Umstrukturierung an den Standorten Esslingen und Göppingen Hochschule vor der Entscheidung

Von Arnd Woletz 

Noch ist die Zukunft des Campus in Göppingen unklar. Bis zum Sommer sollen die Würfel gefallen sein, wie die Neuausrichtung des Standorts in der Hohenstaufenstadt und die Aufgabenverteilung mit Esslingen aussieht.

Die Neuausrichtung des Hochschulstandorts Göppingen geht in den kommenden Wochen in die entscheidende Phase. Lokalpolitiker warnen immer noch vor einem Bedeutungsverlust gegenüber dem Hauptstandort Esslingen. Foto: Giacinto Carlucci
Die Neuausrichtung des Hochschulstandorts Göppingen geht in den kommenden Wochen in die entscheidende Phase. Lokalpolitiker warnen immer noch vor einem Bedeutungsverlust gegenüber dem Hauptstandort Esslingen. Foto: Giacinto Carlucci

Göppingen - Wie sieht die Zukunft des Hochschulcampus Göppingen aus? Die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi hatte kürzlich in einem Brief an Hochschulrektor Professor Christof Wolfmaier gefordert, die  Hochschule müsse jetzt bald das angedeutete neue Konzept, das von einer Straffung der ­Fakultäten und standortübergreifenden Angeboten ausgeht,  konkretisieren. Neue Ideen seien im Sinne des ganzen Standortes wichtig, findet die Abgeordnete. „Im Ergebnis erwarte ich vom Strukturprozess an der Hochschule Esslin­gen eine klare Perspektive mit einer eigenständigen Fakultät am Campus Göppingen. Was Göppingen braucht, ist ein Alleinstellungsmerkmal“, schreibt Razavi. Die Fakultät müsse so ausgerichtet sein, dass sie auf den Bedarf der Wirtschaft in der Region abgestimmt ist. „Hier muss man auch den Mut haben, Neues zu denken. Der IT-Bereich bietet sich in Göppingen hervorragend an.“

Im Lauf des Sommersemesters soll entschieden werden

Die Stadt Göppingen will eher am jetzigen Angebot festhalten: Pressesprecher Olaf Hinrichsen betonte am Montag: „Für uns ist selbstverständlich, dass nicht nur eine, sondern wie bisher zwei Fakultäten am Standort Göppingen verbleiben. Wir fordern weiterhin, dass die Kernkompetenzen Mechatronik und Wirtschaftsingenieurswissenschaften in Göppingen gelehrt werden. Ob eine weitere Fakultät am Standort Göppingen eingebunden wird, steht nicht im Vordergrund, sondern die Lehrinhalte in Göppingen.“ Auch eine Verbindung zwischen den bestehenden Fakultäten und der Informationstechnologie sollte Thema sein.

Der Rektor sagt, es habe schon viele Gespräche gegeben.  Nach einer Corona-bedingten Zwangspause werde sich die Hochschule dem Thema der Strukturentwicklung wieder mit Nachdruck zuwenden, kündigte Wolfmaier am Montag an. Im Laufe des Sommersemesters wolle man eine Entscheidung herbeiführen. Im Juli ist ein Termin mit der Lokalpolitik vereinbart, um den neuesten Stand vorzustellen und  zu diskutieren.

Ein Abzug des Studiengangs Mechatronik/Elektrotechnik steht nicht zur Debatte

Von der Wissenschaftsministerin des Landes, Theresia Bauer (Grüne), hatte Nicole Razavi die Zusage erhalten, dass Göppingen auch weiterhin mit Studienangeboten ausgestattet sein werde, „die die Herausforderungen des digitalen Wandels mit den Fachkräftebedarfen der regionalen Wirtschaft abbilden.“ Ein Abzug des Studiengangs Mechatronik/Elektrotechnik  stehe aus Sicht des Ministeriums nicht zur Debatte. Das Esslinger Organisationskonzept beinhalte sogar „als wesentlichen Faktor eine inhaltliche Stärkung des Standorts Göppingen“, so Bauer. Razavi freut sich über diese Zusagen. „Allerdings muss die Hochschule jetzt auch liefern und das Organisationskonzept gemäß dieser Leitlinie mit Leben füllen.“

Die CDU-Abgeordnete will das Konzept nicht in Bausch und Bogen verdammen. Sie warnt jedoch  immer noch vor einem Bedeutungsverlust der Hohenstaufenstadt im Studien-Zweiklang mit dem Nachbarn Esslingen. „Was nicht passieren darf, ist, dass Göppingen zu einem Anhängsel der Hochschule Esslingen verkommt. Ich erwarte deshalb, dass im gleichen Verhältnis wie bisher eine vollwertige Fakultät ihren Sitz in Göppingen hat. Alles andere würde ein Ausbluten und das schleichende Aus für den Campus Göppingen bedeuten“, schreibt Razavi. Rektor Wolfmaier habe zugesichert, dass dies nicht passieren werde.

Rektor erhofft sich Synergieeffekte für beide Standorte

Am Montag bestätigte Wolfmaier dies gegenüber unserer Zeitung: „Wir wollen den Sitz einer Fakultätsleitung am Göppinger Standort sicherstellen.“ Zur Zukunft des in Göppingen etablierten  Studiengangs Mechatronik sagte der Professor: „Es ist geplant, in Göppingen ein Studienangebot aus der Kombination von Technik, IT und Wirtschaft zu etablieren. Die Anpassungen des Lehrangebotes an aktuelle Entwicklungen im Arbeitsmarkt und bei der Studierendennachfrage sind erforderlich und erwünscht.“ Der Rektor spricht von einem nötigen „Abbau von Kongruenzen“ zwischen dem Maschinenbau und der Mechatronik. Begrenzte Mittel müssten effizient eingesetzt werden. Dies könne auch Synergieeffekte für beide Standorte haben. „Der automobil- und maschinenbaugeprägte Mittelstand im Kreis Göppingen braucht auch künftig topausgebildeten Nachwuchs. Vom Campus GP kommen die Fachleute, die eines Tages unsere Betriebe leiten und zukunftsfähig halten sollen“, betont Razavi.

Die Umstrukturierung ist im Gang

In den vergangenen Monaten hat sich nach Angaben des Rektors, Professor Christof Wolfmaier, eine Grobstruktur mit dem Arbeitstitel „Digital Business Engineering“ für den Standort Göppingen herauskristallisiert – ein Studienmodell, das aus drei substanziellen Elementen besteht: Technik, Wirtschaft und IT. Die Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten soll gestärkt, Doppelstrukturen sollen vermieden werden. Die bislang elf Fakultäten (neun in Esslingen, zwei in Göppingen) sollen  reduziert werden.

Für den Göppinger Campus würde dies eine organisatorische Zusammenlegung der bisherigen Fakultäten Mechatronik/Elektrotechnik (700 Studenten) und Wirtschaftsingenieurwesen (300 Studenten) mit fachlich ähnlichen Fakultäten in Esslingen bedeuten.




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