Unterrichtsversorgung im Land Eisenmann: Weniger Schulstunden fallen aus

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Die Lage an den Schulen entspannt sich etwas: Die Zahl der ausgefallenen Unterrichtsstunden geht leicht zurück. Das erklärt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht.

Manches Klassenzimmer bleibt leer, weil die Lehrer fehlen. Foto: dpa/Peter Endig
Manches Klassenzimmer bleibt leer, weil die Lehrer fehlen. Foto: dpa/Peter Endig

Stuttgart - „Die Maßnahmen gegen den Lehrermangel wirken allmählich.“ Das folgert Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) aus der jüngsten Erhebung zur Unterrichtsversorgung im Land. Im November wurden die Daten an den Schulen des Landes erhoben. Sie ergaben, dass 3,3 Prozent aller Unterrichtsstunden nicht gehalten werden konnten. Im Juni waren es 4,5 Prozent, im November 2018 3,6 Prozent. Im Juni 2018 fielen 4,1 Prozent des Unterrichts aus.

Berufliche Schulen mit den meisten Ausfällen

Spitzenreiter im November sind die beruflichen Schulen mit 5,1 Prozent (Juni: 6,4 Prozent), gefolgt von den allgemein bildenden Gymnasien mit 4,8 Prozent (7,4). Realschulen konnten 3,9 Prozent der Stunden nicht halten (4,9), Werkreal- und Hauptschulen 2,9 (4,3) und Gemeinschaftsschulen 2,6 Prozent (3,2). Grundschulen liegen unverändert bei 1,0 Prozent, da dort Verlässlichkeit garantiert ist.

Gäbe es die Vertretungen nicht, wäre deutlich mehr Unterricht ausgefallen. Für fast jede zehnte Stunde (9,3 Prozent) stand die vorgesehene Lehrkraft nicht zur Verfügung. Doch wurden 64,2 Prozent dieser nicht erteilten Planstunden vertreten, wie das Kultusministerium sagt. 43 Prozent waren Unterricht im gleichen Fach. Allerdings war fast jede dritte Vertretung (30,1 Prozent) eine Zusammenlegung von Klassen, 27 Prozent der Vertretungen kamen zustande, weil Lehrer Mehrarbeit leisteten, in 16,6 Prozent kamen Vertretungslehrer zum Einsatz.

Hauptursache: Krankheit

Hauptsächlich waren die Lehrer wegen Krankheit verhindert (60,1 Prozent), Lehrerfortbildungen machten nur 14,2 Prozent der Ausfälle aus. Zurückgegangen sind auch Ausfälle durch Mutterschutz und Elternzeit von 8,8 Prozent im Juni auf 4,9 Prozent.

Ministerin Eisenmann betonte, das Maßnahmenpaket gegen den Lehrkräftemangel werde kontinuierlich weiterentwickelt und ergänzt. Sie setzt vor allem auf die Verbesserung der Vertretungskonzepte der Schulen. Nachfragen und Vorschläge der Schulaufsicht dazu, hatten im November zu erheblichem Unmut bei Schulleitungen geführt. Jetzt erklärt Eisenmann, die Schulaufsicht werde diesen Prozess „kontinuierlich und mit Nachdruck fortführen.“ Schulen würden weiterhin dabei unterstützt, den Unterrichtsausfall zu verringern.

Auch die Erhebungen, dies ist die fünfte Vollerhebung, sollen fortgesetzt werden. „Damit verfolgen wir konsequent das Ziel, mit den Schulen nach geeigneten Maßnahmen zu suchen, um drohende Ausfälle zu kompensieren sowie geeignete Vertretungskonzepte zu entwickeln“, teilte Eisenmann mit.

Verbände zurückhaltend

Lehrervertreter reagieren zurückhaltend auf die Ergebnisse. Sie mögen ein Hinweis sein, dass die Maßnahmen des Ministeriums greifen, meint Gerhard Brand, der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Sie sind mit Sicherheit ein Indiz dafür, dass die Lehrkräfte im Land alles dafür geben, um den Schulbetrieb am Laufen zu halten“, betont er. Zusätzliche Vertretungsstunden bedeuteten zusätzliche Belastungen. Der Arbeitgeber müsse „das außerordentliche Engagement“ der Lehrkräfte „angemessen würdigen“ auch mit besserem Gesundheitsschutz, verlangt Brand.

Opposition bleibt skeptisch

Die politische Opposition warnt vor „verfrühtem Jubel“. Timm Kern (FDP) warnt, selbst wenn die Talsohle durchschritten sein sollte, bleibe das Problem des Lehrermangels für bestimmte Schularten und Fächer. Er fordert bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer und mehr Eigenverantwortung der Schulen bei der Personalauswahl.

Auch die SPD sieht „keinen Anlass zur Euphorie“. Die Notlage der Grundschulen werde weiterhin nicht abgebildet, dafür bräuchte es andere Messinstrumente, meint der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei. Auch hätte die Krankheitsreserve deutlich erhöht werden müssen.