TV-Tipp: „Killing for Love“ Liebe, Verrat, Mord: Der Fall Jens Söring

Von Ulla Hanselmann 

Doppelmord oder Justizirrtum? Die vierteilige ZDF-Info-Dokumentation „Killing for Love – der Fall Jens Söring“ rollt einen der spektakulärsten Justizfälle der Nachkriegszeit auf.

Mehr als drei Jahrzehnte im Gefängnis: Jens Söring im Dezember 2019 bei seiner Ankunft in Deutschland Foto: ZDF und Marcus Vetter/Marcus Vetter
Mehr als drei Jahrzehnte im Gefängnis: Jens Söring im Dezember 2019 bei seiner Ankunft in Deutschland Foto: ZDF und Marcus Vetter/Marcus Vetter

Stuttgart - Dreiunddreißig Jahre, sechs Monate, fünfundzwanzig Tage: So lange saß der Deutsche Jens Söring in den USA im Gefängnis. Im September 1990 war der Diplomatensohn für den Doppelmord an den Eltern seiner Geliebten, Elizabeth Haysom, zu zweimal lebenslänglich ­verurteilt worden; zuvor saß er seit 1986 in Untersuchungshaft. Die Filmemacher Marcus Vetter („Das Herz von Jenin“, „Das Forum“) und Karin Steinberger sind dabei, als Söring im Dezember 2019 von Presse, Familie, Freunden am Frankfurter Flughafen empfangen wird. Er war unter der Auflage, nie mehr in die USA zurückzukehren, nach Deutschland überstellt worden.

Nach diesem emotional aufwühlenden Bildern, unterlegt von Jay Hawkins’ „I put a Spell on you“, blenden die Dokumentar­filmer zurück, zeigen Bilder vom blutbesudelten Tatort im Haus der Haysoms in Lynchburg, Virgina. Dann blickt man in das fast noch kindliche, unbewegte Gesicht Sörings am 21. Juni 1990, als die Geschworenen ihn für schuldig befinden. Nur der Wimpernschlag verrät seine innere Verfassung.

Puzzleartige Spurensuche

Die Dokumentation „Killing­ for Love – Der Fall Jens Söring“ rollt einen der spektakulärsten Justizfälle der Nachkriegszeit auf – einer der ersten, die live im US-Fernsehen übertragen wurden. Die vier vierzigminütigen Teile „Der Mord“, „Der Verrat“, „Die Alibis“ und „Das Urteil“, die ZDF Info am Stück zeigt (4. August, ab 20.15 Uhr), rekonstruieren diesen Fall, der viel von dem hat, was eine große Tragödie ausmacht: jugendliche Liebe, Flucht, Verrat, Rache, Versöhnung.

Der Tübinger Filmemacher Vetter, ein gebürtiger Stuttgarter, und die Journalistin Karin Steinberger hatten mit Söring im November 2013 in der Haft ein ausführliches Interview geführt. Bereits 2016 mündeten ihre Recherchen in den Dokumentarfilm „Das Versprechen“. Ihren aktuellen Vierteiler legen sie als fesselnde puzzleartige Spurensuche an, die auch mit nie zuvor gesehenem Videomaterial der Prozesse auftrumpft. Doppelmord oder Justizirrtum? Die Antwort wollen sie, so Vetter in einem ZDF-Interview, dem Zuschauer überlassen.




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