US-Sender Fox feuert Starmoderator Trump-Verbündeter stolpert über Sexvorwürfe

Von Karl Doemens 

Nach massiven Protesten wirft der konservative US-Sender Fox seinen Starmoderator Bill O‘Reilly hinaus, dem sexuelle Belästigung etlicher Frauen vorgeworfen wird. Präsident Donald Trump verliert damit einen wichtigen Wegbereiter in den amerikanischen Medien.

Starmoderator Bill O‘Reilly war für seinen Sender Fox nicht mehr tragbar. Foto: AP
Starmoderator Bill O‘Reilly war für seinen Sender Fox nicht mehr tragbar. Foto: AP

Washington - Mia Farrow konnte ihre Freude nicht verbergen: „Das ist großartig und sendet hoffentlich ein wirksames Signal an alle Kerle, die Frauen belästigen – wie mächtig sie auch sein mögen“, twitterte der Hollywood-Star nur wenige Minuten, nachdem die Nachrichtenbombe geplatzt war: Angesichts massiver Vorwürfe der sexuellen Belästigung trennt sich der konservative Nachrichtensender Fox von Bill O‘Reilly, dem erfolgreichsten Polit-Talkmaster der USA.

Zwei Jahrzehnte lang war der 67-Jährige nicht nur der Quotenbringer des Kabelkanals, sondern ein Vorreiter des provokativ-populistischen Kampfes gegen die Mainstream-Medien, der auch Donald Trump den Weg ins Weiße Haus ebnete. Der Rausschmiss, von dem der Moderator pikanterweise auf der Heimreise von einem Rom-Besuch samt Papst-Audienz erfuhr, markiert nach Einschätzung der „New York Times“ „das Ende einer Ära“. Immerhin hatte O’Reilly mit seinen bewusst politisch-inkorrekten rechten Kommentaren Abend für Abend rund vier Millionen Zuschauer vor die Fernsehschirme gelockt. Und er genießt seit langem die Sympathie von Trump.

13 Millionen Dollar an Schweigegeld bezahlt

Nachdem die „New York Times“ vor einigen Wochen berichtete, dass O’Reilly und Fox insgesamt 13 Millionen Dollar Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt hatten, um Klagen wegen sexueller Nötigung zu verhindern, stellte Trump dem Starmoderator noch einen Persilschein aus: O‘Reilly sei ein feiner Kerl, „ich glaube nicht, dass er etwas Falsches getan hat“. Die Werbekunden von Fox sahen das anders. Mehr als 50 Firmen – darunter die deutschen Konzerne Daimler, BMW und Bayer – haben in den vergangenen Wochen ihre Reklame in der Talkshow eingestellt. Liberale Medienkritiker und Frauenrechtler starteten eine breite Boykott-Kampagne, auf deren Höhepunkt Flugzeuge mit dem Banner „Fox: Drop O‘Reilly“ (Schmeißt O’Reilly raus!) über New York kreisten. Der Sender reagierte zunächst nicht. In Kenntnis der Vorwürfe hatte er kurz zuvor mit dem Starmoderator sogar noch einen neuen Drei-Jahres-Vertrag mit einem Jahres-Honorar von 18 Millionen Dollar (16,8 Millionen Euro) abgeschlossen.

Neben dem wachsenden materiellen Schaden durch den Anzeigenboykott dürfte dann aber das Auftreten von drei weiteren Frauen, die neue Nötigungs-Vorwürfe gegen O’Reilly erhoben, bei dem Mutterunternehmen von Fox für ein Umdenken gesorgt haben. Eines der möglichen Opfer ging mit vollem Namen in die Öffentlichkeit und gab Interviews. Die Sache drohte für den konservativen Kanal, dessen damaliger Chef Roger Ailes im vorigen Sommer bereits wegen eines Sex-Skandals zurücktreten musste, zunehmend rufschädigend zu werden. Am Mittwoch zog der australische Medienmogul Rupert Murdoch, zu dessen Reich Fox gehört, die Reißleine. „Nach den Einschaltquoten ist Bill O’Reilly eine der angesehensten Fernseh-Persönlichkeiten“, schrieb Murdoch in einem internen Memo an die Mitarbeiter: „Sein Erfolg kann nicht bezweifelt werden.“ Man sei jedoch zuversichtlich, die starke Stellung des Senders auch ohne ihn halten zu können und wolle das Bekenntnis des Unternehmens zu einem Arbeitsumfeld betonen, „das auf den Werten von Vertrauen und Respekt beruht“.

Rupert Murdoch zieht die Reißleine

Für den 67-jährigen Moderator bedeutet die Entscheidung das jähe Ende seiner Karriere. Seine Talkshow wurde schon einem Nachfolger übergeben. Derweil beteuert O’Reilly seine Unschuld. Er sieht sich als Opfer einer Diffamierungskampagne: „Das ist die traurige Realität, mit der viele von uns leben müssen, die in der Öffentlichkeit stehen.“ Dieser Sichtweise wird Trump bestimmt zustimmen – bislang allerdings nur leise.




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