Ungewöhnlicher Filmvortrag in Ludwigsburg Wie Donald Trump schon 1987 die Menschen manipuliert hat

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Er war in „Kevin allein in New York“ oder „Der Prinz von Bel Air“ zu sehen. Donald Trump hat schon früh an seinem Image gearbeitet – der Filmexperte Urs Spörri hat 25 seiner Kurzauftritte analysiert.

Donald Trump spielt bei „Kevin allein in New York“  in seinem Plaza-Hotel.Urs Spörri gilt als Experte für Trump und Kinofilme. Foto: factum/Bach 9 Bilder
Donald Trump spielt bei „Kevin allein in New York“ in seinem Plaza-Hotel.Urs Spörri gilt als Experte für Trump und Kinofilme. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Dass Donald Trump in den 80er und 90er Jahren ein viel gefragter Hobbyschauspieler war, ist wenig bekannt. Urs Spörri (35), Kurator des Deutschen Filmmuseums, zeigt einige dieser Werke am Samstag im Scala. Eins ist sicher: Es wird schaurig unterhaltsam.

Herr Spörri, welche Rolle spielt denn Donald Trump in Hollywood-Filmen?

Er ist häufig die Figur, über die zunächst gelacht wird, die dann aber in letzter Sekunde ein Ass im Ärmel hat und alle damit verblüfft. Durch diese Taktik ist die Kunstfigur des großen „Dealmakers“ entstanden, mit der er 2016 im Wahlkampf geworben hat.

Wie kam es zu diesen ständigen Auftritten am Set?

Häufig haben Trump in New York die Locations gehört, in denen gedreht werden sollte. Wie etwa das Plaza Hotel im Film „Kevin allein in New York“. Er sagt nur den Satz – „Den Gang hinunter und dann links“ – und ist damit an jedem Weihnachtsfest in jedem US-Haushalt im Fernsehen zu sehen. Trump hat die Drehorte nur zur Verfügung gestellt, wenn ihm ein Kurzauftritt garantiert wurde.

War das pure Eitelkeit oder Berechnung?

Meine These ist: Er hat sich so ein Image geschaffen, das unangreifbar ist. Trump ist unbesiegbar. In der Serie „Der Prinz von Bel Air“ wird er – natürlich satirisch überzeichnet – offen bewundert. „Oh mein Gott, der Donald!“, ruft jemand und fällt in Ohnmacht. Oft tritt Trump auch in Kinderfilmen auf. Etwa im Klassiker „Die kleinen Superstrolche“. Da sagt er den bezeichnenden Satz: „Du bist der beste Sohn, den man sich mit Geld kaufen kann.“

Was lernen wir aus diesen Auftritten über den Menschen Donald Trump?

Er hat sich schon immer konsequent eine Marke geschaffen und versteht es meisterhaft, mit Film und Inszenierung die Menschen zu manipulieren. Es war damals schon wie heute im Weißen Haus: Man ist gleichzeitig abgestoßen und fasziniert. Selbst professionelle Beobachter sind immer heiß darauf, den nächsten Trump-Skandal zu erleben.

Hat Trump sich bei den Auftritten selbst gespielt oder eine Filmfigur?

Beides. 1991 hat er sogar die „Goldene Himbeere“ für die schlechteste Nebenrolle bekommen. In dem Streifen „Mein Geist will immer nur das eine“ hat er mit Anthony Quinn und Bo Derek eine Verhandlung inszeniert. Dabei ist Trump ganz er selbst, zieht eine Schnute – genau so, wie man ihn heute bei Verhandlungen erlebt. In der Szene wird aber deutlich: Wenn man ihm schmeichelt, erreicht man alles.

Erkennt man Trumps Narzissmus schon in seiner frühen Schauspielerkarriere?

Unbedingt. Als ihm in einer Folge von „Prinz von Bel Air“ eine Frau vorwirft, er habe ihr Leben zerstört, winkt er nur ab und antwortet unfassbar arrogant: „Jeder macht mich immer für alles verantwortlich.“ Das lesen wir heute auf Twitter.

Welche Erkenntnisse haben Sie über Trumps Regierungsstil gewonnen?

Er regiert so wie in der TV-Show „The Apprentice“, in der sich junge Menschen um einen Ausbildungsplatz bei ihm beworben haben. Da feuert er binnen Sekunden den besten Kandidaten aus dem Bauch heraus. Die Unberechenbarkeit ist seine Stärke – damit zeigt er es dem Establishment.

Ihre Prognose: Wird uns der Präsidenten-Schauspieler in den Abgrund führen?

Nein, die ganz große Katastrophe scheut Donald Trump. Denn bei allem Zynismus will er vor allem eines: geliebt werden. Und nicht als Wegbereiter des Untergangs in Erinnerung bleiben. Aber wir müssen wohl mit einer zweiten Amtszeit rechnen. Denn ein Trump verliert nicht. Niemals.