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USA Das Glück der Kreuzfahrer

Atemberaubende Ausblicke vom Achterdeck bieten sich den Passagieren an Bord einer Alaska-Kreuzfahrt. Foto: Haar
Atemberaubende Ausblicke vom Achterdeck bieten sich den Passagieren an Bord einer Alaska-Kreuzfahrt. Foto: Haar

Eis, Schnee, Gletscher und jede Menge Natur: Auf einem Luxusliner lassen sich die Schönheit Alaskas und die Ur-Sehnsucht des Reisens entdecken.

Lokales: Martin Haar (mh)
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Seattle - In sieben Tagen lässt sich eine ganze Welt erschaffen. Eine innere und eine äußere. Vielleicht suchen deshalb so viele dieses Glück auf hoher See. Es sind die modernen Kreuzritter des Fernwehs. Sie haben etwas mit den ersten Kreuzfahrern gemein. Die Wallfahrer des Mittelalters wollten nicht nur Jerusalem befreien, sie trieb auch die Sehnsucht nach einem mythisch verklärten Land an. Auch wenn sich die Motive gewandelt haben, die Erlebnisse dürften ähnlich einzigartig sein. Es bleibt bei allen Kreuzfahrern die Hoffnung, ein unerschlossenes Paradies zu entdecken. Eine Möglichkeit dazu ist eine Sieben-Tage-Reise nach Alaska. Die Holland America Line hat eine solche Tour im Programm. Und immer mehr europäische Touristen bevorzugen Hochsee-Reisen von einem Startpunkt jenseits der Hafenstädte in den Krisenregionen - sei es am Mittel- oder am Schwarzen Meer. Für immer mehr Europäer beginnt daher die Kreuzfahrt in Übersee. Zum Beispiel in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Wer Zeit, Lust und das Kleingeld hat, sollte vor den sieben Tagen Alaska Seattle erkunden. Quasi als Tag null vor der eigentlichen Passage. Seattle ist wahrscheinlich eine der am meisten unterschätzten Städte auf diesem Globus. In dieser Stadt zwischen Meer und dem Lake Washington erkennen Touristen schnell, warum auch der reichste Mann der Welt hier lebt. Bill Gates residiert am Lake in Medina.


Tag eins

Aber zurück auf die Suche nach dem Wunderbaren per Ozeankreuzer. Sie beginnt nach der ersten Nacht auf See am Morgen mit einem Gefühl. Einem Gefühl von Freiheit. Mit dem ersten Tag beginnt auch eine innere Reise. Die üblichen Koordinaten sind außer Kraft gesetzt. Der Kompass des Lebens dreht sich wild. Obwohl einen die Reling hermetisch eingrenzt, bekommen die neuen Seefahrer eine Ahnung von dem, was selbst hartgesottene Seeleute immer wieder neu fasziniert. Wo der Horizont in allen vier Himmelsrichtungen unendlich wird, verliert sich auch der enge Rahmen. Die Reise ins Grenzenlose nimmt Fahrt auf.


Tag zwei

Manche behaupten, das Ankommen ist bei einer Kreuzfahrt nur der halbe Spaß. Sie meinen, gerade das Kreuz-und-quer-Fahren enthebe einen der alltäglichen Zwänge. Man muss nicht ankommen. Aber wenn es zum ersten Mal so weit ist, steigt die Freude. Selbst wenn das Ziel Juneau heißt. Das Städtchen ist eine Touristenfalle. Ein Souvenirladen reiht sich an einen Juwelier und umgekehrt. Wer aber bereits an Deck eine Exkursion gebucht hat, entkommt dem Nepp schnell. Der Ausflug zum Medehall-Gletscher oder in die nahe gelegene Bucht lässt einen das künstlich wirkende Juneau schnell vergessen. Spätestens wenn der erste Wal mit einer Fontäne aufgetaucht ist, sich voller Lust aus dem Meer schwingt und sich um die eigene Achse dreht, wird klar: Darum reisen wir. Erlebnis, Abenteuer und Entdeckerlust werden eins - Begeisterung. Den Wal-Beobachtern an Deck eines kleinen Bootes entfährt anfangs bei jedem Luftsprung der Buckelwale ein gedehntes „Aaaaah“. Später werden die Zeugen der wandernden Wale ganz still. Sie beobachten andächtig.


Tag drei

Wo nichts ist, hat das Große weiten Raum. Natur wird im Glacier Bay zum Spektakel. Der Kreuzer der Meere, die „Westerdam“, schippert daher in gefühlter Schrittgeschwindigkeit an den Küsten vorbei. An den Gletschern des Glacier Bay National Park scheint der Riese sogar fast zu stehen. „Scenic-Cruising“ nennt sich der fahrende Stillstand. Es ist, als wolle sich dieses schwimmende Dorf mit 1800 Passagieren und 800 Crewmitgliedern ganz klein machen. Aus Ehrfurcht vor dieser dynamischen Landschaft aus rauen Küsten, weiten Fjords und den mit Donnerhall ins Meer brechenden Gletschern. Die Ureinwohner, die Tlingit, nannten es den „weißen Donner“. Für diese Schleichfahrt durchs tiefe Blau lässt mancher sogar sein Mittagessen sausen. Natur satt ist an diesem Tag genug.


Tag vier

Sitka hat Charme. Aber nur das Sitka der Fischer. Nicht das Kunstdorf für die Touristen. Was für Juneau gilt, trifft auch auf Sitka zu. Tand made in China überflutet die Souvenir-Shops. Also schnell weiter. Auf eines der Ausflugsboote oder kurz bei der russischen Kirche vorbei. Sie erinnert an die Geschichte des Landes. 100 Jahre lang gehörte Alaska den Zaren. Bis 1867, dann verkauften die Russen dieses reiche Land an die USA. Aus heutiger Sicht für lächerliche 7,2 Millionen Dollar. Das waren fünf Dollar pro Quadratmeter. Drei Jahrzehnte später sprudelte unermesslicher Reichtum aus dieser Erde. Öl und Gold. Heute ist das Land reich an anderen Attraktionen. Auf einer Boot-Safari sind sie zu erleben - fast wie auf Bestellung: eine Bärenfamilie auf Wanderschaft, Weißkopfseeadler beim Rundflug oder die Seeotter auf den Klippen ruhend. „Touch, feel, taste“ heißt das Motto. Alaska berühren, fühlen, schmecken.


Tag fünf

Willkommen in Ketchikan. Hier geht der Trend eindeutig zum Zweitflieger, wie die Stege der Blockhäuser zeigen. Als müsse jeder immer und jederzeit wieder hoch. Hoch hinaus, weit ins Land, wo einen Norwegen in XXL-Format erwartet. „Mystische Fjorde“ heißt die Reise mit dem Wasserflugzeug in ein Wunderland von Wasserfällen, Inseln und einsamen Küsten. Die Landschaft wirkt wie ein Mosaik aus tausend Blau- und Grüntönen. Immer wieder changierend und doch in ewiger Ruhe in tief hängenden Wolken verharrend. Mystisch eben. Aus Sightseeing wird Flightseeing.


Tag sechs

Nächster Stopp Victoria/Kanada. Unter dem Logo des roten Ahorns erwartet die Ausflügler die letzte Entdeckung: Orcas, die mit ihren schwertförmigen Finnen durchs Wasser pflügen. Und immer wenn die Rückenflossen nach ihrem Auftauchen zurück in die Tiefe des Meeres stoßen, bleibt etwas zurück: das vage Gefühl, etwas Einzigartiges mitzuerleben. Ein Sekundenglück. Kleiner Mensch trifft den zweitgrößten Meeressäuger. Irgendwie geheimnisvoll.


Tag sieben

Leichte Brise, klarer Himmel, elf Knoten Geschwindigkeit, Seattle naht. Und damit der Anfang und das Ende der Reise. Sieben Tage, sieben Erfahrungen. Oder ist es doch nur eine einzige? Der Kapitän der „Westerdam“ lächelt wissend. Er weiß, was Menschen an der Seefahrt fasziniert. Baart Vaartjes wusste es schon als sechsjähriger Steppke. Klein Baart stand am Meeresufer und schwor sich: „Ich werde einmal zur See fahren.“ Seitdem erzählt er das, was alle Seefahrer erzählen: „Auf See ist kein Tag wie der andere. Der Himmel, das Meer ändern sich ständig. Und du bist ein Teil davon. Und das macht einen glücklich. Es ist jedes Mal eine große Erfahrung.“ Es ist das Glück der Kreuzfahrer.

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