InterviewTil Schweiger zu „Die Hochzeit“ „Diesmal war mehr Platz für Frauen“

Von André Wesche 

Tortenschlacht und Schwanzvergleich: Til Schweiger setzt in „Die Hochzeit“ seine Männer-Komödie „Klassentreffen 1.0“ fort.

Til Schweiger (links) und Samuel Finzi in „Die Hochzeit“ Foto: Verleih 7 Bilder
Til Schweiger (links) und Samuel Finzi in „Die Hochzeit“ Foto: Verleih

Stuttgart - Mit der Komödie „Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken“ hat der Filmemacher Til Schweiger (56) 2018 mehr als eine Million Zuschauer in die deutschen Kinos gelockt. Nun folgt Teil 2 – und Schweiger spricht über deutsche Schlager, Schauspieler und die Institution Kino.

Herr Schweiger, Halten Sie die Institution der Ehe noch für zeitgemäß?

Nicht wirklich. Ich habe das Konzept auch nie verstanden. Wenn jemand das Bedürfnis zu heiraten verspürt, dann soll er es machen. Aber ich glaube nicht, dass so ein Vertrag eine Garantie sein kann, dass man wirklich ein Leben lang zusammenbleibt.

Ist der Mensch ein monogames Wesen?

Nein!

Diesmal nehmen Frauen mehr Raum ein. Tragen Sie damit dem Zeitgeist Rechnung?

Beim „Klassentreffen“ hatten wir die drei Freunde in der Midlife-Crisis. Diesmal will der Tommy heiraten. Die unbeabsichtigte Beerdigung eines plötzlich verstorbenen Freundes kommt dazwischen und führt zu großen Turbulenzen. In diesem Plot war viel mehr Platz für die Frauen.

Hat Ihre Tochter Lilli ein Mitspracherecht, was sie spielen oder sagen will?

Bei mir haben alle Schauspieler ein Einspruchsrecht. Ich bitte aber darum, Einsprüche vor dem Dreh zu formulieren. Am Drehtag will ich nicht diskutieren. Manche Sätze sind nicht automatisch super, weil ich sie geschrieben habe, sondern weil sie einen Sinn erfüllen. Darauf bestehe ich. Wenn Lilli zu mir sagt: „Papa, mein Text ist so gar nicht Jugendsprache, ich würde ihn gern auf meine Weise sagen“, dann antworte ich: „Mach! Zeig’s mir!“.

Im Film sind Produkte Ihrer Firmen zu sehen. Wie kam es dazu?

Ich mache diese Produkte selbst und bin natürlich der Meinung, dass sie super schön und gut sind. Auch meine Filme will ich so schön und so gut wie möglich machen. Und ich stelle die Produkte da hinein, weil ich die Möglichkeit dazu habe. So eine Frage würde man bei „James Bond“ nie stellen. Diese Filme sind reine Werbung, aber keiner beschwert sich.

Im Soundtrack setzen Sie auf deutsche Schlager. Wie kam es dazu?

Die Songs im Film habe ich fast alle immer geliebt, obwohl sie Schlager sind. Das ist mir egal. Das Wort „Schlager“ gibt es sowieso nur in Deutschland. Wenn ein Franzose Französisch singt oder ein Italiener Italienisch, ist das Popmusik. Im Deutschen heißt es Schlager. Dann ist auch eine Ballade von Beyoncé Schlager. Wenn man den Text ins Deutsche übersetzt, den die dort singt, wäre es der absolute Schlager.

Sogar Martin Scorsese ist inzwischen bei Netflix angekommen. Haben Sie Interesse an Streamingdiensten?

Wir entwickeln momentan zwei Serien. Ich schaue selbst gern gute an. Es gibt ja kaum noch gute Kinofilme. Diese ganze Marvel- und Fantasy-Welt interessiert mich nicht. „Star Wars“ auch nicht. Die richtig guten Kinofilme findet man kaum noch. Der letzte, an den ich mich erinnere, war „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Das ist auch schon wieder ein Jahr her. Deshalb gehen Autoren, Regisseure und Schauspieler, die etwas zu sagen haben, zu Streamingdiensten. Für manche Schauspieler ist es in Ordnung, vor einer grünen Leinwand herumzuhopsen und quasi Pantomime zu spielen. Andere wollen wirklich einen Charakter darstellen. Früher war es undenkbar, dass große Filmstars im Fernsehen auftreten. Das hat sich komplett gewandelt.

Wird es in 20 Jahren noch Kinos geben?

Auf jeden Fall. Gerade bei einer Komödie ist das Erlebnis im Kino unvergleichbar. Es macht einen großen Unterschied, wenn man gemeinsam mit 300 Leuten lacht.




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