körper ist rostrot, an Flügeln und Schwanz hat er auffällige schwarz-weiße Streifen, am Kopf trägt er eine Federhaube, die er bei Erregung aufstellen kann. Im Normalzustand hält er diese Kopffeder geschlossen nach hinten, was dem Kopf mit dem langen gebogenen Schnabel zusammen eine „hammerartige“ Silhouette verleiht.

Die Maulwurfsgrille ist eine kräftig gebaute, hellbraune bis graue Grille, die bis zu fünf Zentimeter groß werden kann. Sie sind vorwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv. Ihre Lebensdauer kann bis zu drei Jahre betragen. Nach der Paarung im späten Frühjahr legen die Weibchen im Boden mehrere Nisthöhlen an, die sie mit bis zu 300 Eiern bestücken.




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