Umstrittenes Vorhaben in Vaihingen Der Protest gegen die Abrisspläne wird lauter

Von Susanne Mathes 

Ein Bauunternehmen aus Oberriexingen will eine denkmalgeschützte Scheune in Vaihingen an der Enz abreißen. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst. Eine Initiative plädiert dafür, das Gebäude neu zu nutzen – und versucht jetzt auch, mit einem Video Aufmerksamkeit zu bekommen.

Stattliches Baudenkmal nahe des Vaihinger Ortszentrums: die Engel’sche Stallscheune. Foto: factum/Andreas Weise Foto:  
Stattliches Baudenkmal nahe des Vaihinger Ortszentrums: die Engel’sche Stallscheune. Foto: factum/Andreas Weise

Vaihingen an der Enz - Für die Gegner des Projekts ist es ein stadthistorisches Horrorszenario: Abrissbirnen und Bagger rollen an und machen die imposante Stallscheune des ehemaligen Gutshofs Engel platt – wie es in jüngeren Jahren auch schon mit charakteristischen Gebäuden wie dem Bahnhotel geschah. Eine Allianz aus 15 Vereinen und Organisationen will um jeden Preis verhindern, dass die Wohnbau Oberriexingen das Gebäude abbricht und neue Gebäude hochzieht. Schon im September 2019 flammte der Protest auf – jetzt legen die Denkmalschützer mit einem Youtube-Video nach. „Wir versuchen auf diesem Weg, die medialen Gewohnheiten der Menschen aufzunehmen“, sagt Reinhard Wahl, Vorsitzender der Vaihinger Gesellschaft für Stadtgeschichte. Viele Bürger wüssten wohl gar nicht, dass das Gebäude gefährdet sei.

Unter dem Titel „Scheune sucht Dich – Vaihingen an der Enz“ wirbt das Bündnis – zu dem die örtliche Demokratie-Initiative, die Vaihinger Aktion Innenstadt, Grüne, SPD, BbV (Bürger bewegen Vaihingen) oder der Schwäbische Heimatbund zählen – dafür, den Bau aus der Zeit um kurz nach 1900 zu sanieren und ihm neues Leben einzuhauchen, etwa in Form einer Markthalle für regionale Produkte oder einer Brauerei. „Den Verantwortlichen fehlt der Wille, das Potenzial zu erkennen, das in dem Gebäude schlummert“, monieren die Kritiker in dem Video; nachahmenswerte Beispiele innovativer Bauherren und Architekten fänden sich in der Region problemlos.

Der Zustand des Gebäudes sei desolat, sagt der Eigentümer

Potenzial schlummert indes auch in dem gesamten Gelände, worauf die Scheune steht. Das 4000 Quadratmeter große, nordöstlich direkt an das Vaihinger Zentrum angrenzende Areal ist laut Oberbürgermeister Gerd Maisch (Freie Wähler) „für die Stadtentwicklung eine extrem wichtige Fläche“. Seit Jahrzehnten wünsche sich die Stadt, dass sich auf dem brachliegenden Areal etwas tue, „das beschäftigt uns schon fast so lange wie die Enzweihinger B-10-Umfahrung“, sagt Maisch. Doch die Eigentümergemeinschaften hätten lange Zeit nicht verkauft.

Statt auf Bautätigkeiten schauten die Vaihinger auf Parkplätze und Unkrautwildwuchs in bester Lage. Jetzt gehört das Gelände inklusive des einstigen Hofguts, das im Gegensatz zur Scheune erhalten bleiben soll, der Wohnbau Oberriexingen, die es in den nächsten Jahren entwickeln will. Sie hat den Abbruch der denkmalgeschützten Scheune beantragt und beruft sich auf ihren schlechten baulichen Zustand – dieser sei desolat, hatte Geschäftsführer Kim Hasenhündl bereits vergangenes Jahr kommentiert. Das denkmalschutzrechtliche Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Der Eigentümer müsse noch Unterlagen vorlegen, erklärt Oberbürgermeister Maisch. „Der Denkmalschutz ist ein hohes Gut.“

Die Initiative fürchtet, dass der Gemeinderat außen vor bleibt

Das findet auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Rösler, der deshalb den Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer auf die Vaihinger Scheune angesetzt hat – mit der Bitte, „das Anliegen des Vaihinger Bündnisses zur Erhaltung der Stallscheune wohlwollend zu prüfen beziehungsweise zu unterstützen“. Schließlich sei das Regierungspräsidium ja „sogar landesweit federführend für den Denkmalschutz zuständig“. Das Regierungspräsidium in Stuttgart erklärt auf Anfrage, das Thema sei auf der Fachebene noch in der Beratung, in dieser Woche könne wohl Konkreteres gesagt werden.

Die Initiative zur Erhaltung befürchtet, das „Go“ für einen möglichen Abbruch der Scheune werde womöglich ohne den Gemeinderat erteilt. „Bei einem solch stadtbildprägenden Gebäude und einer städtebaulichen Maßnahme dieser Größenordnung darf die Frage, ob ein Abriss der Scheune vonseiten der Stadt befürwortet werden kann, aber nicht am Gemeinderat vorbei beantwortet werden“, mahnt Eberhard Berg, Mitglied der Vaihinger SPD-Fraktion – selbst wenn das möglicherweise rechtlich zulässig sei. Die Stadtverwaltung sei in der Pflicht, verantwortungsvoll und transparent mit Vaihingens historischem Erbe umzugehen.

Infoabend fiel wegen Corona flach

Zur Inspiration, wie so etwas andernorts gelöst wird, hatte das Bündnis für 17. März unter dem Titel „Alte Schuppen – neue Ideen“ einen Vortragsabend samt Ausstellung „Scheune sucht Freund“ des Landesamtes für Denkmalpflege auf die Beine gestellt. „Corona hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Reinhard Wahl. Wegen des Lockdowns fiel der Termin flach.

„Uns geht es nicht darum, der Firma das Leben schwer zu machen“, betont Wahl. „Das Geschäftsmodell Kaufen, Abreißen, Bauen ist in Ordnung, wenn es sich um drittklassigen Altbestand handelt.“ Das sei aber bei der Engel’schen Scheune definitiv nicht der Fall – nicht umsonst habe das Landesdenkmalamt sie 1985 als Kulturdenkmal ausgewiesen.

Die Wohnbau Oberriexingen will sich zu dem Thema nicht äußern – weder zum aktuellen Zustand der Scheune noch zu der Frage, wie ihr Plan B aussähe, falls der beabsichtigte Abbruch des denkmalgeschützten Baus nicht genehmigt würde.




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