Tierschutz Taubenabwehr ist kein leichtes Spiel

Von Natalie Kanter 

Die Stadt will ein Netz am Leinfelder Bahnhof spannen, um die Vögel dauerhaft von dort zu vertreiben. Das ist alles andere als einfach und stößt auch auf Kritik.

Bisher spricht sich die Stadt gegen den Bau eines Taubenhaus in Leinfelden aus. Foto: Bernd Weißbrod /dpa
Bisher spricht sich die Stadt gegen den Bau eines Taubenhaus in Leinfelden aus. Foto: Bernd Weißbrod /dpa

Leinfelden-Echterdingen - Die Stadt Leinfelden-Echterdingen will am Leinfelder Bahnhof ein Netz spannen, um die Tauben, die gerne auf der Dachkonstruktion sitzen, zu vertreiben. „Am frühen Morgen und am späten Nachmittag kann man die Vögel dort beobachten“, berichtet Tierschützerin Eva Mahlich. Die Tiere nutzen den Ort als sicheren Schlafplatz. Ihr Kot fällt dabei allerdings reichlich in die Bahnhofsunterführung, was bei Passanten für Ärger sorgt. Eigentlich war diese Form der Taubenabwehr schon für Mitte März geplant. Doch die Fahrleitung der U 5 muss dafür abgeschaltet werden, wie Bürgermeisterin Eva Noller sagt. Sonst sei dies zu gefährlich. Die Aktion kann auch nicht auf einen Rutsch passieren, sie soll vielmehr in mehreren Phasen ablaufen.

Die Stadtverwaltung hat mit den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) bereits ein Gespräch dazu geführt. Noch ist aber unklar, wann genau die Leitungen abgestellt werden können. Üblicherweise werden solche Arbeiten in der Betriebspause – also nachts – erledigt, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung seitens des Unternehmens. „Die Stadtbahnen brauchen Strom, um fahren zu können“, sagt eine Sprecherin. Diesen bekommen sie mit einem Bügel, der am Fahrzeug befestigt ist und Kontakt zur Oberleitung hat.

Die Stadt hatte schon einmal ein Netz gespannt

Die Stadt hat bereits 2019 versucht, das Problem mit dem Taubendreck am Leinfelder Bahnhof zu lösen. Ein Netz wurde angebracht. Nach ein paar Tagen hat Eva Mahlich die Stadt darüber informiert, dass in dem Netz Tauben gefangen waren. Deshalb hat die Stadt das Netz an einer Stelle wieder aufgemacht. Genau dort sind die Tiere dann aber ein- und ausgegangen.

Eva Mahlich ist gelernte Tierarzthelferin und hat sich vor Kurzem mit einem Schreiben an Stadträte gewandt. Ihren Schilderungen nach, waren damals drei Tauben mehrere Tage lang in dem Netz eingesperrt. Zunächst habe sich niemand zuständig gefühlt. Die Tiere seien erst durch eine auf Taubenabwehr spezialisierte Firma befreit worden, nachdem sich auch der Verein Tierfreunde Filderstadt eingeschaltet hatte und mit einer Anzeige gedroht wurde.

50 bis 60 Tiere leben laut Mahlich am Leinfelder Bahnhof. Die Frau weiß das so genau, weil sie immer wieder verletzte Tauben zur Pflege aufnimmt. Sie hält den Zeitpunkt, erneut ein Netz zu spannen, für nicht passend. Denn offenbar brüten derzeit einige Pärchen. „Es müssen bereits Junge geschlüpft sein“, sagt sie. Sie hat beobachtet, dass Eierschalen am Boden liegen.

Tierschützerin drängt auf ein Taubenhaus

Auch von der Idee der Stadt, auf den Rohren der Dachkonstruktion Nadeln anzubringen, sodass sich die Tauben dort nicht mehr niederlassen, hält sie wenig. Denn so werde das Problem nur verlagert. „Die Tauben werden sich Plätze auf den umliegenden Gebäude suchen“, sagt sie. Effektiver Tierschutz könnte ihrer Meinung nach derweil mit einem Taubenhaus betrieben werden. Eier werden dort gegen Gipseier ausgetauscht, um die Anzahl der Vögel gering zu halten.

Doch von der Idee, ein Taubenhaus zu errichten, hält die Stadtverwaltung wenig. „Es wäre schwer, einen Standort dafür zu finden“, sagt Bürgermeisterin Noller. Vermutlich bräuchte die Kommune dann auch zwei solcher Häuser – eines in Leinfelden und eines in Echterdingen – denn auch an der Echterdinger S-Bahnstation gibt es Probleme mit Tauben und ihren Hinterlassenschaften. Zudem bedeute der Austausch der Eier sehr viel Aufwand, den die Verwaltung nicht leisten könne.