Trumps Rede zur Wirtschaftspolitik Viel Wahlkampf, wenig Vision

Trump macht in seiner Rede zur Wirtschaftspolitik viel Wahlkampf. Foto: dpa
Trump macht in seiner Rede zur Wirtschaftspolitik viel Wahlkampf. Foto: dpa

Steuergeschenke zählen zu den Wahlversprechen mit längerer Tradition. Zumindest in dieser Hinsicht unterscheidet sich auch der Seiteneinsteiger Donald Trump nicht von Profi-Politikern. Bei seiner Rede in der Autostadt Detroit muss er allerdings mehrmals innehalten.

Detroit - Für den Fall seines Wahlsieges hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump den Amerikanern erhebliche Steuererleichterungen versprochen. Bei seiner wirtschaftspolitischen Rede in der US-Autostadt Detroit stellte er außerdem neue Regulierungen in Aussicht, um die Bürokratie abzubauen und die Gründung neuer Unternehmen zu erleichtern.

Trump bekräftigte bei dem Auftritt am Montag auch seine Absicht, internationale Handelsabkommen neu zu verhandeln oder aufzukündigen, sollten sie zum Nachteil der USA ausfallen. „Amerikanisierung, nicht Globalisierung, das wird unser neues Credo sein“, sagte Trump. Eine Isolation der USA sei jedoch keine Option. „Es ist Zeit, den Anker einzuholen, der uns nach unten zieht.“

Details sind nichts für Trump

Wie gewohnt ging Trump bei der Vorstellung seiner wirtschaftspolitischen Pläne nicht ins Detail. „In den nächsten Tagen werden wir weitere Einzelheiten liefern“, kündigte er mehrfach an. „Die Reformen, die ich heute vorgestellt habe, sind nur der Anfang.“

Trump wollte die Rede auch nutzen, um nach tumultartigen Tagen und abstürzenden Umfragewerten mehr Ruhe in seinen Wahlkampf zu bekommen. So ruderte er etwa bei den vorgeschlagenen Steuersätzen auf die Linie seiner Partei zurück. Zunächst hatte Trump einen Höchststeuersatz von 25 Prozent vorgeschlagen. Die Republikaner im Kongress halten dies für nicht finanzierbar. Jetzt will Trump wie die Fraktion im Abgeordnetenhaus 33 Prozent.

Trump kündigte in der Energiepolitik eine Wende zurück zu „alten“ Energien an. Er warf Obamas Regierung vor, „einen Krieg gegen die Kohle“ zu führen. 50 000 Arbeitsplätze könnten alleine im Bundesstaat Michigan zurückgewonnen werden, wenn die Regulierungen in der Energiepolitik aufgehoben würden.

Mehrere Frauen protestieren

Internationale Experten dagegen halten das Kohlezeitalter für beendet. Großinvestoren wie der Rockefeller Fonds haben sich in großem Stil aus Geschäften mit fossilen Energieträgern, besonders Kohle, zurückgezogen. Mit dem US-Unternehmen Peabody Energy musste der einst größte Kohlekonzern der Welt Konkurs anmelden.

Trump sprach vor einem Kreis von Wirtschaftsexperten des Detroit Economic Club. Mehrere Frauen protestierten dagegen. Nacheinander unterbrachen sie ihn mit Zwischenrufen. Trump war so immer wieder aufs Neue gezwungen, kurz innezuhalten. Sicherheitskräfte führten die Demonstrantinnen aus dem Saal. Eine Gruppe namens „Michigan Peoples Campaign“ bekannte sich später zu der Aktion.

Trump führte in seiner Rede erneut scharfe Angriffe gegen seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton sowie gegen Amtsinhaber Barack Obama. Die Stadt Detroit, die vom Niedergang der US-Autoindustrie gezeichnet ist, sei ein „lebendiges, atmendes Beispiel des wirtschaftlichen Versagens meiner Kontrahentin“, sagte Trump.

Clinton übte ihrerseits Kritik an dem 70-Jährigen. Trumps Pläne würden Amerika in eine Rezession führen, sagte sie bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida. Clinton kündigte für Mittwoch eine Rede über ihre eigenen Wirtschaftspläne an.




Unsere Empfehlung für Sie