Tödliche Badeunfälle Fragen und Antworten rund ums Baden

Von red/afp 

Übermut, mangelnde Schwimmfähigkeiten, Selbstüberschätzung, Alkohol: Allein seit Jahresbeginn ertranken nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft bereits mindestens 192 Menschen. Fragen und Antworten rund ums Baden.

Gerade in der Sommer- und Feriensaison häufen sich die tödlichen Badeunfälle. Foto: 7aktuell.de/Nils Reeh
Gerade in der Sommer- und Feriensaison häufen sich die tödlichen Badeunfälle. Foto: 7aktuell.de/Nils Reeh

Stuttgart - In Deutschland herrschen hohe Temperaturen - damit steigt bei Vielen auch die Lust, sich in Seen und Gewässern abzukühlen. Dabei häufen sich gerade in der Sommer- und Feriensaison die tödlichen Badeunfälle. Allein seit Jahresbeginn ertranken nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bereits mindestens 192 Menschen. Fragen und Antworten rund ums Baden:

Wie viele Menschen ertrinken in Deutschland?

Im gesamten Jahr 2019 ertranken nach DLRG-Angaben mindestens 417 Menschen, mehr als die Hälfte davon in den Sommermonaten Juni, Juli und August. Das waren rund 17 Prozent weniger als im Jahr davor. Bislang sieht es auch 2020 nach einer positiven Entwicklung aus: Bis Juli ertranken im vergangenen Jahr 63 Menschen mehr als im Vergleichszeitraum dieses Jahres. Das ist laut DLRG mit dem „verhaltenen“ Frühling und Sommerbeginn zu erklären.

Bislang zeichnet sich nicht ab, dass es wegen der Corona-Pandemie zu einem Anstieg der Todesfälle kommt. Da viele nicht in den Urlaub fliegen, wurden vollere Küstenabschnitte und dadurch mehr Unfälle befürchtet.

Wo ist das Risiko am höchsten?

An Seen, Teichen und Flüssen - 2020 starben allein bis Juli 178 Menschen an ungesicherten Badestellen, mehr als 90 Prozent aller bis dahin Ertrunkenen.

An den Binnengewässern werden nur vergleichsweise wenige Badestellen von Rettungsschwimmern bewacht. An den bewachten Badestellen und in Schwimmbädern ist es sicherer. So starben in diesem Jahr in Schwimmbädern bislang vier Menschen.

Im Video: Badeunfall – So rettet man Ertrinkende

Was sind die häufigsten Ursachen?

Übermut, mangelnde Schwimmfähigkeiten, Selbstüberschätzung, Alkohol und die Unkenntnis möglicher Gefahren führen der DLRG zufolge am häufigsten zum Ertrinken - vor allem bei Männern. 2020 waren bislang mehr als drei Viertel der Todesopfer männlich.

Darf ich erhitzt ins Wasser springen?

Das sollte vermieden werden. Manche Gewässer sind recht kühl. Ein Sprung ins Nass kann zu Unterkühlung und Krämpfen führen. Der Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser kann auch den Kreislauf belasten und vor allem für ältere Menschen und solche mit geschwächtem Herzkreislaufsystem gefährlich sein. Schwimmer sollten langsam ins Wasser gehen und den Körper ans kalte Wasser gewöhnen. Sobald man friert, heißt es raus.

Was ist bei der Wahl der Badestelle zu beachten?

Unbekannte Gewässer bergen Gefahren. Deshalb nie übermütig in einen See springen. Die DLRG empfiehlt, nur an bewachten Badestellen schwimmen zu gehen und die Warnhinweise zu beachten. Eine rote Flagge am Meer beispielsweise bedeutet Badeverbot - im Sommer wird dies immer wieder ignoriert. Bei Wellengang entsteht eine Strömung, die staubsaugerartig ins offene Meer zurückzieht. Dies ist vor allem für Kinder im flachen Wasser gefährlich, weil sie leicht umgerissen werden können.

Kann auch in Flüssen gebadet werden?

Generell ja - in vielen deutschen Flüssen reicht die Wasserqualität zum Baden aus. Dies gilt auch für große Abschnitte der Elbe oder des Rheins. Vorsicht ist aber bei Niedrigwasser geboten, weil die Wasserqualität dann erheblich sinken kann. Gefahr entsteht zudem durch gefährliche Strömungen, die an der Wasseroberfläche oft kaum erkennbar sind, sowie durch den Schiffsverkehr, Brückenpfeiler und Unterwasserhindernisse.

Was ist bei Kindern zu beachten?

Wasser zieht Kinder magisch an. Eltern sollten sie an Gewässern daher nie aus den Augen lassen - das gilt übrigens auch für den flachen Gartenteich. Kleine Kinder können bereits in wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrinken. Auch Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken. Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, ist das für Außenstehende mitunter schwer zu erkennen, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder. Kinder ertrinken „leise“.

Wie leiste ich Erste Hilfe?

Bei Atemstillstand ist sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung zu beginnen, bei Herzstillstand sollte gleichzeitig eine Herzmassage erfolgen. Auf keinen Fall sollte versucht werden, Wasser aus Lungen oder Magen zu entfernen. Das bringt nichts und kostet wertvolle Zeit.

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