U18-Wahl in Fellbach Klimaschutz ist Pflicht für alle Parteien

Lynn freut sich auf den Tag, an dem sie „in echt“ wählen darf. Foto: Gottfried Stoppe/l
Lynn freut sich auf den Tag, an dem sie „in echt“ wählen darf. Foto: Gottfried Stoppe/l

Wie würden Kinder wählen? Das bundesweite Projekt U18-Wahl zeigt das. Abgestimmt haben auch die Oeffinger Pfadfinderinnen – mit einem ungewöhnlichen Ergebnis.

Leben: Anja Tröster (aja)
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Fellbach - Die Aufregung am Freitagabend im katholischen Gemeindezentrum von Oeffingen ist groß. Kichernd stecken zehn Mädchen der Pfadfinder-Wichtel die Köpfe zusammen. Zum allerersten Mal in ihrem Leben dürfen sie mitentscheiden, wer Deutschland regieren soll. Wählen finden sie super – vor allem wegen der Wahlparty.

Die bundesweite U18-Wahl macht es möglich. Dabei dürfen Jugendliche symbolisch abstimmen. Organisiert wird die Wahl unter anderem vom Bundesjugendring und der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Pfadfinderinnenschaft St. Georg beteiligt sich mit fünf Wahllokalen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart – zwei davon liegen im Rems-Murr-Kreis: Oeffingen und Allmersbach.

Die Grünen – das sind „die, die das Fleisch verbieten wollen“

Doch bevor gewählt wird, gibt es noch ein wenig Nachhilfe. „Wisst ihr denn, wer in neun Tagen gewählt wird?“, fragt Pia Schneider, eine der Gruppenleiterinnen. „Die Bundeskanzlerin?“, rät ein achtjähriges Mädchen. „Parteien!“, sagt eine andere. Und welche Parteien gibt es? Die Grünen, das sind die, „die das Fleisch verbieten wollen“. Dazu die Linken und die Braunen. Und noch die Schwarzen – „das sind die, die für Beerdigungen zuständig sind“, witzelt eine.

Zur Sicherheit haben die Gruppenleiterinnen Plakate aufgehängt, die noch einmal die wichtigsten Daten zu jeder Partei auflisten: Dazu zählt nicht nur, wie viele Abgeordnete der Partei im Bundestag sitzen und welche Ziele sie vertritt. Sondern auch, wie hoch der Frauenanteil ist. „Das war uns besonders wichtig“, sagt Pia Schneider. „Schließlich sind wir ein Frauenverband.“

Ein feierlicher Moment – das erste Kreuz nach der Klassensprecherwahl

Die zehnjährige Lynn schaut sich mit ihren Freundinnen zusammen ganz konzentriert alle Plakate an. Dann geht sie in den Raum mit der Wahlurne, wo sie den Wahlschein in die Hand gedrückt bekommt. Sie darf ganz allein ihre Kreuze machen. Ein wenig ehrfürchtig geht sie zur Urne. Als sie herauskommt, leuchten ihre Augen – und das nicht nur wegen der Gummibärchen, die sie im Wahllokal bekommen hat. „Jetzt freue ich mich schon darauf, wenn ich das erste Mal in echt wählen darf“, sagt sie. „Das ist bestimmt noch besser.“

Vor einem Jahr, sagt Pia Schneider, hätten sie auf der Diözesanebene den Arbeitskreis Politik gegründet. Die Gruppe will das Bewusstsein der Jugendlichen für gesellschaftliche Themen schärfen und gleichzeitig die Anliegen von Jugendlichen mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken: „In Deutschland gibt es mehr alte Menschen als junge“, begründet Sara Kiefer. „Dadurch finden junge Themen weniger Beachtung in der Politik.“ Die simulierte Bundestagswahl ist eine der ersten Aktionen des Arbeitskreises. Sie hatten gehofft, dass mehr ältere Jugendliche zur Wahl kommen, sagt Tammy Lee Bren.

Sie fordern mehr erneuerbare Energien und einen besseren Mindestlohn

Aber deren Interesse hält sich in Grenzen. Vermutlich, weil auch viele weiterführende Schulen eine U18-Wahl anbieten. Nur drei Dreizehnjährige kommen. Das alles bestimmende Thema ist aus ihrer Sicht klar der Klimawandel. „Wer regiert, sollte mehr für die Umwelt tun. Und er sollte jetzt sofort damit anfangen“, sagt eine von ihnen. „Also wirklich jetzt gleich – und nicht erst irgendwann.“ Plastiksparen ist Routine für die drei. Ihre wichtigsten politischen Forderungen lauten denn auch: mehr erneuerbare Energien, weniger Lebensmittelverschwendung und ein anständiger Mindestlohn. Im Grunde wünschen sie sich, dass jede Partei diese Prioritäten setzt – nicht nur die Grünen.

Am Ende bekommen die Grünen in Oeffingen mit neun von 13 Stimmen die absolute Mehrheit. Die FDP erhält zwei Stimmen – so viel wie SPD und die Linke zusammen. In Allmersbach gab es nur fünf Stimmen für die Grünen, jeweils drei für CDU und SPD sowie eine für die FDP.

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Wie die Wahl funktioniert

Jugendwahl
 Die U18-Wahl ist eine bildungspolitische Initiative mehrerer Verbände. Schulen oder Jugendgruppen können Wahllokale eröffnen, deren Ergebnisse dann in eine bundesweite Auszählung mit einfließen. 2017 beteiligten sich 220 000 Kinder und Jugendliche an der Abstimmung.

Ergebnis
 Die symbolische Wahl findet immer neun Tage vor der eigentlichen Wahl statt. Die ersten Ergebnisse wurden bereits am Wochenende auf der Internetseite www.u18.org veröffentlicht. Das vorläufige Ergebnis wird am Montag um 12 Uhr präsentiert. Die Pfadfinderinnen haben ihre Ergebnisse am Wochenende nach den einzelnen Gruppen („Stämmen“) aufgeschlüsselt auf Instagram unter @psg_rottenburg_stuttgart veröffentlicht.




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