Tötung in Rudersberg vor dem Landgericht Die Anklage geht von heimtückischem Mord aus

Von  

Ein 52-jähriger Mann soll in Rudersberg seine damalige Lebenspartnerin mit einem Klappmesser getötet haben. Das Motiv für die Tat bleibt nach dem ersten Prozesstag im Dunkeln.

Der erste Prozesstag im Fall der getöteten Frau aus Rudersberg ist denkbar kurz gewesen Foto: dpa/Christoph Schmidt
Der erste Prozesstag im Fall der getöteten Frau aus Rudersberg ist denkbar kurz gewesen Foto: dpa/Christoph Schmidt

Rudersberg - Nach dem gewaltsamen Tod einer 55-jährigen Frau in Rudersberg (Rems-Murr-Kreis) muss sich seit diesem Freitag ihr damaliger Lebenspartner vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus: Der 52-Jährige habe die Frau heimtückisch getötet, so die Anklagebehörde. Das Motiv ist allerdings noch völlig unklar. Der erste Verhandlungstag der Ersten Großen Strafkammer, zu dem zahlreiche Angehörige des Opfers gekommen waren, endete nach nur wenigen Minuten mit der Anklageverlesung des Oberstaatsanwalts. Die Schwester, der Bruder und der Vater des Opfers haben zudem Nebenklage erhoben.

Frau innerlich verblutet

Die Tat hatte sich laut den Ermittlungen der Polizei in den frühen Morgenstunden des 4. März ereignet. Der Angeklagte soll demnach in dem Schlafzimmer des gemeinsamen Hauses in einem Rudersberger Teilort mit einem Klappmesser auf seine drei Jahre ältere Partnerin eingestochen haben. Die Frau konnte den Angriff wohl anfangs noch abwehren, zwei Stiche der rund zehn Zentimeter langen Klinge drangen jedoch so tief in ihre Brust ein, dass sie innerlich verblutete. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass mit großer Wucht zugestoßen wurde.

Um 4.54 Uhr setzte der 52-Jährige einen Notruf bei der Polizei ab. Zuvor soll er sich selbst in den Brustkorb gestochen haben – „mutmaßlich in suizidaler Absicht“, wie es vonseiten der Anklage heißt. Während die schweren Verletzungen des Mannes versorgt werden konnten, kamen die Rettungskräfte für seine Partnerin zu spät. Ein Notarzt konnte vor Ort nur noch ihren Tod feststellen.

Die genauen Umstände und die Hintergründe der Tat bleiben nach dem ersten, äußerst kurzen Verhandlungstag weiterhin im Dunkeln. Vieles deutet auf eine Beziehungstat hin. Hinweise darauf, dass weitere Personen an der Tat beteiligt sein könnten hatte es offenbar nicht gegeben. Allerdings habe es auch keinerlei Anzeichen dafür gegeben, dass der Frau Gefahr drohen könnte, hatte die Polizei kurz nach Bekanntwerden der Tragödie durchblicken lassen.

Angeklagter äußert sich nicht zu Vorwürfen

Der Angeklagte will auf Anraten seines Verteidigers Jens Rabe vorerst nur Angaben zu seiner Person, nicht aber zur Sache machen. Sein Mandant habe sich zu den Vorwürfen ausreichend gegenüber einem psychiatrischen Gutachter geäußert, erklärte der Anwalt, das Gutachten liege ihm allerdings noch nicht vor. Die Aussage des Sachverständigen war ursprünglich zwar für den Auftakt des Prozesses vorgesehen, wurde aber aus terminlichen Gründen auf den nächsten Verhandlungstag am 21. September verschoben. Die Kammer hat bis Ende Oktober vorerst vier weitere Sitzungen anberaumt.

Der Rudersberger Fall ist nicht die erste mutmaßliche Beziehungstat, die sich in diesem Jahr im Rems-Murr-Kreis ereignet hat. Drei Monate danach, im Juni, wurden in Allmersbach im Tal, eine 41-jährige Frau und ihre neunjährige Tochter getötet. Der 36-jährige frühere Lebensgefährte der Mutter hatte sich kurz nach der Tat der Polizei gestellt und sitzt seither in Untersuchungshaft.




Unsere Empfehlung für Sie