Mit dem Triumph in Mexiko hat der Niederländer seinen Anspruch auf den Titel untermauert. Rekordweltmeister Lewis Hamilton schwimmen die Felle davon.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Stuttgart - „Tequila für alle!“ Das hatte Helmut Marko zur Feier des Tages für die Mannschaft von Red Bull versprochen. Es durfte schon was Hochprozentiges sein, lediglich eine Dose mit taurinhaltiger Aufputschbrause wäre dem Ergebnis des Großen Preises von Mexiko nicht angemessen gewesen, das war dem Motorsportberater des Getränkeimperiums vollauf bewusst. Denn Chefpilot Max Verstappen hatte das Rennen erstens derart überlegen gewonnen und damit, zweitens, seinen Vorsprung im WM-Klassement auf Titelverteidiger Lewis Hamilton auf ordentliche 19 Punkte ausgebaut. „Es ist noch ein langer Weg, aber es sieht gut aus“, sagte der Niederländer nach seinem neunten Saisonerfolg.

19 Punkte Abstand und noch vier Grand-Prix-Duelle stehen an. 19 Punkte sind zwar weniger, als es für einen Grand-Prix-Sieg gibt (25 Zähler), und Lewis Hamilton ist in dieser Saison schon einmal das Kunststück gelungen, seinem Widersacher in vier aufeinanderfolgenden Rennen (Silverstone, Budapest, Spa, Zandvoort) insgesamt 32 Punkte abzunehmen. Doch bei der Dominanz, die Verstappen und Red Bull seit einigen Wochen nachhaltig mit Resultaten belegt haben, mutet diese 19-Punkte-Lücke für den Formel-1-Superstar an wie eine fast unüberwindbare Gletscherspalte für Bergsteiger-Heros Reinhold Messner an einem Achttausender im Himalaja. „Wir geben alles, aber im Moment ist es nicht genug, um mit Red Bull mithalten zu können“, bekannte der Rekordweltmeister. Der ohnehin starke Honda-Motor von Red Bull arbeitet in der Höhenluft noch mal besser als die Antriebe von Mercedes. „Ist der WM-Kampf bereits entschieden?“, fragte der Schweizer „Blick“ – und die Antwort drängt sich auf: Ja, wahrscheinlich!

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Die Strecken Am Rande von Mexiko-Stadt raste Verstappen bereits zum dritten Mal in Folge vor Hamilton über die Ziellinie. In der Höhenluft (1800 m), die dem Honda-Aggregat von Red Bull besser schmeckt, wurde er seinem Favoritenstatus gerecht. Doch der 24-Jährige ließ seinen großen Rivalen auch in Austin und in Istanbul hinter sich, wo Mercedes als Favorit gegolten hatte. In Brasilien auf 600 Meter Meereshöhe, wo am kommenden Sonntag (18 Uhr) das nächste Duell bevorsteht, dürfte erneut der Niederländer das bessere Gesamtpaket besitzen, so vermuten das zumindest die einschlägigen Experten. In Katar könnte Mercedes leichte Vorteile besitzen, auf dem Stadtkurs von Dschidda in Saudi-Arabien stehen die Chancen eher pari und in Abu Dhabi vielleicht 51:49 für die Silberpfeile. „Wenn sie ihre Form in die nächsten Rennen hinübernehmen“, meinte Hamilton fast mahnend, „werden wir Probleme haben.“ Die Teamkollegen Bei den Adjutanten der WM-Duellanten gilt Sergio Perez als der deutlich Engagiertere im Vergleich zu Valtteri Bottas. Der Finne sicherte sich in Mexiko zwar die Poleposition, was belegt, dass er schnell ist, aber als es im Rennen zum Treueschwur für Hamilton kam, blieb der Edelhelfer unerwartet zurückhaltend und nahezu unsichtbar – so dass selbst Teamchef Toto Wolff monierte, Bottas hätte „sich beim Start breiter machen und Verstappen blocken sollen“. Es war ein Déjà-vu. Bereits in Le Castellet leistete Bottas nur recht halbherzig Gegenwehr, als er dem heranstürmenden Verstappen hätte die Ideallinie zubauen können, in Zandvoort ließ er sich fast wehrlos vom Niederländer überholen. Ob die fehlende Wehrhaftigkeit womöglich daran liegt, dass Bottas Mercedes am Saisonende verlässt, aber Perez sein Gehalt auch noch im nächsten Jahr von Red Bull erhält?

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Das Auto Die Widersacher Verstappen und Hamilton sind fahrerisch auf demselben extrem hohen Niveau, so dass das Auto den kleinen, feinen Unterschied zwischen Sieger und erstem Verlierer ausmachen dürfte – offenbar besitzt der WM-Spitzenreiter aktuell den besseren Untersatz, was auch Lewis Hamilton bekräftigte. Die Hymnen auf die technischen Vorteile von Mercedes haben sich in Luft aufgelöst, und die enorm wichtige Zuverlässigkeit spricht derzeit leicht für den Honda-Motor im Red Bull. „Wir müssen beginnen, eine bessere Vorstellung zu bieten“, forderte Mercedes-Teamchef Wolff energisch und schob nach: „Und vielleicht auch auf den Renngott hoffen.“ Womöglich sind das Rennglück oder -pech die letzten Komponenten, die den WM-Titel von Max Verstappen noch verhindern können.

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