Umgestaltung Neue Mitte Schmiden Der Ortskern wird zum Pflasterparadies

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Die Kreuzung der Fellbacher Straße und der Gotthilf-Bayh-Straße in Schmiden soll von der zweiten Dezemberwoche an wieder befahrbar sein. Dann gibt es auch breitere Gehwege. Ruhe kehrt keine ein – weitere Baustellen werden folgen.

Auf der linken Straßenseite ist der Gehweg der Fellbacher Straße schon mit dem neuen Pflasterbelag ausgestattet. Foto: Nicklas Santelli
Auf der linken Straßenseite ist der Gehweg der Fellbacher Straße schon mit dem neuen Pflasterbelag ausgestattet. Foto: Nicklas Santelli

Schmiden - Der Fußgänger steht unerwartet schon drauf: Der Tiefbauamtsleiter Thomas Stengel weist ihn auf das erste Stück der neuen Gestaltung Schmidens hin, das fertig ist. Wer derzeit in der Fellbacher Straße direkt am Uhrenladen Lamster in Schmiden vorbeiläuft und kurz verweilt, hat ein Stück des zukünftigen Ortskerns unter den Füßen: Ein helles, gelbliches neues Pflaster ist dort schon verlegt.

Es ist in der ersten Bauphase eine Metamorphose im Ortskern Schmiden im Gange

Das kurze Stück von ein paar Metern bleibt noch unscheinbar im Vergleich zu rot-weißen Abschrankungen, aufgerissenen Fahrbahnen und ausgehöhlten Straßenstücken, die das Bild des Baustellenbereichs derzeit in der Fellbacher Straße bestimmen. Die Besichtigung zeigt aber schon: Schmidens Ortskern wird schöner werden mit diesem Pflaster, das bis zum Frühjahr 2020 vor und zwischen den holzverkleideten Bauten der Neuen Mitte sogar quer über die Fahrbahn gezogen und einen Platz mit Baum und Sitzgelegenheiten bilden wird. Es geht um einladende, vor allem breitere Gehwege vor den Läden, zusätzliche Bäume: Dass Schmidens Innerortsquartier tatsächlich schöner und funktionaler wird, davon sind der Tiefbauamtsleiter und seine Mitarbeiterin Sevdalina Böhme überzeugt. Dagegen verlieren Radfahrer den markierten, ihnen vorbehaltenen Weg am Fahrbahnrand. In Zahlen ausgedrückt: Die gepflasterten Gehwege, die bis an die Häuser reichen, werden künftig mindestens 2,50 Meter breit sein auf Kosten der derzeitigen 1,50 Meter breiten Radwege. Die meist 3,50 Meter breite Fahrbahn wird auf 4 Meter aufgeweitet.

Im Architekten- und Stadtplanerdeutsch heißt das „Aufenthaltsqualität“

Es ist in der ersten Bauphase eine Metamorphose im Ortskern Schmiden im Gange, eine städtische Verwandlung in großen Stil, die vor allem den Fußgänger im Blick hat. Er soll dort gerne gehen, verweilen und einkaufen. Im Architekten- und Stadtplanerdeutsch heißt das „Aufenthaltsqualität“. Ein wenig gewinnen auch die Autofahrer, nicht nur von den neuen Fahrbahnunterbauten und -belägen, die im jetzigen Baustellenbereich bei Uhrengeschäft und Friseur demnächst aufgebracht werden. Auf der Fellbacher Straße, an der Kreuzung mit der Gotthilf-Bayh-Straße, werden sie sich nach links in die Butterstraße, also in Richtung Waiblingen, in einer Schlange von vier Autos auf einer Linksabbiegerspur einordnen können, statt wie bisher auf einer Kombispur nur zwei. Im Zeitalter – trotz Klimadebatte – immer dickerer Autos wird der Parkstreifen zwei Meter statt bisher 1,85 oder 1,95 Meter breit. Das sei das neue Standardmaß, wie Sevdolina Böhme betont.

Die vier Bauten der Neuen Mitte, die jetzt durch die städtische Entwicklungsgesellschaft hochgezogen worden sind, ragen durch ihr ansprechendes Äußeres

Bald ist diese erste Bauphase vor Uhrengeschäft und Friseur abgeschlossen. Die zweite, die bis zu den Neubauten reicht, soll noch vor Weihnachten und einer darauffolgenden Winterpause begonnen werden. Die dritte, die Platzgestaltung, soll bis Frühjahr fertig sein. Weitere Straßenzüge folgen in den nächsten Jahren. Thomas Stengel legt sich fest: Bereits in der zweiten Dezemberwoche soll die Kreuzung Fellbacher/Gotthilf-Bayh-Straße wieder befahrbar sein, und der Linienbus wird nach der Fahrt über die Freiberg- und die Höhenstraße wieder hier auf die Fellbacher Straße einbiegen. Bewohner der Wirtembergstraße an der Umleitungsstrecke können dann aufatmen.

War der Straßenraum in Schmidens Ortsmitte schon in den jüngeren Jahrzehnten städtisch geprägt, so kam erst nach und nach die Entwicklung vom Dorf zur Stadt, von den Gehöften zu den Wohn- und Geschäftshäusern. Die vier Bauten der Neuen Mitte, die jetzt durch die städtische Entwicklungsgesellschaft hochgezogen worden sind, ragen durch ihr ansprechendes Äußeres aus der Reihe der zumeist nichtssagenden Nachkriegsbauten ihrer Umgebung weit heraus.

Ein Blockheizkraftwerk versorgt die vier Bauten mit Strom und heißem Wasser

Prägnant sind die vier Holzbauten aus sibirischer Lärche unter ihren traditionellen Schrägdächern verkleidet. Das Bauholz sei aber nicht aus Sibirien importiert, erklärt der Bauleiter Jürgen Schumacher. Pro Stockwerk hat der Aufbau aus Fertigteilen etwa einen Tag gekostet, berichtet er. Die etwas vorergraute Verkleidung komme dem zukünftigen Anblick, wenn die Witterung das Holz ergrauen ließ, schon etwas nahe, sagt er. Zwei Arztpraxen entstehen dort, für das Bistro im Haus A, dem einzigen direkt an der Fellbacher Straße gelegenen der vier Häuser, verhandelt die Stadt noch mit interessierten Pächtern. Für 59 Stellplätze ist Platz im noch provisorisch beleuchteten gemeinsamen Untergeschoss, davon 20 öffentliche, davon wiederum zwei Strom-Tankstellen für Elektroautos. Benutzbar ist die Tiefgarage noch nicht. Dort wird in diesen Tagen der Bodenbelag verlegt. Noch nackte Tiefgaragen-Oberdecken warten auf besseres Wetter, um abgedichtet und dann aufgeschüttet zu werden. Für einen Mammutbaum werde die Erdschicht nicht reichen, gibt Jürgen Schumacher zu, aber ein kleiner Baum soll dort wurzeln können.

Für die 29 Wohnungen zwischen 60 und 110 Quadratmeter Größe, insgesamt 2400 Quadratmeter Wohnfläche, hat der Innenausbau begonnen

Ein Blockheizkraftwerk versorgt die vier Bauten mit Strom und heißem Wasser, schickt auch Heizenergie durch Rohre in die Fußbodenheizungen. Für Sicherheitsliebhaber unter den künftigen Mietern sei erwähnt, dass ein Notstromaggregat für den Fall eines Stromausfalls vorhanden ist. Die fünf Hebeanlagen, die das Abwasser auf die Höhe der Kanäle pumpen müssen, sind also stets versorgt.

Für die 29 Wohnungen zwischen 60 und 110 Quadratmeter Größe, insgesamt 2400 Quadratmeter Wohnfläche, hat der Innenausbau begonnen. Endlose Kabelstränge liegen auf den Holzdecken, verkleidete Heizungsrohre klettern die Schächte hinauf und warten darauf, vom Estrich wieder versteckt zu werden. Wer durch die Baustelle auf dem Weg über zahllose Stolperfallen und Barrieren in Kopfhöhe ins dritte oder vierte Obergeschoss geleitet wird, schaut Schmidens Laden- oder Metzgereigebäuden aufs flache Dach, den Häusern auf die Ziegeldächer, sieht sogar die Spitzen von Kappelberg und Schurwaldhöhen, erblickt auf der anderen Seite die sonst meist von Häusern verdeckte altehrwürdige Dionysiuskirche und die Fachwerkschönheit Großes Haus. Der Holzbau strahlt eine warme angenehme Atmosphäre aus. „Die Bauweise ist wegen des Brandschutzes etwas aufwendiger als ein Massivbau, weil das Holz verschalt oder abgekapselt werden muss“, sagt Jürgen Schumacher, „aber er wird derzeit von den Ministerien und den Fachleuten favorisiert.“




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