UN-Klimakonferenz in Paris Rückenwind für den Gipfel

Von  

Außer Reden nichts gewesen? Die Bilanz des ersten Tages der UN-Klimakonferenz in Paris fällt besser aus. Viele Sofortmaßnahmen wurden aus der Taufe gehoben.

Einigen Staaten kommt es bei der Konferenz in Paris nicht nur auf das Klimaabkommen an. Foto: AFP
Einigen Staaten kommt es bei der Konferenz in Paris nicht nur auf das Klimaabkommen an. Foto: AFP

Paris - Das größte Treffen von Regierungschefs aller Zeiten stand am Eröffnungstag der Klimakonferenz in Paris im Zentrum des Interesses. Aber abgesehen von den ambitionierten Reden in den beiden Plenarsälen auf dem Cop21-Gelände von Le Bourget, nutzten viele Institutionen und Staaten die Konferenz, um deutlich zu machen, dass es nicht allein auf das Klimaabkommen ankommt, das am Ende des zweiwöchigen Gipfels beschlossen werden soll. Sie brachten eine Reihe von Sofortmaßnahmen auf den Weg, die zeigen sollen, dass es jenseits der vertraglichen Verpflichtungen jede Menge Handlungsspielraum für Sofortmaßnahmen gibt. Die wichtigsten fassen wir hier zusammen:

Widerstandskraft gegen Klimakatastrophen stärken

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon machte einen Vorstoß für den besseren Schutz von Küstenregionen. Seine Initiative zur Stärkung der Klima-Widerstandsfähigkeit soll 634 Millionen Menschen helfen, die an überschwemmungsgefährdeten Küsten und Flüssen leben. In den nächsten fünf Jahren will er zusammen mit internationalen Partnern zwei Milliarden Dollar auftreiben, damit mehr als dreißig Länder ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren, Überflutungen und Zyklonen stärken können. Ban Ki Moon setzt dabei auf die Zusammenarbeit von Regierungen, Organisationen, der Privatwirtschaft, UN-Institutionen und Forschungseinrichtungen.

Allianz für Solarenergie geschmiedet

Indiens Staatspräsident Narendra Modi hat mit Gipfelgastgeber Francois Hollande eine Allianz zugunsten der Sonnenenergie auf den Weg gebracht. Beide haben am ersten Gipfeltag hundert Länder eingeladen, ihrer Internationalen Solarinitiative beizutreten. Sie laden diese Staaten ein, eine Allianz zu bilden, um die Entwicklung der Solarenergie voranzutreiben. Das entlaste das Klima und erhöhe die Sicherheit der Energieversorgung. Das Bündnis soll Inspa heißen: International Agency for Solar Policy and Application. Als Mitglieder wollen Modi und Holande afrikanische Länder und Staaten in den Tropen gewinnen.

Investoren wollen Durchbruch für Öko-Energie fördern

Bill Gates und 27 weitere bekannte Unternehmer haben angekündigt, einen Teil ihres Vermögens in die Erforschung sauberer Energie stecken zu wollen. Rund zwanzig Staaten kündigten ihre Unterstützung an. Vorgestellt wurde das Projekt im Beisein von US-Präsident Barack Obama. Innerhalb von fünf Jahren wollen die Länder, darunter Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland und Großbritannien ihre Ausgaben für die Entwicklung sauberer Energien verdoppeln. Saubere, erschwingliche und zuverlässige Energiequellen könnten helfen, die Preise stabil zu halten und es auch ärmeren Ländern ermöglichen, ihre Armut zu überwinden, schreibt Bill Gates in seinem Konzept. „Ich bin optimistisch, dass es in den nächsten 15 Jahren einen großen Durchbruch geben wird, den wir brauchen, um all diese Dinge zu tun.“ Dieser „Breakthrough Energy Coalition“ gehören neben Gates auch IT-Größen wie Amazon-Chef Jeff Bezos, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Ex-HP-Chefin Meg Whitman, der SAP-Mitgründer Hasso Plattner, Virgin-Gründer Richard Branson und die Finanziers George Soros und John Doerr an.

Drei-Länder-Initiative stärkt den globalen Waldschutz

Die Bundesregierung hat in Paris die Aufstockung ihrer Finanzmittel für den internationalen Waldschutz angekündigt. Gemeinsam mit Großbritannien und Norwegen will Deutschland, die Finanzmittel für den Waldschutz auf dann insgesamt eine Milliarde US-Dollar pro Jahr steigern. Profitieren könnten davon unter anderem Brasilien, Kolumbien und Äthiopien. „Der Waldschutz wird ein wichtiger Baustein des Pariser Abkommens “, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Ein konkretes Projekt wurde am Montag bereits am Rande des Gipfels zwischen den drei Geberstaaten und Kolumbien vereinbart. Kolumbien sagte zu, die Abholzung seiner Wälder schrittweise zu begrenzen und 2020 dann ganz zu stoppen. Für den Kohlenstoff, der so in den Bäumen bleibt, erhält das südamerikanische Land etwa fünf US-Dollar pro Tonne. Mit Waldschutzmaßnahmen lässt sich nach Schätzungen der UN global etwa ein Drittel der notwendigen Treibhausgas-Reduzierung erreichen.

Unterstützungsfonds für die ärmsten Länder

Die Bundesregierung stockt mit weiteren Partnern einen Fonds zur Unterstützung der ärmsten Länder der Welt auf. Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller und die Vorsitzende der Globalen Umweltfazilität (GEF) Naoko Ishii kündigten in Paris an, das der Fonds auf 250 Millionen Dollar aufgestockt wird; Deutschland, das seit 2001 der größte Geldgeber dieses Fonds ist, schießt allein 50 Millionen Euro zu. Nach Angaben von Finanzminister Müller gibt sind bereits 36 Projekte vorbereitet, in die das Geld investiert werden kann. Dabei geht es um Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft, die Entwicklung von Klima-Informationssystemen, Küstenschutz, Gesundheitsprojekte und ähnliches. „Schon heute sind 15 bis 20 Millionen Menschen vor dem Klimawandel auf der Flucht“, betonte Müller in Paris. „Wo Dürren oder Überschwemmungen die ohnehin karge Lebensgrundlage der Menschen zerstören, verlassen sie ihre Heimat.“ Es sei ein Gebot der Klimagerechtigkeit, „dass wir die Schwächsten dabei unterstützen, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen.“