Unwetter in Südostbayern Auf den Dauerregen folgt das Hochwasser

Von red/dpa 

Dauerregen am Alpenrand lässt die Flüsse rasch steigen, viel schneller und höher als erwartet. Im Raum Rosenheim müssen die Feuerwehren Hunderte Mal ausrücken. Eine der wichtigsten Autobahnen steht unter Wasser und in Passau steigt derweil der Donau-Pegel.

In Südostbayern wird die Lage zunehmend dramatischer. Foto: dpa/Matthias Balk
In Südostbayern wird die Lage zunehmend dramatischer. Foto: dpa/Matthias Balk

Rosenheim - Straßen und Bahnstrecken mussten gesperrt werden, im Berchtesgadener Land verwüstete eine Schlammlawine den Garten einer Doppelhaushälfte: Starke und andauernde Regenfälle haben am Dienstag in Bayern zu zahlreichen Überflutungen, langen Staus und Zugausfällen geführt. In Passau könnte an der Donau durch den Zufluss aus dem Inn am Mittwoch die höchste Meldestufe erreicht werden.

Bei Rosenheim musste die viel befahrene Autobahn 8 (München-Salzburg) zeitweise in beide Richtungen gesperrt werden, weil die Fahrbahn unter Wasser stand. Die Ausweichstrecken waren daraufhin überlastet. Am Abend begannen Einsatzkräfte laut Polizei damit, in Fahrtrichtung Österreich zwischen Bad Aibling und Rosenheim-West 4000 Sandsäcke zu verteilen, um zumindest eine Fahrspur freihalten zu können. Neben dem Wasser bereiteten der Polizei auch Gaffer Probleme.

In Vachenlueg, einem Ortsteil der Gemeinde Anger im Berchtesgadener Land, rutschte ein Wiesenhang ab und drückte die Erdmassen gegen ein Wohngebäude. Das Haus stehe bis zum ersten Stock im Schlamm, berichtete die Polizei. Die Schadenssumme war zunächst unklar. Mehrere Gebäude in der Umgebung mussten geräumt werden. „Der Hang könnte ja noch weiter abrutschen“, erklärte ein Polizeisprecher. Ein Sachverständiger wurde beauftragt, die Lage zu beurteilen.

Partnachklamm für Besucher gesperrt

In Garmisch-Partenkirchen wurde die bei Touristen beliebte Partnachklamm gesperrt. Dort und in der Umgebung waren mehrere kleine Erdrutsche abgegangen. Besucher wurden gebeten, auch die benachbarte Partnachalm zu meiden.

Die Deutsche Bahn (DB) sperrte wegen des Hochwassers zwei Bahnstrecken südlich von Murnau. Reisende Richtung Oberammergau oder Garmisch-Partenkirchen mussten auf den Bus umsteigen. Auch die Bundesstraße 2 musste bei Murnau gesperrt werden, ein Streifenwagen der Polizei blieb dort bei einer Kontrollfahrt im Wasser stecken.

Allein im Landkreis Rosenheim und im angrenzenden Kreis Miesbach musste die Feuerwehr mehr als 500 Mal ausrücken. Nicht nur Straßen waren überflutet, auch Keller mussten im Raum Rosenheim ausgepumpt werden. In Achenmühle gab es wegen der Überschwemmungen Probleme mit auslaufendem Heizöl. Die Bergwacht evakuierte im Jenbachtal ein Jugendcamp, in dem zwölf Kinder gezeltet hatten. Die Gruppe wurde zu einer Berghütte gebracht.

Erste Warnstufe in Passau erreicht

Wegen der anhaltenden Regenfälle am Alpenrand waren seit Montag auch in anderen Regionen in Südbayern die Flüsse angeschwollen. Die Wasserstände waren dabei seit Montagabend oftmals schneller und höher gestiegen als zuvor von den Behörden erwartet. Wegen der anhaltenden Regenfälle rechnet der bayerische Hochwassernachrichtendienst (HND) bis Mittwoch mit weiteren Überschwemmungen im Freistaat.

Im niederbayerischen Passau wurde am Dienstag an der Donau zwar erst die erste Warnstufe erreicht. Die Experten des Landesamtes für Umwelt schließen aber nicht aus, dass der Pegelstand dort am Mittwochmorgen im Bereich der höchsten Meldestufe, der Stufe vier, liegen kann.

Der Inn-Zufluss sorge in der Dreiflüssestadt für einen starken Anstieg, hieß es. In den vergangenen Tagen lag die Donau in Passau stabil unter fünf Metern, am Mittwoch wird der Pegel dann vermutlich mehr als acht Meter anzeigen. Dies ist allerdings für Passau noch keine ungewöhnlich große Flut.

Niederschläge sollen bald abklingen

Besonders das Inngebiet war am Dienstag betroffen. Am Nebenfluss Mangfall wurde sogar bereits am Vormittag bei Feldolling im Landkreis Rosenheim die Warnstufe vier erreicht. Bei dieser höchsten Meldestufe sind der Definition zufolge bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet. Ab Mittwoch, wenn die Hochwasserwellen abfließen, könnten die Pegelstände dem HND zufolge dann überall wieder deutlich sinken.

Auch an der Isar wurde bis dahin mit weiter steigenden Wasserständen gerechnet. Die Landeshauptstadt forderte die Bürger in den angrenzenden Gebieten in München auf, sich auf Überschwemmungen vorzubereiten. Keller sollten kontrolliert und gegebenenfalls geräumt werden, Heizöltanks sollten gesichert werden.

Der Deutsche Wetterdienst kündigte an, dass es im Alpenraum und in Niederbayern vorläufig noch zu Dauerregen kommen werde. In der Nacht zum Mittwoch würden die Niederschläge aber abklingen.




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