TVB Stuttgart und sein Torwart-Duo Jogi Bitter und Primoz Prost: Mehr Erfahrung geht nicht

Von Jürgen Frey 

Bleiben beide fit, ist das zumindest kurzfristig eine top Lösung: Der TVB Stuttgart setzt in der kommenden Saison auf Jogi Bitter und Primoz Prost – und damit auf geballte Erfahrung im Handball-Tor.

Primoz Prost (li., im Dress von Frisch Auf Göppingen) und Johannes  „Jogi“ Bitter  verstanden sich offenbar schon als Gegner gut – künftig bilden sie das Torwart-Gespann beim TVB Stuttgart. Foto: Baumann
Primoz Prost (li., im Dress von Frisch Auf Göppingen) und Johannes „Jogi“ Bitter verstanden sich offenbar schon als Gegner gut – künftig bilden sie das Torwart-Gespann beim TVB Stuttgart. Foto: Baumann

Stuttgart - Dass die personifizierte Lebensversicherung des TVB Stuttgart weiter für den Handball-Bundesligisten zwischen den Pfosten stehen würde, war schon seit zweieinhalb Monaten klar. Denn bis zum 1. April hätte Johannes „Jogi“ Bitter (37) seinen bis 2021 laufenden Vertrag kündigen können. Tat er aber nicht. Mit der öffentlichen Bekanntgabe wartete Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt dennoch bis zum Donnerstag. „Wir wollten erst etwas mehr Klarheit, wie es aufgrund der Corona-Krise weitergeht und zudem die Besetzung der zweiten Torwartposition abwarten“, begründete Schweikardt die Hinhaltetaktik.

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Inzwischen ist fest vorgesehen, dass die Saison Anfang Oktober startet – und in Primoz Prost (36) steht Bitters Partner im Kasten fest. „Wir haben sportlich eine überragende Lösung gefunden und finanziell einen gangbaren Weg“, erklärte Schweikardt.

25 bis 50 Prozent Gehaltsverzicht

Die Mannschaft sei in die Personalentscheidungen eingebunden gewesen. Soll heißen: Nur über einen entsprechenden Gehaltsverzicht aller im Verein lässt sich dieses prominente Torwartduo finanzieren. Wie hoch der ist, blieb offen und ist auch nicht einheitlich geregelt. „Es gibt in jedem Club individuelle Lösungen“, sagte Bitter in seiner Funktion als Vertreter der Spielergewerkschaft Goal. Nach unseren Informationen liegt die Bandbreite in Sachen Gehaltsreduzierung in der Handball-Bundesliga zwischen 25 bis 50 Prozent.

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Dass Prost zu Abstrichen bereit war, liegt unterdessen nicht nur an der Corona-Pandemie. Der Wechsel nach Stuttgart ist für den ehemaligen slowenischen Nationalkeeper mit Annehmlichkeiten verbunden. Nachdem sich vor einem Jahr der eigentlich schon fixe Wechsel zum Schweizer Topclub St. Otmar St. Gallen wegen vereinsinterner Turbulenzen zerschlagen hatte, unterschrieb der 36-Jährige beim Drittligisten Wilhelmshavener HV einen Vierjahresvertrag. Sein Haus in Rechberghausen bei Göppingen behielt Prost dennoch. Da seine Frau und die drei Kinder im hohen Norden nicht heimisch wurden und unbedingt zurück in den Süden wollten, löste er seinen Vertrag auf. „Das Engagement in Stuttgart ist für mich ein Glücksfall. Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe“, sagt Prost, der von 2013 bis 2019 für Frisch Auf Göppingen spielte und 2016 und 2017 mit den Grün-Weißen den EHF-Pokal gewann.

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Durch die Verpflichtung von Prost wird Nick Lehmann für zwei Jahre zum Zweitligisten SG BBM Bietigheim wechseln. Der 21-Jährige Schlussmann behält ein Zweitspielrecht für den TVB Stuttgart. „Nick ist ein junger Keeper aus unserem eigenen Stall, er bekommt jetzt die nötige Spielpraxis und wird in der zweiten Liga weiter gefördert“, sagt Schweikardt.

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Mit dem erfahrenen neuen Torwartduo ist der TVB bestens aufgestellt – vorausgesetzt beide bleiben fit. Den 2,05-Meter-Riesen Bitter zwickt es immer wieder mal im Rücken, der 1,86 Meter große Prost bringt eine Vorschädigung im Knie mit, wegen der er auch seine Karriere in der slowenischen Nationalteam beendete. „Wir wissen um die Vorgeschichte, aber Verletzungen können auch bei jüngeren Spielern passieren“, erklärte Schweikardt und ergänzt mit Blick auf die Altersstruktur des Kaders: „Von den Torhütern abgesehen, haben wir ein relativ junges und noch recht ligaunerfahrenes Team.“

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Das startet am 6. Juli in die Vorbereitung. Auf ein konkretes Saisonziel wollte sich Schweikardt noch nicht festlegen. „Bei vier Absteigern muss das erste Ziel sein, so früh wie möglich den Klassenverbleib zu sichern, dann kann man neue Ziele stecken“, sagt der 40-Jährige. Was Jogi Bitter neben Erfolgen mit dem TVB persönlich anstrebt, ist dagegen klar: Er hofft auf die Teilnahme mit der deutschen Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen 2021. „Das wäre ein tolles Ziel“, sagt er – und ergänzt: „Wir stehen vor einem spannenden Jahr, ich will weiter im Fokus bleiben.“ Primoz Prost wird ihn dabei beim TVB tatkräftig unterstützen.

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