Vorerst werden von dem städtischen Unternehmen nur noch Bestandskunden mit Gas versorgt. Das liegt an den Beschaffungskosten für die Stadtwerke. Der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein protestiert.

Stuttgart - Die Stadtwerke der Landeshauptstadt haben, was den Verkauf von Erdgas und Biogas angeht, den Laden dicht gemacht – sie nehmen vorerst keine Neukunden unter Vertrag. Damit zollten sie kurz vor Weihnachten der Preis- und Angebotsentwicklung auf dem Gasmarkt Tribut, handelten sich aber umgehend heftige Kritik vom Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein ein. Dieser fordert jetzt eine Kurskorrektur bei den Stadtwerken.

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Das städtische Unternehmen, das der Motor der Energiewende in Stuttgart sein soll, hatte den Aufnahmestopp für Neukunden am 20. Dezember auf seiner Homepage erklärt: Die Energiemärkte befänden sich derzeit in einer „historischen Ausnahmesituation“. Die starken Preissteigerungen und -schwankungen im Gasbereich gingen auch an den Stadtwerken Stuttgart nicht spurlos vorbei. Wegen des unerwartet hohen Zuwachs an Neukunden und den extrem hohen Beschaffungskosten könne man neue Kunden momentan nicht mehr zu den zuletzt geltenden Konditionen versorgen. Im Interesse der Bestandskunden habe man deshalb entschieden, das „Erdgas- und Biogasangebot für Neukunden vorübergehend auszusetzen“. Die Bestandskunden wurden beruhigt: Die für sie benötigten Energiemengen habe man langfristig eingeplant und entsprechend beschafft, um eine zuverlässige und preisgünstige Belieferung zu garantieren. Ihr aktueller Tarif gelte weiter.

Hausbesitzerverein fordert Kurskorrektur

Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus und Grund Stuttgart, übt jedoch scharfe Kritik. Der Neukunden-Stopp sei vollkommen unverständlich und inakzeptabel. Statt Neukunden die Tür vor der Nase zuzuschlagen, sollten die SWS eben neue Preismodelle anwenden, um auf die dynamische Entwicklung reagieren zu können.

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Das bedeute, dass Neukunden zumindest kurz laufende Verträge angeboten werden müssten, die schneller angepasst werden könnten als die bisherigen Langzeitverträge. Die derzeitige Entwicklung sei ein „typisches Risiko“, das alle Anbieter am Markt treffe. Mit kurzen Verträgen könnten Änderungen am Markt zeitnah an die Verbraucher weitergegeben werden – „und zwar im Guten wie im Schlechten“. An die Adresse des Bundes richtete Wecker den Appell, die Bepreisung des Kohlendioxid-Ausstoßes „zumindest auszusetzen“ und so zu einer Preisdämpfung beizutragen. Wecker zog auch in Zweifel, dass das Gasgeschäft für die SWS von großer Relevanz ist. Vielleicht interessierten sich Neukunden in der jetzigen Lage für den SWS-Tarif, doch im Jahr 2019 hätten die SWS „in diesem Segment gerade mal 857 Neukunden gewonnen“, erklärte er.

Grundversorger und damit Rückfallebene für Gaskunden sind die SWS in Stuttgart nicht. Das ist der EnBW-Konzern.

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