Ulrike Feld coacht Musiker Immer mit der Ruhe!

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Wie ergeht es Baden-Württembergern in der Bundeshauptstadt? In einer Porträtserie sucht unsere Berlin-Korrespondentin Katja Bauer nach Antworten. Teil vier: Ulrike Feld bringt Musikern bei, auf der Bühne locker zu bleiben.

Ulrike Feld bringt  Musikern bei,  auf der Bühne locker zu bleiben. Sie selbst entspannt sich bei Spaziergängen am Lietzensee mit ihren Irish Setter. Foto: Maurizio Gambarini
Ulrike Feld bringt Musikern bei, auf der Bühne locker zu bleiben. Sie selbst entspannt sich bei Spaziergängen am Lietzensee mit ihren Irish Setter. Foto: Maurizio Gambarini

Berlin - Ulrike Feld verfügt über eine Eigenschaft, die man sich als Zeitungsmensch eigentlich nicht wünschen kann: Sie ist ausgesprochen verschwiegen. Und so sitzt man also in ihrem Arbeitszimmer in einer großbürgerlichen Berliner Gründerzeitwohnung und betrachtet, wie sie statt einer Antwort ein feines, freundliches Lächeln auf ihrem Gesicht erscheinen lässt. Schweigen. Lächeln. Schweigen.

Die Frage war: „Welche Stars waren denn schon hier?“ Statt Namen zu nennen, sagt Ulrike Feld nach einer ganzen Weile: „Wissen Sie, Diskretion ist in meiner Welt ein sehr hohes Gut.“ Natürlich. Welcher große Tenor will schon, dass sein Publikum erfährt, wie ihm vor jedem Ersten Akt so dermaßen die Knie zittern, dass es womöglich auch da ein Tremolo gibt, wo gar keines hingehört? Bei Ulrike Feld ist er sicher – in jeder Hinsicht. Feld ist Fachfrau für Angst bei Musikern und Sängern. Sie weiß genau, wie man sie verjagen kann. Sie lehrt das.

Hier in ihrem Arbeitszimmer, einem riesigen Raum voller Bücher und Musik mit weitem Blick in grüne Baumkronen und zwei extrem beruhigenden Irish Setter. In Orchesterproberäumen oder an Musikhochschulen: Sie stellt sich zusammen mit der Konzertpianistin dem Gefühl des Lampenfiebers, das sich so schlimm steigern kann, dass die Finger zu glitschig für die Tasten werden. Sie lehrt den Bariton, sich mit der Macht der Gedanken zu beruhigen, damit die Angst ihm nicht mehr den Atem wegpressen kann.

Die kleine Ulrike liebte ihre Gitarre

„Coaching für die Musikwelt“ steht auf der kunstvoll gestalteten Visitenkarte der Psychologin und Musikwissenschaftlerin, und wenn sie sie überreicht, ist sie es gewohnt, dass die Menschen sich nicht richtig etwas darunter vorstellen können. Denn Ulrike Feld hat ihren Beruf praktisch erfunden. Oder anders gesagt: Er hat sich aus ihrem Leben heraus entwickelt.

Angefangen hat alles mit Musik. Dass sie die von Herzen liebt, hat sie ziemlich früh gemerkt, zu Hause in Heidelberg in ihrem Elternhaus, wo sie mit zwei jüngeren Geschwistern aufwuchs. Musik gehört selbstverständlich zum Leben: „Es war klar, dass jedes Kind ein Instrument lernte.“ Daraus muss noch lang keine Leidenschaft entstehen, aber die kleine Ulrike liebte ihre Konzertgitarre – und zwar so sehr, dass sie die Musik zum Beruf machen wollte.

Nach einem Vorstudium an der Musikhochschule Karlsruhe wusste sie, wie einsam das Üben Profimusiker macht. Und immer mehr rückte für sie eine andere Frage in den Mittelpunkt ihres Interesses: „Ich wollte so gerne verstehen: Warum klingt Beethoven nach Beethoven? Wie entsteht unsere Musik?“ Sie studierte Musikwissenschaften in Heidelberg und merkte, dass ihre große Lust im Recherchieren lag.