Ulm Angriff auf die „Rommel-Kaserne“

Der Name der Kaserne ist vor allem den Grünen im Bundestag ein Dorn im Auge. Die CDU im Alb-Donau-Kreis sieht in dem Wunsch nach Umbenennung nur einen Beleg für die „schleichende Ideologisierung und bornierte Arroganz“ der Partei. Foto: Lenk
Der Name der Kaserne ist vor allem den Grünen im Bundestag ein Dorn im Auge. Die CDU im Alb-Donau-Kreis sieht in dem Wunsch nach Umbenennung nur einen Beleg für die „schleichende Ideologisierung und bornierte Arroganz“ der Partei. Foto: Lenk

Eine Antrag von Grünen und Linken im Bundestag zur Umbenennung von Militäreinrichtungen bringt die Ulmer CDU in Rage.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Der interfraktionelle Antrag, den Grüne und Linke Ende Oktober im Bundestag zur „Überprüfung der Namen von Bundeswehrkasernen“ gestellt haben, ist noch sehr allgemein formuliert. Das Bundesverteidigungsministerium, fordern Renate Künast, Jürgen Trittin und Gregor Gysi im Namen ihrer Fraktionen, müsse alle Bundeswehreinrichtungen umtaufen, die den Namen „führender Militärrepräsentanten des nationalsozialistischen Regimes“ trügen.

In mehreren Interviews wurde der Frankfurter Grüne Omid Nouripour deutlicher: Vor allem der Name Erwin Rommel stört die Antragsteller. „Rommel ist das Gesicht des Angriffs- und Vernichtungskrieges von Nazi-Deutschland. In diese Tradition darf sich die Bundeswehr nicht stellen.“ Rommel sei ein Aushängeschild der Wehrmacht gewesen; die nach ihm benannten Kasernen in Dornstadt bei Ulm sowie in Augustdorf (Nordrhein-Westfalen) müssten umbenannt werden.

Die Richtlinien der Bundeswehr seien eindeutig

Zwar, sagt Nouripour, gehe es nicht darum, den Generalfeldmarschall als Kriegsverbrecher oder auch nur als überführten Sympathisanten hinzustellen. Im Vergleich zu Rommel gebe es auch eindeutigere Fälle, etwa den des SS-Offiziers General Hüttner, nach dem eine Kaserne in Hof benannt sei. Doch die Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege der Bundeswehr legten unter anderem fest, dass „Kasernen und andere Einrichtungen nach Persönlichkeiten benannt werden, die sich durch ihr gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat um Freiheit und Recht verdient gemacht haben“. So eine Persönlichkeit sei Rommel in keinem Fall.

Die Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf den Antrag steht noch aus, doch aus Ulm selbst kam eine geharnischte Replik, verfasst vom Vorsitzenden des CDU-Kreisverbandes Alb-Donau, Paul Glökler, und dem Vorstandsmitglied Hubert Bold. „Wir fordern, von allen Versuchen, der Rommelkaserne einen anderen Namen zu geben, Abstand zu nehmen“, heißt es in einer öffentlichen Erklärung.

„Kaum erträgliche bornierte Arroganz“

Umbenennungen wie sie nun Grüne und Linke forderten seien „Teil einer schleichenden Ideologisierung, weil in nahezu allen Fällen Initiatoren dahinter stehen, die in einer kaum mehr erträglichen bornierten Arroganz die alleinige Deutungshoheit der Political Correctness für sich in Anspruch nehmen“. Entscheidend sei, dass 1965, als die Dornstadter Kaserne nach Rommel benannt wurde, der Generalfeldmarschall „für die Menschen in dieser Zeit noch eine große Bedeutung hatte und seine Biographie aufs Engste mit dieser Region verbunden ist“. Vergangenheit, so Glökler und Bold, könne „nicht selektiv, sondern nur in einer Gesamtheit betrachtet werden“. Und : „Wer glaubt, unbequeme oder unliebsame Bereiche der Geschichte unseres Volkes ausblenden zu können indem man Erinnerungen auslöscht, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihn die Geschichte irgendwann einholt.“

Auch im Internet wird Nouripour heftig attackiert. Wenige Schreiber packen ihr Unverständnis in Heiterkeit. „Mein Großvater väterlicherseits wurde 1939 im Alter von 45 Jahren in die Wehrmacht eingezogen und war direkter Teilnehmer des Angriffskrieges gegen Polen. Jetzt stellt sich die Frage welchen unbefleckten Namen ich annehmen könnte“, schreibt einer. Ein anderer schlägt vor, im Zusammenhang mit der Kaserne künftig einfach an den Stuttgarter Ex-Oberbürgermeister Manfred Rommel zu denken. Ein Dritter denkt ebenfalls ökonomisch: „Machen wir aus dem ,o’ ein ,u’ und der Fall ist erledigt.“

Ulm/Berlin -

Unsere Empfehlung für Sie