Umbau beim Pressenhersteller Schuler Schulers neuer Chef greift durch

Von  

Seit gut drei Monaten steht Domenico Iacovelli an der Spitze des Göppinger Pressenherstellers. Er hat den Vorstand verkleinert, nun will er Bereiche zusammenlegen und kräftig sparen.

Schuler-Chef Domenico Iacovelli hat schon vor mehr als 15 Jahren mit Schuler zusammen  gearbeitet. Er kennt den Markt und die Kunden bestens. Foto: Ines Rudel
Schuler-Chef Domenico Iacovelli hat schon vor mehr als 15 Jahren mit Schuler zusammen gearbeitet. Er kennt den Markt und die Kunden bestens. Foto: Ines Rudel

Göppingen - Von der Dachterrasse des Schuler Innovation Towers (SIT) hat man einen tollen Blick auf die Altstadt von Göppingen mit der Stadtkirche, dem Bergkegel des Hohenstaufen sowie dem Panorama der Schwäbischen Alb im Hintergrund. „Ich bin beeindruckt von Göppingen. Ich hatte sie als graue Industriestadt in Erinnerung“, sagt Domemico Iacovelli. Seit November 2017 ist er bei Schuler. Ende April ist der 42-Jährige, dessen Heimatland unüberhörbar die Schweiz ist, Chef des Göppinger Pressenherstellers. Sein verglastes Büro liegt im 11. Stock des vor einem Jahr eröffneten SIT, am Ende eines Ganges. „Ich würde lieber näher bei den Mitarbeitern sitzen“, sagt Iacovelli im Gespräch mit unserer Zeitung. Er hat das Büro von Vorgänger Stefan Klebert übernommen. Nur die Stühle, die ihm zu modern waren, hat der Vater von drei Kindern ausgetauscht. „Das ist hoffentlich das Einzige, wo ich altmodisch bin“, fügt er lachend hinzu.

Iacovelli, der zuletzt Chef des Schweizer Schweißanlagenherstellers Soutec war, kennt Schuler schon seit mehr als 15 Jahren. „Wir hatten gemeinsame Kunden wie die großen Autozulieferer“, erläutert er die Anknüpfungspunkte. Und seit 2012 haben Schuler und Soutec auch einen gemeinsamen Großaktionär: die österreichische Andritz-Gruppe. Auch das schafft Nähe. Als „Andritz-Mann“ sieht Iacovelli sich nicht.

Halbmarathonläufer und Snowboardfahrer

Aber weil der Halbmarathonläufer und Snowboardfahrer das Göppinger Traditionsunternehmen bereits gut kennt, drückt er aufs Tempo. So hat der „Wochenendpapa“ (Iacovelli über Iacovelli) bereits den Vorstand von vier auf drei Mitgliedern verkleinert. Ein eigenes Technik-Ressort gibt es künftig nicht mehr. Der bisherige Technik-Chef Stephan Arnold hat schon einen neuen Job beim Ventilatorenhersteller EBM Papst in Mulfingen gefunden, wo er die Verantwortung für Forschung und Entwicklung übernimmt. „Ich glaube nicht, dass man im Elfenbeinturm entwickeln kann“, begründet der Schuler-Chef, der künftig die Gesamtverantwortung für die Technik hat, die Entscheidung. Ihm schwebt eine dezentrale Produktentwicklung vor. Etwa in China, wo der Engineering-Bereich ausgebaut werden soll; 30 zusätzliche Entwickler werden in der Volksrepublik gesucht.

In den USA ist vergleichbares nicht geplant. „Für unsere Branche macht es keinen Sinn in den USA zu entwickeln oder zu fertigen“, erläutert der Schweizer, dessen Familie weiterhin in Wil/St. Gallen wohnt. Zum einen sei die Arbeit in den USA teurer, zum anderen fehle den Amerikanern die industrielle Kompetenz. „Die Presslinien, die wir bauen, gibt es dort nicht. Also müssen die USA sie importieren“, argumentiert er. Und so profitiere Schuler von der derzeitigen Politik von US-Präsident Donald Trump, dessen erklärtes Ziel es ist Industriearbeitsplätze zu schaffen. Und das geht nun mal nicht ohne Maschinen. „Ich schätze, dass jede zweite Maschine in US-Fabriken älter ist als ich es bin“, erläutert der 42-Jährige die Situation in den USA.

Erfreuliche Auftragsentwicklung

Und so ist es nicht weiter erstaunlich, wenn Iacovelli mit der Auftragslage zufrieden ist. „Wir haben in den ersten fünf Monaten 2018 eine erfreuliche Auftragsentwicklung im Unternehmen gehabt, die deutlich über dem vergleichsweise schwachen Vorjahreszeitraum liegt“, sagt er. Die Vorjahresergebnisse werden dennoch nicht erreicht. Schuler profitiert nicht nur von US-Bestellungen. Auch der Technologiekonzern Samsung, der eine Batteriezellfabrik für Elektroautos in Ungarn baut, steht in der Kundenkartei. Und das kann er durchaus als Erfolg verbuchen, denn koreanische Unternehmen setzen – genauso wie japanische – auch im Ausland überwiegend auf die eigenen Zulieferer.

Auch in anderen südostasiatischen Ländern läuft es gut. „Positiv ist, dass wir erstmals Orders aus neuen Automobilmärkten wie China und Vietnam verbuchen konnten“, sagt der Schuler-Chef. So hat der Pressenhersteller gleich die Aufträge von zwei neuen Kunden in China gewonnen: den Unternehmen Nio und Ryuici, die ausschließlich Elektroautos fertigen.

Das mittlere Preissegment ist hart umkämpft

„Dieser Eintritt in das mittlere und untere Preissegment ist wichtig für uns, da er mittelfristig neue Absatzmärkte eröffnet“, so Iacovelli. Doch dies bringt ein ganz anderes Problem mit sich: Weil diese Maschinen im mittleren Segment, die auch in Göppingen gefertigt werden, weniger Komplex und damit weniger leistungsfähig sind, sind sie auch preisgünstiger. Dafür ist die Konkurrenz größer; so tummeln sich neben europäischen auch asiatische Hersteller in dem Markt. Die Folge: Die Margen schrumpfen. Deshalb wird der Schuler-Chef sparen. Er formuliert es so: „Klar ist aber auch, dass wir nicht nur aufgrund der Auftragsschwäche des Vorjahres bei Umsatz und Ergebnis 2018 nicht da sind, wo wir sein wollen. Deshalb werden wir jetzt unsere Kosten den Gegebenheiten der neuen Märkte anpassen und in den kommenden Wochen die Maßnahmen beraten, die notwendig sind, um Schuler in einem schwierigen Marktumfeld wettbewerbsfähig zu halten.“ Von den Sparmaßnahme schwerpunktmäßig betroffen soll die Verwaltung sein, die auch wegen Zukäufen zu groß sei. Die Verkleinerung des Vorstands war eine Maßnahme. Nun soll noch die Zahl der Geschäftsbereiche, die jeweils eigene Führungsmannschaften haben, von acht auf sechs reduziert werden.

Unsere Empfehlung für Sie