Trotz vieler Hinweise Backnanger Bankraub bleibt bislang ungelöst

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Am 16. Dezember hatte ein Mann mit Pistole eine Kreissparkassen-Filiale im Rems-Murr-Kreis ausgeraubt. Von ihm fehlt noch jede Spur. Warum Banküberfälle wie dieser immer seltener werden, lesen Sie hier.

16. Dezember: Ein Unbekannter mit Pistole betritt die Kreissparkasse in Backnang. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer
16. Dezember: Ein Unbekannter mit Pistole betritt die Kreissparkasse in Backnang. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer

Backnang - Der Mann, der am 16. Dezember eine Filiale der Kreissparkasse in Backnang überfallen hat, bleibt wie vom Erdboden verschwunden. Die Polizei hatte sich damals schon bald nach dem Überfall mit Fahndungsbildern an die Öffentlichkeit gewandt. Auf den Fotos mehrerer Überwachungskameras war ein Mann mit Kapuze, Sonnenbrille und Baseballkappe zu sehen, der einen Mitarbeiter mit einer Pistole bedroht.

Zudem hatte die Kreissparkasse vier Tage nach dem Überfall eine Belohnung von 5000 Euro demjenigen versprochen, der Hinweise zur Überführung des Täters liefern kann. „Bei uns sind danach viele Hinweise eingegangen“, sagt der Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier. Die Ermittler seien den Beobachtungen nachgegangen. Jedoch: „Eine heiße Spur war leider bislang nicht dabei.“

Sparkassen-Mitarbeiter werden psychologisch betreut

Wie es den Sparkassen-Angestellten heute geht, die der Räuber damals bedroht hat, will ein Pressesprecher des Instituts mit dem Verweis auf deren Persönlichkeitsrechte nicht verraten. Grundsätzlich würden aber Mitarbeiter, die von einem Überfall betroffen waren, „unmittelbar nach dem Ereignis durch psychologische Ersthelfer der Sparkasse betreut“. Wenn nötig, würde die Kreissparkasse Waiblingen ihnen auch weitergehende psychologische Hilfe zur Verfügung stellen.

Laut dem Sprecher werden Sparkassen-Mitarbeiter auch präventiv auf die Möglichkeit vorbereitet, eines Tages mit einem bewaffneten Räuber konfrontiert zu werden. „So werden die Mitarbeiter der Kreissparkasse mit Kundenkontakt regelmäßig zum Verhalten bei Überfällen geschult. Auszubildende erhalten dazu bereits am Anfang ihrer Ausbildung innerbetrieblichen Unterricht zu diese Thematik.“

Kaum Parallelen zu Taten in Schwäbisch-Hall und Winnenden

Der Banküberfall in Backnang war nicht der einzige, der sich im vergangenen Jahr in der Gegend ereignet hat: Im Januar hatte in einer Bankfiliale in Schwäbisch-Hall ein bewaffneter Räuber zugeschlagen. Den Ermittlern kam das Vorgehen und das Aussehen des Mannes damals bekannt vor. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Täter mit Silikonmaske, Kapuze und Brille schon einmal in einer Bank in Winnenden auf den Plan getreten war. Und zwar im Abstand von fast genau einem Jahr.

Nun waren zwischen dem Überfall in Backnang und jenem in Schwäbisch-Hall rund elf Monate Abstand. Allerdings unterscheidet sich der Überfall von den beiden anderen: Hier trug der Täter keine Maske; auch die verwendete Pistole und die getragene Kleidung war eine andere. „Zum Backnanger Fall gibt es kaum Parallelen, wir betrachten ihn daher isoliert von den Delikten in Winnenden und Schwäbisch-Hall“, so der Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier. Allerdings würden die Überfälle routinemäßig auf Zusammenhänge überprüft: „Natürlich gleicht man solche Taten mit den Fällen ab, die gerade noch offen sind.“

Bundesweit hat die Zahl der Banküberfälle stark abgenommen

Im Lauf der vergangenen Jahre ist die Zahl von Banküberfällen deutlich zurückgegangen: Bundesweit hatte es im Jahr 2003 noch fast 770 solcher Taten gegeben – 2008 waren es keine 300 mehr und im Jahr 2018 meldete das Bundeskriminalamt deutschlandweit 60 Banküberfälle.

Dieser Rückgang hat verschiedene Gründe. In vielen Banken ist das Bargeld inzwischen durch ein Zeitschloss gesichert; Mitarbeiter haben keinen Einfluss darauf, wann die Tresore sich öffnen. In den vergangenen Jahren hat sich auch die Kameratechnik immer weiter entwickelt. Das Risiko, beim Überfall auf eine Bank nur wenig Beute zu machen, ist hoch.

Der Backnanger Bankräuber hatte dagegen offenbar Glück: Seine Beute soll im fünfstelligen Bereich liegen, genauere Zahlen nennt die Polizei aus Prinzip nicht. Hoch ist für Bankräuber andererseits allerdings auch die Wahrscheinlichkeit, am Ende doch überführt zu werden. Laut dem Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2018 immerhin sieben von zehn Banküberfällen aufgeklärt.




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