InterviewTourismusbeauftragter Bareiß über Urlaub zuhause „Wir hier haben auch schöne Plätze“

Von Tom Hörner 

In Zeiten von Corona scheint manchen das Fernweh abhandengekommen zu sein. Wir haben mit dem CDU-Abgeordneten Thomas Bareiß, dem Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, über Urlaub vor der eigenen Haustür gesprochen.

Staatssekretär Thomas Bareiß verbringt einen Teil seines Urlaubs in seiner Heimat Balingen. Foto: dpa/Felix Kästle
Staatssekretär Thomas Bareiß verbringt einen Teil seines Urlaubs in seiner Heimat Balingen. Foto: dpa/Felix Kästle

Stuttgart - Er lebt als Bundestagsabgeordneter in Berlin und Albstadt, kennt aber auch die Region Stuttgart recht gut. Der CDU-Politiker Thomas Bareiß über den Urlaub im Corona-Jahr 2020.

Herr Bareiß, wie hält es der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung in diesen Zeiten mit dem Verreisen?

Dieses Jahr fällt die große Fernreise auch bei mir flach. Wir werden ein paar Tage im Allgäu sein, in Österreich und Südtirol, machen also sozusagen die Alpen durch. Aber wir werden auch Zeit zuhause in Balingen, meiner Heimat, verbringen. Im Zollernalbkreis und Oberschwaben gibt es ja auch wunderbare Ziele, die sich lohnen. Vor allem, wenn das Wetter wie jetzt passt.

Als Tourismusbeauftragter können sie schwer sagen: „Leute, bleibt daheim.“

Das würde ich auch so nicht. Ich kann gut verstehen, dass die Menschen nach einem halben Jahr Stillstand wieder reisen wollen. Bei mir fiel in der Zeit auch der Urlaub komplett aus. Und so ging es vielen, denken Sie nur an all die Eltern, die mit Home Schooling beschäftigt waren. Insofern haben sich die Menschen das Reisen verdient. Reisen ist ja immer auch Erholung, Genießen und ein Stück Freiheit.

Viele scheinen sich mit ihrem Freiheitsdrang in diesem Jahr mit Deutschland zu begnügen.

Weil wir hier auch schöne Plätze haben, gerade auch in Baden-Württemberg. Wir sollten nicht vergessen, dass der Tourismus auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Über drei Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in der Branche. Ich finde, man darf die Leute nicht vom Reisen abhalten, aber sie sollten dabei eben vorsichtig sein. Doch ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen das sind, wie wir überhaupt gelernt haben, mit dem Virus umzugehen und sich der überwiegende Teil der Bevölkerung verantwortungsvoll verhält.

Viele haben ein mulmiges Gefühl, in einen Flieger zu steigen.

Das kann ich verstehen, ich habe im Bekanntenkreis auch solche Fälle. Die haben dann für sich entschieden, dass sie mit dem Auto in den Urlaub fahren. Ich denke aber, wenn man sich an die Sicherheitsregeln hält, kann man auch mit anderen Verkehrsmitteln wie Zug, Bus oder auch Flugzeug reisen.

Als Tourismusbeauftragter haben Sie immer wieder auf die Völker verbindende Funktion des Reisens hingewiesen. Bleibt die jetzt auf der Strecke?

Das hoffe ich nicht. Dass das Reisen die Menschen und Völker verbindet, gilt heute mehr denn je. Nach dem Studium habe ich einige Zeit in den USA und in der Türkei verbracht. Von solchen Erfahrungen profitiert man ein Leben lang. Außerdem sollte man nicht vergessen: Es ist eine Errungenschaft unserer Zeit, dass man mit jedem Geldbeutel reisen kann. Reisen ist kein Privileg mehr für Reiche. Reisen ist nach wie vor wichtig, nicht nur für die Reisenden, sondern natürlich auch als Wirtschaftsfaktor. Die Luftfahrtbranche beispielsweise hat eine schlimme Hängepartie hinter sich. Davon sind auch etliche Zulieferer in Baden-Württemberg betroffen.

Wie vertraut ist Ihnen die Region Stuttgart?

Hier habe ich allein schon beruflich und politisch viel Zeit verbracht. Viele Freunde kommen aus der Region Stuttgart, deshalb kenne ich mich ganz gut aus. Außerdem kommt mein Vater aus der Backnanger Ecke. Aber ich muss den Stuttgartern sagen: Auch auf der Schwäbischen Alb gibt es allerhand zu entdecken – und die Alb liegt ja auch fast vor ihrer Haustür. Selbst wenn es gerade mit dem Zug etwas länger dauert, da wir zwischen Balingen und Albstadt eine Baustelle haben und man auf den Bus umsteigen muss.

Letzte Frage: Sind Sie eher Wanderer oder Radler?

Wichtig ist für mich, dass ich mich in der Natur bewege – und das tue ich in der Regel als Wanderer. Ich habe aber vor einem Jahr mal ein E-Bike ausprobiert – und das ist ideal für Leute wie mich, die keine ausgesprochenen Sportskanonen sind.




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