InterviewTipps vom Feuerwehrprofi aus Ludwigsburg Nicht empfehlenswert: Spaghetti kochen in der Nacht

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Brennendes Essen, qualmende Mülleimer: Warum die Feuerwehr oft wegen Kleinigkeiten ausrückt – und warum das nicht schlimm ist.

Bei diesem Brand in Stuttgart-Vaihingen entstand im Dezember ein Schaden von bis zu 100 000 Euro. Die Bewohner hatten einen Topf mit Butter auf dem angeschalteten Herd vergessen. Foto: SDMG
Bei diesem Brand in Stuttgart-Vaihingen entstand im Dezember ein Schaden von bis zu 100 000 Euro. Die Bewohner hatten einen Topf mit Butter auf dem angeschalteten Herd vergessen. Foto: SDMG
Ludwigsburg – - Daran, dass die Feuerwehr ausrückt, um Katzen aus Bäumen zu retten, ist man gewöhnt. Dass sie auch immer öfter gerufen wird, weil Essen anbrennt, ist gewöhnungsbedürftig. Der Feuerwehrprofi Hans-Peter Peifer findet das nicht ärgerlich – nur manchmal.

Herr Peifer, können die Ludwigsburger nicht kochen? Gefühlt vergeht kein Tag, an dem die Feuerwehr nicht ausrücken muss, weil jemand sein Essen auf dem Herd vergessen hat.

Die Ludwigsburger können bestimmt kochen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Leute ihr Essen auf dem Herd vergessen. Man glaubt auch gar nicht, wie viele Leute spät nachts heimkommen und sich dann noch was kochen. Wenn es dumm läuft, schlafen sie darüber ein, und das Essen brennt an.

Wann war der letzten Einsatz dieser Art?

Am vergangenen Sonntag. Ein Rauchmelder war angegangen und Nachbarn haben die Feuerwehr alarmiert. Wir mussten die Wohnungstür aufbrechen, weil niemand da war. Drinnen auf dem Herd hat dann das Essen gequalmt. Ein paar Tage vor Weihnachten hatten wir ausrücken müssen, weil eine ältere Frau überm Kochen eingeschlafen war. Auch hier war ein Rauchmelder losgegangen. Diese Geräte sind ein Riesenvorteil. Seit die vorgeschrieben sind, haben wir zwar mehr Einsätze – aber weil wir frühzeitig verständigt werden, können wir oft Schlimmeres verhindern.

Es ist also nicht ärgerlich, dass die Feuerwehr wegen solcher Bagatellfälle ausrücken muss?

Ich finde das nicht ärgerlich. Für mich ist jeder Einsatz ein wichtiger Einsatz. Vor einigen Jahren zum Beispiel hatten wir einen Rauchmelderalarm in einem Altenheim. Als wir losfuhren dachten wir, das dauert wahrscheinlich nicht lange – aber als wir dort angekommen sind, hat alles lichterloh gebrannt. Für uns bei der Feuerwehr gibt es deshalb keine Bagatelleinsätze.

Was kostet ein Einsatz?

Bei einem normalen Einsatz fallen schnell um die 1000 Euro oder ein bisschen mehr an. Aber wenn der Verursacher nicht grob fahrlässig gehandelt hat, ist er nicht kostenpflichtig.

Wann handelt jemand grob fahrlässig?

Wenn zum Beispiel jemand noch warme Grillkohle in einen Mülleimer schüttet. So kann der Mülleimer Feuer fangen, und das Feuer kann auf das Haus übergreifen. Das ist dann grob fahrlässig.

Apropos: Vor der Wilhelmgalerie muss die Feuerwehr regelmäßig Mülleimer löschen. Geht das nicht eine Nummer kleiner?

Sagen wir mal so: Wenn in Walheim oder Hessigheim oder einem anderen Ort auf dem Land ein Mülleimer brennen würde, würde bestimmt der Opa mit seiner Gießkanne das Ding löschen. Aber in den Städten ist das nicht mehr so. Da wird halt die Feuerwehr gerufen. Wobei man sagen muss: Einige Mülleimer in der Stadt schlucken den Abfall unterirdisch, da passt dann schon eine ganze Menge rein – und das kann dann schon mal ganz schön brennen.

Warum brennen Mülleimer überhaupt so oft?

Meistens, weil jemand eine Kippe reinwirft. Dabei gibt es bei den meisten Mülleimern heutzutage separate Aschenbecher.

In Koblenz hat die Feuerwehr einem Seniorenzentrum ihre Einsätze in Rechnung gestellt, weil sie fünf Mal wegen angebranntem Essen ausrücken musste. Können Sie das nachvollziehen?

So was Ähnliches hatten wir auch schon: Wir sind laufend in eine Einrichtung gerufen worden – weil der Rauchmelder falsch montiert war: in der Küche! Das ist natürlich Schwachsinn, weil es dort dauernd raucht. Wenn der Rauchmelder nicht woanders angebracht worden wäre, hätten wir auch eine Rechnung geschickt.

Haben Sie selbst auch schon mal was anbrennen lassen?

Ja, Milch. Aber das ist schon lange her. Damals hat mein ganzes Haus tagelang gestunken. Die Feuerwehr musste deshalb allerdings nicht anrücken, und ich habe vom Kochen die Finger gelassen. Das kann ich wirklich nicht.

Person
Hans-Peter Peifer ist stellvertretender Kommandant der Ludwigsburger Feuerwehr – und seit Neuestem auch stellvertretender Leiter des neu geschaffenen städtischen Fachbereichs Feuerwehr und Bevölkerungsschutz. Der 59-Jährige trägt den Titel Brandamtmann.

Einsätze
Im Jahr 2018 musste die Ludwigsburger Feuerwehr insgesamt mehr als 1100-mal ausrücken. 100 dieser Einsätze waren solche, die umgangssprachlich als Bagatelleinsätze bezeichnet werden. Konkret: 36-mal wurden die Kameraden wegen rauchender Mülleimer gerufen; 24-mal wegen eines angebrannten Essens auf dem Herd; weitere 40-mal sind in der Bilanz pauschal „private Rauchmelder“ als Auslöser für einen Alarm gelistet.