Uma Thurmans Vorwürfe gegen Quentin Tarantino Ein Autounfall und ein seltsamer Freispruch

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Die Schauspielrein Uma Thurman hat sich – wie lange angekündigt – in der Metoo-Debatte zu Wort gemeldet. Sie hat in der „New York Times“ Vorwürfe gegen Harvey Weinstein und Quentin Tarantino erhoben. Dann folgte eine der bsilang bizarrsten Wendungen der Debatte.

Uma Thurman und Quentin Tarantino 2014 beim Filmfestival von Cannes, ein Jahrzehnt nach ihrem Zwist beim Dreh von „Kill Bill 2“ (2004). Foto: dpa Foto:  
Uma Thurman und Quentin Tarantino 2014 beim Filmfestival von Cannes, ein Jahrzehnt nach ihrem Zwist beim Dreh von „Kill Bill 2“ (2004). Foto: dpa

New York - Es klang wirklich sehr drohend, als die Schauspielerin Uma Thurman zu Beginn des Skandals um den Produzenten Harvey Weinstein ankündigte, auch sie habe beizeiten noch etwas beizutragen zu den Enthüllungen. Kinogängern fiel sofort der Racheegel ein, den Thurman in Quentin Tarantinos Zweiteiler „Kill Bill“ (2003/2004) gespielt hatte. Aber diese Ankündigung geriet fast in Vergessenheit, während andere Frauen von sexueller Belästigung, Vergewaltigung und Erpressung berichteten, bald nicht mehr nur im Zusammenhang mit Harvey Weinstein.

Vor ein paar Tagen hat sich Uma Thurman nun doch zu Wort gemeldet – wobei dem eine der bizarrsten Wendungen der Metoo-Debatte folgte. Am 2. März veröffentlichte die „New York Times“ einen längeren Text der Autorin Maureen Dowd: Uma Thurman schildert im Laufe zweier Gespräche mit Dowd, was sie mit Weinstein und anderen erlebt hat. Auch Thurman, die mit Weinstein und Tarantino „Pulp Fiction“ drehte, fühlte sich anfangs sicher bei Weinstein, dann begannen laut ihren Angaben plumpe Avancen, gefolgt von Entschuldigungen unter Druck, denen noch miesere Attacken gefolgt sein sollen, gekoppelt an Drohungen.

Hinausgeschleudert aus dem Urvertrauen

Es ist eine schlimme Geschichte, elegant aufgeschrieben, aber man spürt beim Lesen, es ist noch nicht das, was Thurman beitragen möchte. Tatsächlich zitiert Dowd sie dann mit der Formulierung, nun erst komme sie zu „the Quentin of it all“, was man vielleicht mit „dem Dreh- und Quentinpunkt von allem“ übersetzen könnte. Thurmans Beschwerden über Weinstein, erfahren wir, haben die Arbeitspartnerschaft mit Tarantino zerrüttet, beim Dreh von „Kill Bill 2“ eskaliert die Gereiztheit. Tarantino soll Thurman gezwungen haben, einen riskanten Stunt selbst zu fahren, was in einem Unfall und mit Verletzungen endet. Beim Lesen entsteht der Eindruck, Thurman sei in diesem Moment aus ihrer Karriere und aus einem Urvertrauen zu ihren Mitmenschen hinausgeschleudert worden. Vor allem aber entsteht der Eindruck, da sei eine für Aufmüpfigkeit bestraft worden.

Dieser und andere Vorfälle beim Dreh, die Thurman schildert, sind von ihren Kolleginnen, von Jessica Chastain und Asia Argento etwa, prompt als wichtiger Akzent in der Metoo-Debatte wahrgenommen worden. Sie twitterten darüber, wie hier die extreme Schutzlosigkeit von Schaupielerinnen selbst dort erkennbar werde, wo sie sich in die Hände einer seit Jahren vertrauten Person begeben. Das nächste Kapitel der Metoo-Geschichte schien das Hereinbrechen einer großen Wutwelle über Quentin Tarantino zu werden.

Dass Thurman nun doch die Kameraaufnahmen von ihrem Unfall online stellen konnte, um deren Herausgabe sie jahrelang fruchtlos mit Weinstein und Tarantino gestritten hatte, verlieh ihrer Aussage aber nicht einfach Wucht. Es bog sie um. Im Text zum Instagram-Posting steht, sie gebe Tarantino keine Schuld, der sei reuig und zerknirscht. Schuld an den Vorfällen seien Harvey Weinstein und andere, nicht aber der „Kill Bill 2“-Regisseur.

Lauter offene Fragen

Mit der drei Tage zuvor erschienenen Geschichte in der „New York Times“ lässt sich dieser Freispruch Tarantinos nicht zur Deckung bringen. Hat Thurman der Dramatik wegen übertrieben? Hat Maureen Dowd ihren Text so geschickt arrangiert, dass die alte Nachricht vom übergriffigen Weinstein von einer scheinbaren neuen Nachricht über einen gefährlich repressiven Tarantino überstrahlt wird? Hat Thurman sich in der Zeit zwischen Entstehen des Artikels und den ersten Reaktionen darauf umstimmen lassen? Oder liest man den Text der „New York Times“, überreizt von vier Monaten Metoo-Nachrichten und längst bereit, immer das Schlimmste anzunehmen, schlicht falsch?

Diese Fragen sind offen. In der Branchenpresse Hollywoods, die Metoo-Nachrichten viel Platz einräumt, werden sie vorerst nicht einmal gestellt. Vielleicht ist das ein Schweigen der Verblüffung, vielleicht eines der Betretenheit. Jedenfalls lehrt der Fall erneut, wie heikel das Element der ersten Empörung in der Metoo-Debatte, gefolgt von verständlicher Solidarisierung mit einem Opfer und der energischen Verdammung eines Täters, wirklich ist.




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