Ursula von der Leyen in Litauen Der neue Lastesel der Bundeswehr lahmt

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Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg richten sich deutsche Soldaten in einer Kaserne in Litauen ein. Diesmal sind sie willkommen. Für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist es ein zwiespältiges Vergnügen: ihr neues Transportflugzeug versagt vor dem Rückflug den Dienst.

Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (rechts) zu Besuch bei den Soldaten in Rukla Foto: dpa
Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (rechts) zu Besuch bei den Soldaten in Rukla Foto: dpa

Rukla - Kurzer Anlauf, rapide Beschleunigung und schon ist die massige Maschine mit fast achtzig Tonnen Leergewicht in der Luft. Erst Anfang des Jahres ist diese A400M ausgeliefert worden, jetzt fliegt sie die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von Berlin nach Litauen. Es ist erst das achte von geplant 53 Transportflugzeugen dieses Typs, das die Bundeswehr erhalten hat. „Jetzt arbeitet das Gerät, es fliegt, und wir können ausbilden“, sagt von der Leyen wenig später strahlend, als sie die Piloten in der Kanzel besucht und in den strahlend blauen Himmel über der geschlossenen Wolkendecke schaut – da ahnt sie noch nichts von der Panne vor dem Rückflug.

Es ist auch von der Leyens erster Flug mit der A400M. Der Transporter kann bis zu 62 Tonnen Fracht laden, aber in seiner Eigenschaft als Lastesel ist die A400M dieses Mal nicht gefragt, obwohl die Verteidigungsministerin zum materiell schwersten Einsatz unterwegs ist, den die Bundeswehr je hatte. Einheiten, die nun in Rukla ihren Dienst versehen, haben ihre schweren Gerätschaften Ende Januar auf die Bahn verladen und per Zug durch Polen nach Litauen verlegt. Bei dieser Mission geht es um den klassischen Auftrag der Bundeswehr: die Verteidigung des Bündnisgebiets.

450 Soldaten für Litauen eingeplant

Das Baltikum ist zur Achillesferse des europäischen Nato-Territoriums geworden, seit der russische Präsident Wladimir Putin die Halbinsel Krim annektiert hat und mit kontinuierlicher Unterstützung separatistischer Kräfte die Ukraine destabilisiert. Darauf hat die Nato reagiert und beim Gipfel in Warschau im vergangenen Sommer beschlossen, insgesamt 4000 Mann in Lettland, Estland, Litauen und Polen zu stationieren. Um die Nato-Russland-Grundakte nicht zu verletzen, werden die Nato-Truppen im Osten aber nicht permanent stationiert, die dauerhafte Präsenz wird in einem komplizierten und teuren Rotationsverfahren hergestellt.

In Litauen hat die Bundeswehr, die den robusten Kern des Einsatzbataillons von tausend Mann stellen wird, die Federführung übernommen. Belgien, die Niederlande und Norwegen sind auch mit dabei; Frankreich und Tschechien kommen später noch dazu. Im Juni soll die gesamte Truppe einsatzfähig sein, bislang sind rund 130 Bundeswehrsoldaten hier, 450 sollen es am Ende werden. Das Panzergrenadierbataillon 122 aus dem bayerischen Oberviechtach stellt mit seinen schweren Panzerfahrzeugen den wesentlichen Teil dieser Kampfeinheit in Litauen. Der offizielle Auftrag des Bataillons heißt Abschreckung. Inoffiziell könnte man auch sagen, dass die tausend Mann eine Art „menschliches Schutzschild“ darstellen.




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