Tiny Häuser Schorndorf 900 Interessenten stehen auf der Liste

Tiny Häuser benötigen nur eine kleine Grundfläche. Foto: privat
Tiny Häuser benötigen nur eine kleine Grundfläche. Foto: privat

Das Echo auf die ersten fünf Bauplätze für Tiny Häuser in Schorndorf war gewaltig. Andere Standorte im Rems-Murr-Kreis könnten dazu kommen. Doch wer sich mit kleinem Raum begnügen kann, muss teils viel Geduld haben.

Rems-Murr: Isabelle Butschek (ibu)
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Schorndorf - Gut ein Jahr ist es her, dass der Schorndorfer Gemeinderat den Weg für mehr als ein Dutzend Stellplätze für Mini-Häuser freigemacht hat. Noch in diesem Jahr könnten die ersten Tiny Häuser bezogen werden.

Wie kam es zum Beschluss für die Tiny-House-Standorte? Ursprung dieser Bauplätze war ein Haushaltsantrag der CDU-Fraktion im Winter 2019. Darauf fußend hat die Verwaltung dem Gemeinderat mehrere mögliche, ungenutzte Flächen für eine vorübergehende Tiny-House-Nutzung vorgeschlagen – insgesamt wären bis zu 25 Tiny Häuser möglich gewesen.

Für die Standorte ausgewählt wurden nur Flächen, die für herkömmlichen Wohnungsbau nicht geeignet sind. Ein Platz fiel weg, eine andere Fläche wurde nicht ausgeschöpft, und so stimmte der Gemeinderat im Mai 2020 schließlich rund 14 Stellplätzen zu, die sich auf einen Standort im Lindenweg sowie zwei Standorte an der Remsstraße verteilen. Als Erstes wurde der Standort Lindenweg realisiert, fünf Bauparzellen mit einer Größe zwischen 120 und 150 Quadratmetern wurden im vorigen Dezember ausgeschrieben. Der Vertrag wird auf zehn Jahre abgeschlossen, die monatliche Pacht liegt zwischen 200 und 240 Euro je Parzelle.

Wie groß ist das Interesse? Das Echo auf die ersten fünf Parzellen war gewaltig. Die Stadtverwaltung hatte sich entschieden, auf der Homepage eine Online-Interessentenliste für die Pachtgrundstücke zu schalten. Aktuell stehen etwa 900 Interessenten auf dieser Liste. Die Anzahl der verbindlichen Bewerbungen auf die Bauplätze im Lindenweg war jedoch wesentlich geringer, wie Svenja Beigl vom Fachbereich Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr berichtet: „Von etwa 40 eingegangenen Bewerbungen konnten nach Sichtung der Projektskizzen rund 30 beim Auswahlverfahren berücksichtigt werden.“ Der Großteil der Bewerber kam aus der Region Stuttgart, darunter drei direkt aus Schorndorf. Auch aus Bayern, Hessen oder Niedersachsen wurden Bewerbungsunterlagen eingereicht. Die fünf Bewerber mit der höchsten Punktzahl erhielten den Zuschlag.

Wie werden die Bauplätze von der Stadt Schorndorf erschlossen, und was müssen die Bauherren tun? Es werden Hausanschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser sowie ein Glasfaseranschluss gelegt, die Erschließungsarbeiten haben gerade begonnen. Zudem ist für jede Wohneinheit ein Stellplatz vorgesehen. Im Lindenweg können aufgrund der Lage und des Grundstückszuschnitts Tiny Häuser bis 35 Quadratmeter und einer maximalen Höhe von vier Metern zugelassen werden.

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Dies entspricht in etwa einem Vollgeschoss und einer Galerie. Die Bauherren müssen ein Baugenehmigungsverfahren durchlaufen, wie es bei konventionellen Gebäuden der Fall ist. Derzeit werden die entsprechenden Anträge geprüft.

Wie geht es mit den weiteren Tiny-House-Standorten in Schorndorf weiter ? Zunächst gilt es, erste praktische Erfahrungen im Lindenweg zu sammeln. Nachdem erste Erfahrungswerte vorliegen, sollen weitere Flächen untersucht werden. Derzeit lässt sich laut Svenja Beigl noch nicht abschätzen, welcher Standort als Nächstes konkretisiert wird.

Und wie sieht es mit Tiny-Häusern in anderen Kommunen im Kreis aus? Intensiv diskutiert wird eine Tiny-House-Siedlung in Weissach im Tal. Dort kam die Idee während der Bürgerbeteiligung „Zukunftsoffensive Ortsteile“ auf. Verschiedene Initiativen, aber auch Kommunalpolitiker über die Fraktionen hinweg wollen eine Tiny-House-Siedlung umsetzen. Der Bürgermeister Ian Schölzel berichtet, dass zurzeit einige mögliche Standorte näher untersucht werden. Der Rathauschef ist guter Dinge, dass im kommenden Jahr ein Standort umgesetzt werden könnte – drei Initiativen und Organisationen hätten mittlerweile ihr Interesse daran bekundet.

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In Winnenden könnten im Zuge des Wohngebiets Adelsbach II je nach Variante 20 bis 25 Tiny Häuser errichtet werden. „Dabei wollen wir in modularer und vorgefertigter Bauweise experimentell mit dem Thema umgehen und haben dieses Projekt mit dem Gemeinderat beraten“, sagt die Sprecherin Emely Rehberger. Bis das erste Tiny Haus in Winnenden gebaut werden kann, wird es allerdings noch dauern: Die Erschließung für das Baugebiet kann voraussichtlich erst Ende 2027 fertiggestellt werden. Eine Vermarktung wird also erst im Jahr 2027 erfolgen. Die Stadt Winnenden will dann Grundstücke zum Kauf und zur Pacht anbieten.




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