Krimikolumne

Tonino Benacquista: „Malavita“ Gemetzel am Johannistag

Gestatten? Familie Blake alias Manzoni. Michelle Pfeiffer und Robert De Niro spielen die Hauptrollen in Luc Bessons „Malavita“-Verfilmung – demnächst im Kino. Foto: Verleih
Gestatten? Familie Blake alias Manzoni. Michelle Pfeiffer und Robert De Niro spielen die Hauptrollen in Luc Bessons „Malavita“-Verfilmung – demnächst im Kino. Foto: Verleih

Eigentlich hätte die Familie Blake in der Normandie gern ihre Ruhe. Doch weil Papa Blake in Wirklichkeit Giovanni Manzoni heißt und als Mafiaboss gegen die eigene Innung ausgesagt hat, schweben alle in Lebensgefahr. Eine schwarze Komödie nimmt ihren Lauf . . .

Lokales: Hans Jörg Wangner (hwe)

Stuttgart - Frederick Blake ist ein Mann mit bemerkenswerten Eigenschaften. Es gelingt ihm, ein Grillfeuer anzuzünden, ohne vier unnütze Schwätzer um sich herum zur Strafe ebenfalls zu grillen. Und wenn es Probleme mit der Trinkwasserqualität gibt, weil ein Düngerhersteller sein Gift in den Untergrund sickern lässt, dann schaut er sich das eine Weile an. Um anschließend seinen Neffen aus Amerika um die Lösung der Problems zu bitten.

Mit Dynamit. Viel Dynamit. Danach ist das Wasser wieder klar.

Eine Mafiakomödie aus Paris

Denn Frederick Blake ist nicht der amerikanische Schriftsteller, für den ihn seine Nachbarn in der Normandie halten, sondern ein Mafia-Boss namens Giovanni Manzoni. Er hat gegen seine ehrenwerte Familie ausgesagt und ist deshalb samt Frau, Kindern und Hund ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden. Immer in der Hoffnung, dass die Gespenster seines früheren Lebens nicht Witterung aufnehmen und ihn auslöschen. Soviel zum Ausgangspunkt von „Malavita“, einer Mafiakomödie des in Paris lebenden Autors Tonino Benacquista.

Mit leichter Hand beschreibt Benacquista, wie Giovanni alias Fred mit seiner neuen Rolle zurecht kommt. Wie er sich aus Langeweile und ein bisschen auch aus Eitelkeit aufs Schreiben seiner Memoiren verlegt. Wie seine Frau in der örtlichen Wohltätigkeitsszene aufgeht. Wie die 17-jährige Tochter Belle ihrem Namen alle Ehre macht. Und wie der 14-jährige Sohn seine Zukunft ganz im Sinne der Familientradition plant.

Meister des blutigen Fachs

Doch weil das Vergangene nicht zum Gegenwärtigen passen mag, steuern die Blake-Manzonis auf eine Katastrophe zu – die nur dadurch verhindert wird, dass eine ganz andere Katastrophe Anlauf nimmt. Pünktlich zum Jubiläumsfest der alliierten Landung in der Normandie landen auch zehn Mafiosi in den Städtchen, allesamt Meister ihres Faches, um den Verräter kaltzumachen. Notfalls mit allen Mitteln.

So kommt es ausgerechnet an Johanni, dem Namenstag des Aussteigers, zu einem weiteren Gemetzel historischen Ausmaßes in der Normandie. An dessen Ende Malavita, die treue Hündin der Blakes, die tödliche Pointe setzen darf.


Übrigens: Malavita ist ein Synonym für die Mafia („schlechtes Leben“), und diesen schönen Titel trägt auch die von Luc Besson inszenierte Verfilmung von Benacquistas Roman mit Robert De Niro, Michelle Pfeiffer und Tommy Lee Jones. Am 21. November soll sie in deutschen Kinos starten. Mal sehen, wie Besson den leichten Tonfall Benacquistas umsetzt. Und wie ihm die aberwitzige Verkettung von Zufällen gelingt, die dazu führt, dass die Mafia ihrem Abtrünnigen auf die Spur kommt. Denn schon allein für dieses Kapitel lohnt sich die Lektüre des Buches.

Tonino Benacquista: „Malavita“. Roman, aus dem Französischen von Herbert Fell. Carl’s Books bei Random House, München 2013. Paperback, 304 Seiten, 14,99 Euro. Auch als E-Book für 11,99 Euro sowie als Audiobook für 19,99 Euro.

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