Transportflugzeug A400M Die Bruchlandung ist aufgeschoben – vorerst

Von Von  

Dass das Verteidigungsministerium beim A400M die Reißleine ziehen könnte, ist fürs Erste aufgeschoben. Das Risiko, dass das Milliarden-Projekt doch noch gestoppt werden könnte, ist damit aber nicht vom Tisch.

Häufig muss der A400M wegen technischer Probleme am Boden bleiben. Foto: dpa
Häufig muss der A400M wegen technischer Probleme am Boden bleiben. Foto: dpa

Berlin - Wenn die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses an diesem Mittwoch über die Probleme beim Militärtransportflugzeug A400M beraten, werden sie Rot sehen: Denn in den vertraulichen Unterlagen über dieses Projekt steht die von der Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder eingeführte Ampel zur schnelleren Risikobewertung vor allem auf Rot. Dass es unter allen Bewertungen zu einem der wichtigsten Beschaffungsvorhaben der Truppe auch zweimal Gelb gegeben hat, muss schon als Lichtblick herhalten. Im grünen Bereich ist der Pannenflieger aktuell in keiner einzigen Disziplin.

Immerhin haben sich vor der Ausschusssitzung die jüngsten Horrornachrichten etwas relativiert. Das Verteidigungsministerium zeigte sich in der Antwort an eine Abgeordnete zuletzt wieder vorsichtig optimistisch, dass der Flugzeughersteller Airbus die Probleme mit den Triebwerken doch noch wird lösen können. Dass bei dem acht Milliarden Euro teuren Rüstungsprojekt die Reisleine gezogen und der Kauf dieser Flugzeuge ganz gestoppt werden könnte, ist damit mindestens aufgeschoben. Dass es auch aufgehoben ist, ist damit aber alles andere als garantiert.

Die Problemgeschichte des A 400 M umfasst mittlerweile viele Kapitel. Die Kosten für die bestellten 53 Flugzeuge sind um 18 Prozent oder 1,4 Milliarden Euro gestiegen. Bis zum nächsten Projektstichtag im Jahr 2019 wird die Auslieferung des Flugzeugs sich um 107 Monate verspätet haben – so der aktuelle Stand. Das Problem ist, dass die Luftwaffe in der Zwischenzeit nicht mehr sicher ist, die wegen der Verzögerungen entstandene Lücke beim Lufttransport durch die Längernutzung der betagten Transalls und die vertraglich gesicherte Nutzung von russisch-ukrainischen Antonow-Maschinen zu überbrücken. Das könnte „zu nicht mehr kompensierbaren Fähigkeitslücken“ führen.

Liste der Problemfelder ist immer länger geworden

Insgesamt ist die Liste der Problemfelder im Laufe der Zeit immer länger geworden. Mit am gewichtigsten sind die technischen Schwierigkeiten bei den Triebwerken. Das Verteidigungsministerium räumt Airbus offenbar noch Zeit ein, die Probleme an den Triebwerken des neuen Bundeswehr-Truppentransporters A400M zu lösen. Es soll eine Frist bis Ende dieses Jahres geben, meldet „Spiegel Online“ unter Berufung auf ein Schreiben an die Grünen-Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger. Damit ist die Gefahr, dass das Militärflugzeug doch noch mit einer Bruchlandung abstürzt nach Auffassung des SPD-Abgeordneten Rainer Arnold aber noch nicht endgültig gebannt. In seinen Augen fällt unter den vielen Mängeln stark ins Gewicht, dass der A400M anders als ursprünglich geplant und erwartet, „definitiv nicht auf relativ unbefestigten Pisten landen kann.“ Außerdem sei das Absetzen von Fallschirmspringern nur eingeschränkt möglich – nur seitlich und nicht durch die hintere Luke, was die Zielgenauigkeit beim Absetzen der Springer verringere.

Vor allem sei die vollständige Leistungsfähigkeit der Selbstschutzanlage und damit die Möglichkeit zum Fliegen unter Bedrohung nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums derzeit nicht gegeben. „Ob die Techniker das Hinkriegen ist fraglich“, meinte Rainer Arnold gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Und wenn der Eigenschutz am Ende nicht funktioniert, dann hat sich die Anschaffung dieses Flugzeugs definitiv erübrigt“.




Unsere Empfehlung für Sie