Trickbetrug in Stuttgart Falsche Polizisten sahnen ungerührt ab

Die Gefahr lauert oft im Telefonanruf – doch Vorsicht, wenn hohe Geldsummen im Spiel sind. Foto: polizeiberatung.de/Maik Goering
Die Gefahr lauert oft im Telefonanruf – doch Vorsicht, wenn hohe Geldsummen im Spiel sind. Foto: polizeiberatung.de/Maik Goering

Wenn Trickbetrüger sich als falsche Polizisten ausgeben, geht es für das Opfer um alles. Um das Ersparte. Dreist werden die Opfer sogar noch vorher zum Goldkauf geschickt.

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Stuttgart - Die falschen Polizisten sahnen weiter kräftig ab: Im Stuttgarter Norden haben die Telefonbetrüger ihrem Opfer Beute im Wert von deutlich über 100 000 Euro abgenommen. Warum sind die Täter immer noch so erfolgreich – obwohl die Masche seit Jahren hinlänglich bekannt ist?

Das 72 Jahre alte Opfer meldete sich am Dienstag bei der Polizei. Zwölf Tage lang, vom 23. August bis 3. September, war die Frau von Anrufern eingeschüchtert worden – mit der üblichen Mitteilung, dass ein Einbruch bei ihr bevorstehe. Unüblicherweise sollte sie aber ihre Ersparnisse nicht bei der Bank abheben. Vielmehr sollte sie bei einem Stuttgarter Goldhändler Goldbarren für mehrere Zehntausend Euro kaufen und die Summe direkt überweisen. „Dieser Goldhändler hat aber nichts mit den Betrügern zu tun“, sagt Polizeisprecher Allen Bühler.

Geld wird mit Gutscheinen anonymisiert

So gesehen hatte die 72-Jährige noch keinen Schaden, aber Goldvorräte im Hause. Am 2. September wurde ihr von den Tätern vorgegaukelt, dass man die Telefonverbindung abhörsicher machen müsse – zur Finanzierung sollte die Frau Amazon-Gutscheine für Tausende Euro kaufen und die Codenummern telefonisch mitteilen. Am 3. September erschien ein Kurier, der die Goldbarren und noch Schmuck abholte.

Bei der Ermittlungsgruppe Pitfall, auf Deutsch Fallgrube, ist ein eindeutiger Trend festzustellen: „Die Fälle nehmen wieder zu“, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn. Zahlen wolle man vorerst nicht nennen. Im Coronajahr 2020 hatte es – trotz eingeschränkter Möglichkeiten für die Täter – in Stuttgart 15 Fälle gegeben, bei denen 830 000 Euro erbeutet worden waren.

Die Tricks werden kombiniert

Für die Ermittler liegt das Erfolgsrezept der Täter darin, dass die Opfer unter massiven Druck gesetzt werden, oft alleinstehend in der Situation keinen Rat von außen einholen – und die Anrufer verschiedene Tricks kombinieren. Klappt der Enkeltrick nicht, dann greift der falsche Polizist ein, der angeblich helfen will. „Die Täter reagieren auf unsere Präventionsarbeit“, sagt Ilona Bonn.

Sechsstellige Summen sind keine Seltenheit mehr. Vor zwei Wochen hat eine Seniorin in Backnang (Rems-Murr-Kreis) den Tätern ihren Goldbesitz im Wert von mehr als 200 000 Euro übergeben. „Bei dieser Form des Trickbetrugs geht es für das Opfer um alles, was es hat“, sagt der für den Rems-Murr-Kreis zuständige Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier, „und das Perfide ist, dass der gute Ruf und das Vertrauen in die Polizei ausgenutzt wird.“ Die Schadenssumme sei vorher nicht festgelegt, sondern nach oben offen.

Die jüngste Beschuldigte ist erst 15

Wenn jemand erwischt wird, ist es meistens der Kurier. Den jüngsten Erfolg der echten Polizei hat es einen Tag vor dem Backnanger Gold-Coup gegeben – in Auenwald im Rems-Murr-Kreis. Eine junge Frau hatte am 25. August bei einer Seniorin 26 000 Euro abgeholt, konnte später aber festgenommen werden: eine erst 15-jährige Jugendliche. „Die Beschuldigte“, so Biehlmaier, „sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.“




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