Trainingsstart im Basketball MHP Riesen Ludwigsburg im Umbruch

Trainer John Patrick bastelt an einer neuen Mannschaft. Foto: Pressefoto Baumann
Trainer John Patrick bastelt an einer neuen Mannschaft. Foto: Pressefoto Baumann

Die MHP Riesen Ludwigsburg bereiten sich auf die nächste Saison vor – mit zehn neuen Spielern. Der Basketball-Bundesligist startet bereits am 19. September in die Qualifikation zur Champions League.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Ludwigsburg - Frühstart für die Basketballer der MHP Riesen. Weil der Verein eine Wildcard für die Qualifikation der Champions League erhalten hat, die bereits zehn Tage vor dem geplanten Bundesligastart mit der Qualifikation in Sarajevo beginnt, hat Trainer John Patrick seine Schäfchen entsprechend früher in Ludwigsburg versammelt. Was kein Fehler ist, da sich zehn Neuzugänge im Kader tummeln, die integriert werden wollen. Dazu wird mindestens noch ein Spieler (als siebter Ausländer) stoßen. Neue Saison, neue Spieler, das ist nichts Neues in Ludwigsburg.

Umbruch Alle Jahre wieder, so lautet das Motto bei den MHP Riesen, was die Kaderplanung angeht. Wobei der regelmäßige Neuaufbau zumindest indirekt auch seine guten Seiten hat, weil er beweist: Unter John Patrick wird gute Arbeit (zuletzt drei Play-off-Teilnahmen) geleistet. „Die Spieler können sich bei uns ins Rampenlicht schieben“, sagt der US-Amerikaner. Wie zum Beispiel der Center Jack Cooley, der künftig für Sacramento in der NBA auflaufen wird. Aber selbst ein Cliff Hammonds hat beim Ligarivalen Würzburg einen Zweijahresvertrag unterschrieben, der ihm das doppelte Gehalt bringen soll. „Wir haben keine Chance, solche Spieler zu halten“, sagt Patrick mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn andererseits hat sich herumgesprochen, dass die Mannschaft ein gutes Sprungbrett ist.

Probleme John Patrick ist zwar gut vernetzt, aber vor unliebsamen Überraschungen nicht gefeit. So ist der vermeintliche Neuzugang Michael Frazier mit Kniepro­blemen zum Medizincheck angereist, worüber der Trainer alles anderes als „amused“ war. Man muss die Untersuchung abwarten, doch ob der Spielmacher (zuletzt in Italien tätig) je für die Riesen auflaufen wird, darf zumindest bezweifelt werden. Was aber auch kein Novum wäre, weil in der Vorbereitung schon so mancher Profi durchs Raster gefallen ist.

Saisonstart in Sarajevo

Vorbereitung Wenn die Riesen in dieser Saison eines nicht haben – ist es Zeit. Die drängt, weil die Pflichtrunde schon am 19. September in Sarajevo beginnt, mit dem Hinspiel der Champions-League-Qualifikation erste Runde, von der es im Optimalfall drei gibt (die weiteren Gegner wären Cluj und Brüssel), das heißt sechs Spiele in 13 Tagen. Doch Patrick lässt keinen Zweifel: „Wir wollen die Gruppenphase erreichen.“ In der scheiterte die Mannschaft vergangene Saison nur um 0,7 Sekunden am Halbfinale, worüber sich Patrick immer noch ärgert. „Da haben wir uns dumm angestellt.“ Die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb ist übrigens nicht nur fürs Renommee des Vereins wichtig, sondern auch für die eine oder andere Neuverpflichtung Voraussetzung, da sich die Spieler auf europäischem Parkett zeigen wollen. „Es ist eine tolle Sache für die Mannschaft, und wir hoffen, dass es mit der Gruppenhase klappt – auch wenn das Pensum Wahnsinn ist“, sagt John Patrick.

Neuzugänge Insgesamt zehn Neue gibt es im Team, wobei der Heimkehrer Adam Waleskowski (zuletzt Göttingen) und die jüngste Verpflichtung Thomas Walkup (24) am Donnerstag noch fehlten. Dwayne Evans unterschrieb gleich für zwei Jahre, was im Basketball eher ungewöhnlich ist. Der 25-Jährige kennt die Bundesliga ja schon aus Gießen, wo er ein starkes Debüt gab: 11,8 Punkte und 7,1 Rebounds im Schnitt können sich sehen lassen. Patrick: „Er kann verschiedene Rollen ausfüllen und weiß, was man tun muss, um zu gewinnen.“ Ein Leadertyp also. Daneben kam Jus­tin Sears ebenfalls aus Gießen: „Dass sich die beiden kennen und miteinander gespielt haben, ist positiv“ – und sollte den Integrationsprozess erleichtern.

Was bei deutschen Spielern leichter fällt. Diese Quote füllt – neben dem relativ unbeschriebenen A-2-Nationalspieler Niklas Geske (aus Vechta) – zum Beispiel Florian Koch aus. Der 25-Jährige verlässt erstmals seine Heimat Bonn, so dass es glaubhaft klingt, wenn er sagt: „Ich habe Bock auf eine neue Herausforderung.“ Adika Peter-McNeilly ist ein völlig unbeschriebenes (Ahorn-)Blatt aus Kanada, das ja auf den ersten Blick als Eishockey-Nation gilt. Dennoch sagt Patrick: „Der Basketball dort hat sich stark entwickelt, was auch der Titelgewinn bei der U-19-WM zeigt.“ Spielmacher Kerron Johnson ist mit seinen 26 Jahren schon ein alter Bekannter in der Barockstadt. Er kam einst aus Neuseeland und dann nochmals zu einem Intermezzo in der Vorsaison. Nach dem Gastspiel in Polen ist er erneut bei den Riesen gelandet – und Patrick sagt: „Er kennt unser System, und wir kennen ihn.“

Stammpersonal Aus dem Vorjahr sind neben dem Nachwuchstalent Mateo Seric nur noch Center Johannes Thiemann, der sich aktuell bei der Nationalmannschaft ein Ticket für die anstehende Europameisterschaft sichern will, und Kapitän David McCray an Bord geblieben. Der 30-Jährige bestritt bereits sieben Spielzeiten für Ludwigsburg und sagt: „Ich will alles dafür tun, dass wir den nächsten Schritt machen und noch erfolgreicher sind.“ Auch wenn das garantiert die nächste Fluktuation nach sich ziehen würde.

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