Universitätsklinikum Ulm Schäden am Paradebau

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Die Ulmer Klinikleitung hat fahrlässige Fehler beim Bau der neuen Chirurgie gemacht. Das wirft der Landesrechnungshof in einem Untersuchungsbericht vor.

Während der Bauphase soll geschlampt worden sein, so der Rechnungshof. Foto: Bäßler
Während der Bauphase soll geschlampt worden sein, so der Rechnungshof. Foto: Bäßler

Ulm - Alles im Zeitplan, alles im Kostenrahmen, so feierte sich die Universitätsklinik Ulm 2012 nach dem Umzug der chirurgischen Klinik in ein neues, 240 Millionen Euro teures Gebäude auf dem Eselsberg. Zum ersten Mal hatte ein Klinikum die Rolle des Bauherrn gespielt. Um Zeit zu gewinnen, wurde der Finanzierungsanteil des Landes in Höhe von 85 Millionen Euro vorfinanziert.

Genau ein Jahr nach dem Umzug erhebt nun der Landesrechnungshof in einem vorläufig noch internen Prüfbericht schwere Vorwürfe gegen die Ulmer Klinikleitung. Von rund 40 000 Baumängeln ist darin die Rede, zwei davon werden als besonders gravierend hervorgehoben. So sei während der Bauphase auf die eigentlich geplante Einbringung von stabilisierenden Betonpfählen unter der Bodenplatte verzichtet worden. Als die 1,5 Meter dicke Betonplatte fertig gegossen gewesen sei, habe man dann festgestellt, dass das darunter liegende Abwasserrohrsystem ein zu geringes Gefälle aufweise. Anstatt nun den Bauträger den Fehler beheben zu lassen, habe sich die Klinikleitung auf eine Notreparatur eingelassen. Das aber mindere den Wert der erbrachten Leistung erheblich.

Manager Schoppik ist schon nicht mehr da

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz verteidigte sich die Klinikleitung am Dienstag. Der Klinikbetrieb laufe reibungslos. „Patienten werden behandelt, und das war unser Ziel“, sagte der leitende ärztliche Direktor des Klinikums, Reinhard Marre. „Es gibt keinen Landesrechnungshof, der irgend etwas positiv darstellt“, sagte er. An Marres Seite fehlte der langjährige kaufmännische Direktor Rainer Schoppik, der vor drei Wochen überraschend nach Hamburg gewechselt war. Dafür bezog Thomas Eckerth Stellung, der Verantwortliche des Klinikbereichs Bau, Technik und Sicherheit. Das Gebäude sei sicher, sagte er, und dem Land entstehe keinerlei Schaden.

Die Ulmer Klinikleitung hatte sich zum Bau der neuen Chirurgie mit einem Generalunternehmen, der BAM Deutschland AG mit Sitz in Stuttgart, zusammengetan. Der Landesrechnungshof rügt nun, dass das Krankenhausmanagement sich vom Generalunternehmer ins Risiko habe drängen lassen. „Der Generalunternehmer schlug vor, Pfähle wegzulassen und dafür die Bodenplatte noch dicker zu machen“, bestätigte am Dienstag Thomas Eckerth. Ein Stuttgarter Fachbüro habe zuvor festgestellt, dass es deswegen zu keinen nennenswerten Setzungen des Gebäudes käme. Das habe sich, ein Jahr nach Fertigstellung, bewahrheitet. „Der Boden ist konsolidiert“, sagte Eckerth.

Rohrleitungen fehlt das nötige Gefälle

Dem zu geringen Gefälle der Abwasserrohre sowie mangelhaften Rohranschlüssen sei mit einem sogenannten Inliner-Verfahren begegnet worden. Dabei wird ein flexibler Schlauch in die vorhandenen Leitungen eingebracht und verklebt. Allerdings hat sich dadurch die maximale Durchflussmenge verringert. BAM habe auf eigene Kosten ein Rückhaltebecken neben dem Klinikgebäude gebaut, das verhindern soll, dass bei starkem Regenfall Wasser ins Klinikinnere zurückdrückt. Für die Wartung des Beckens über einen Zeitraum von 60 Jahren hat die Klinik einen Kostenaufwand von 540 000 Euro errechnet. Bisher gebe es ein Angebot von BAM in Höhe von 370 000 Euro.

Die meisten der genannten 40 000 Baumängel (die Mehrzahl sind Kleinstmängel) seien längst behoben, sagte Eckerth. Der Landesrechnungshof gibt sich unbeirrt. Die Ulmer Versäumnisse würden in der im Juli erscheinenden Denkschrift 2013 auf jeden Fall aufscheinen, sagte ein Sprecher.

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