Uni Hohenheim in Stuttgart Startschuss für das pralle Studentenleben

Auf dem Hohenheimer Unicampus darf wieder in echt studiert werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Auf dem Hohenheimer Unicampus darf wieder in echt studiert werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Uni Hohenheim hat ihre Erstsemester am Montag begrüßt: live! Mit Speedmeeting auf der Wiese, einer Campus-Rallye und ersten Forschungsworkshops ist auf dem Campus rund ums Schloss wieder Leben eingekehrt.

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Stuttgart - Das hat es lange nicht mehr gegeben: Schlangen vor der Mensa und viele Menschen auf dem Campus. Die Uni Hohenheim bringt ihren Erstsemestern bei einer Einführungswoche die Regularien, aber auch andere Besonderheiten des studentischen Lebens nahe. Das lassen sich die Neuen nicht zweimal sagen.

Lukas Klotz, 23, hat sich noch in der Nacht zum Montag in Tettnang in den VW-Bus gesetzt und ist nach Hohenheim gefahren, um nur ja nichts zu verpassen. Um drei sei er angekommen, habe das Auto auf einem Feld abgestellt und erst mal eine Runde geschlafen. Doch nicht zu lang. Denn um als Erstsemester der Agrarwissenschaften an der Einführungswoche teilnehmen zu können, habe er erst mal einen Coronatest machen müssen. „Ich muss mich impfen lassen“, sagt er – „sonst kann sich das ja keiner leisten“.

„Das studentische Leben besteht nicht nur aus Vorlesungen“

Denn klar ist auch, ohne 3 G und ohne Kontaktnachverfolgung per QR-Code läuft an der Uni indoor gar nichts. „Am Hörsaaleingang wird beides kontrolliert“, kündigt Fabian Probost an, der Präsident des Studierendenparlaments (Stupa). Aber er sagt auch: „Uns ist wichtig, dass das studentische Leben wieder los geht – und das besteht nicht nur aus Vorlesungen.“ Auch um wieder Nachwuchs für die studentische Selbstverwaltung zu generieren, haben sich Stupa und Fachschaften schwer ins Zeug gelegt, damit die Erstsemester schnell Fuß fassen.

So gibt es für die Neuen der agrarwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge zwar erst mal diverse Begrüßungen und Infos zum Studiengang und zur E-Learning-Plattform, aber noch am Vormittag ein lässiges Beschnuppern beim Speedmeeting auf der Wiese vor dem Schloss. Coronabedingt, aber tatsächlich auch sehr praktisch, kommen die Erstsemester in kleinen 15er-Gruppen gleich miteinander ins Gespräch, ganz ungezwungen. Anne Vieth, selbst im dritten Semester, gehört zu den Organisatoren aus der Fachschaft. Sie hat Mühe, die Studierenden nach wenigen Minuten zum Wechsel ihres Gesprächspartners aufzufordern, so schnell haben sich diese schon festgequatscht. „Eine coole Gelegenheit, Menschen kennenzulernen“, sagt Vieth. „Meine jetzige WG-Mitbewohnerin hab ich damals im Mathe-Vorkurs kennengelernt. Studieren ist ja dazu da, Leute kennenzulernen und Connections zu knüpfen.“ Das sei in den letzten Semestern wegen der Pandemie schwierig gewesen.

Für die Präsenzplätze im Hörsaal muss man sich jede Woche neu anmelden

Auch Daniela Hillerbrand, 25, freut sich über die Aufbruchstimmung, die nun bei den Studierenden zu spüren sei. „Wenn jetzt alles noch mal online gewesen wäre, hätte ich mir überlegt, aufzuhören“, räumt sie ein. Nun hat die gelernte Pferdewirtin von Agrarbiologie auf Agrarwissenschaften umgesattelt. Sie befürchte allerdings, dass es einen Ansturm auf die 126 Präsenzplätze im Hörsaal geben werde, da man sich hierfür jede Woche neu anmelden müsse – nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.

Dies ist zumindest in den Veranstaltungen von Prorektorin Korinna Huber nicht so, wie diese versichert. Die Leiterin des Fachgebiets Funktionelle Anatomie der Nutztiere organisiert diese je zur Hälfte in Präsenz und online, jeweils im Wechsel. „Nein“, sagt sie, „wir verlosen keine Platzkarten“.

Über solche Feinheiten hat sich Lukas Klotz am Montag noch keine Gedanken gemacht. „Ich hab mich halt während der Erntezeit mal fürs Studium eingetragen“ – und bis Samstagabend auf dem elterlichen Hof geschafft. In Hohenheim muss er erst mal ankommen. „So viele Eindrücke, alles recht offen und freundlich“, findet er. Tja, und auch um eine Bleibe habe er sich bisher noch nicht gekümmert. „Bis November brauch ich ein Zimmer“, meint er, „sonst wird’s im Bus zu kalt“.

Zum Ausklang ist Grillen mit der Fachschaft angesagt

Aber erst mal schließt er sich zwei Kommilitoninnen in der Mensa an, bevor es am Nachmittag zur Campus-Rallye und zu den Forschungsworkshops weitergeht. Abends ist zum Ausklang dann Grillen mit der Fachschaft angesagt. Ob er da mitmacht? „Na klar“, sagt Klotz, „die ganzen Studipartys muss man mitnehmen“.

Das ist ganz im Sinne des Rektors. „Wer studiert, muss auch mal Pause machen und feiern“, sagt Stephan Dabbert bei der Begrüßung auf dem Balkon des Schlosses. Allerdings nur auf Instagram. Es sind ja auch noch gar nicht alle da. Pandemiebedingt starten die Einführungsveranstaltungen der anderen Fakultäten etwas später und gestaffelt. Doch auch ihnen gilt der rektorale Gruß: „Warten Sie nicht drauf, dass Ihnen alles auf dem Silbertablett serviert sind“, sagt Dabbert. „Sie sind ab sofort selbst dafür verantwortlich, was Sie lernen und wie Sie lernen.“ Genau auf diesem Weg scheinen die Neuen zu sein. Und so manches vermittelt sich ja auch beim zünftigen Grillabend.




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