Tom Hanks bei Jimmy Kimmel PR-Tricks und Tomatensaft

Von tkl 

Hollywood-Star Tom Hanks war zu Gast in der US-Talkshow von Jimmy Kimmel. Dort hat er nicht nur seine Karriere als Ladendieb gestartet. Er hat auch über „Toy Story 4“ gesprochen und sich sehr unbeliebt bei Walt Disney gemacht.

Tom Hanks und Woody der Cowboy bei der Europa-Premiere von „Toy Story 4“ Foto: Getty Images
Tom Hanks und Woody der Cowboy bei der Europa-Premiere von „Toy Story 4“ Foto: Getty Images

Hollywood - Wenn man überlegen müsste, welchem Prominenten wohl ein Ladendiebstahl zuzutrauen wäre, fiele einem Tom Hanks wohl zuletzt ein: Der Hollywood-Star hat schließlich nicht bloß ein Saubermann-Image, er hat den authentischen Charme eines aufrechten, hart arbeitenden Mannes. Trotzdem hat er jetzt einen Pappaufsteller von sich selbst und ein paar Oscar-Statuen-Imitate aus Plastik geklaut. Allerdings ohne große Heimlichkeit und vor laufenden Kameras – das Ganze war seine Reaktion auf eine Provokation des Talkmoderators Jimmy Kimmel, der seinen Gast Hanks aufgefordert hatte, doch mal das Studio zu verlassen und im Hollywood-Andenkenladen gegenüber einen Papp-Hanks zu mopsen – um endlich zu beweisen, dass er nicht durch und durch ein guter Mensch sei.

Was Hanks aber vor allem bewiesen hat: dass er im Umgang mit den Leuten auf der Straße mit Charme und Chuzpe Komiknummern abziehen kann, die bei anderen schnell ins Ungehörige abgleiten würden. Bemerkenswert aber war sein Auftritt in der Jimmy-Kimmel-Show wegen etwas ganz anderem: Tom Hanks hat endlich mal öffentlich über die Vorgaben gesprochen, die Studios ihren Künstlern für Gespräche mit der Presse über neue Filme an die Hand geben.

Vorgaben für Interviews

Hanks war vor allem bei Jimmy Kimmel, um den Pixar-Animationsfilm „Toy Story 4“ zu promoten, der am 15. August in deutschen Kinos starten wird. Hanks wird dann wieder der Cowboy-Puppe Woody seine Stimme verleihen. Seltsamerweise aber soll er sich nicht in Gespräche über den Charakter dieser Figur einlassen, hat das Studio Walt Disney, zu dem Pixar gehört, vorab verlangt. Vier Blatt Papier hat Hanks hochgehalten, nicht ohne den ironischen Verweis, er habe die so intensiv studiert, dass er sogar Tomatensaft darauf verschüttet habe.

Dass verschiedene Interviews mit demselben Filmstar oft so wortgleich klingen, dass nur die immer gleichen Fragen und Antworten vorkommen, liegt nämlich nicht unbedingt an der Einfallslosigkeit von Journalisten. Schauspieler und Regisseure bekommen von den Werbeabteilungen der Studios klare, manchmal ultimative Vorgaben, was sie unbedingt wie zu sagen hätten – und worüber sie bitte nicht reden sollten.

Ins Kreuz treten

Fast jeder Journalist kennt daher auch die Situation, dass ein Star auf eine bestimmte Frage eine Antwort gibt, die dazu überhaupt nicht passen will. Die Filmgröße muss eben noch ihren „talking point“ unterbringen, also ihre PR-Anekdote. Die enge Taktung der Interviews lässt ein Nachhaken meist gar nicht zu. Die Filmschaffenden verlassen sich also darauf, dass der Journalist im besten Fall seine Frage nachträglich an ihre Antwort anpassen wird.

In diese Realität der Filmbewerbung hat Hanks jetzt einen seltenen kleinen Einblick gewährt. Disney habe ihm, hat er verraten, auch Beispielfragen aufgeschrieben, die von Journalisten zu erwarten seien. Das wird ihn, stellte Hanks klar, nicht zum beliebtesten Mann bei Disney machen. „Können Sie sich vorstellen“, fragte er Kimmel, „wie viele Manager bei Disney mir jetzt ins Kreuz treten möchten, weil ich das ausgeplaudert habe?“ Das zumindest ist eine Frage, die auf keinem Disney-Zettel stand.




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