Tri-Bühne: „Wer hat Angst vor Bernie Madoff?“ Die Gier nach Geld

Von Swantje Kubillus 

Solche Geschichten schreibt nur das Leben: Das Theater Tri-Bühne zeichnet mit „Wer hat Angst vor Bernie Madoff?“ den Fall eines der größten Börsenbetrüger aller Zeiten nach. Ein lehrreiches Stück mit manch vergnüglichem Moment.

Gespräch im Gefängnis: Bernie Madoff (Manuel Krstanovic) und die junge Journalistin  Thibault (Franziska Sophie Schneider) Foto: Tri-Bühne
Gespräch im Gefängnis: Bernie Madoff (Manuel Krstanovic) und die junge Journalistin Thibault (Franziska Sophie Schneider) Foto: Tri-Bühne

Stuttgart - Nichts weiter als eine karge, durch ein paar Gitterstäbe angedeutete, hell erleuchtete Gefängniszelle. Darin der einst milliardenschwere Bernard Lawrence „Bernie“ Madoff (Manuel Krstanovic). Auf der anderen Seite einer Plexiglasscheibe die junge Journalistin Marie-Noëlle Thibault (Franziska Sophie Schneider), die eine Biografie über den Mann schreiben will, der mal ein Apartment auf der Upper Eastside bewohnte.

Ein Schneeballsystem

Edith Koerbers Inszenierung „Wer hat Angst vor Bernie Madoff?“ an der Tri-Bühne – nach der Buchvorlage „Madoffs Traum“ von Dominique Manotti – rollt die wahre Geschichte des Börsenwolfs auf und vermittelt so lehrreich wie vergnüglich, wie ein Mann aus schlichten Verhältnissen dem amerikanischen Traum nachjagte, es weit brachte und am Ende wieder alles verlor.

Jahrzehntelang lockte Madoff Anleger mit Traumrenditen, die er mit frischem Geld anderer Investoren zahlte, bis das Schneeballsystem im Zuge der Finanzkrise zusammenbrach. Der Schaden wird weltweit auf über 65 Milliarden Dollar geschätzt. 2009 wurde Madoff zu 150 Jahren Haft verurteilt. Doch von Reue ist da keine Spur. Er warte darauf, dass der Präsident ihn in die Börsenaufsicht berufe, sagt er. Gier sei im Menschen natürlich verankert „und die Jagd nach Geld unwiderstehlich“.

Amerika vergisst schnell

Im psychologisierenden Dialog lässt er seine Gesprächspartnerin Thibault mit ihrer zunehmenden Wut allein zurück. „Was ist mit denen, die nun für den Schaden aufkommen müssen, den einfachen Steuerzahlern?“ fragt sie. „Demokratisierung des Kreditwesens“ nennt es Madoff. „Das ist Amerika“, sagt er schlicht. Die Leute würden es wieder vergessen.

Der gebotene Einblick in die schwarze Seele dieses doch auch genialen Kriminellen sorgte bei der Premiere am Freitagabend für Spannung, Ratlosigkeit und ob Madoffs Chuzpe auch für Schmunzeln beim Publikum. Es folgte viel Applaus in schweren Zeiten fürs Theater. Einzeln, höchstens zu zweit darf man im Saal verteilt sitzen. Die Maske ist auch während der Vorstellung zu tragen. Umso erfreulicher, dass das Feuer der Kultur noch nicht erloschen ist.




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