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USA Lizenz zum Abkühlen

Von Frank Schwaibold aus Lake Tahoe 

Ob Wassersport, Golfen, Radfahren oder Klettern: Die USA -Westküste ist ein Spielplatz für Abenteurer.

Wer im American River raftet, wird garantiert nass. Foto: Bailie
Wer im American River raftet, wird garantiert nass. Foto: Bailie

Das Warnschild auf der Fahrt von Reno zum Lake Tahoe ist unübersehbar. Es zeigt eine Bärin mit Jungtier. "Die Menschen machen einen Fehler", sagt Jeremy Jacobsen aus Tahoe City. "Sie sollten den Bären kein Futter hinwerfen, dann würden sie uns auch nicht suchen." Doch bis an den Lake Tahoe, den größten Bergsee Nordamerikas, wagen sich die Bären nicht. Dafür findet man um so mehr Freizeitsportler am 35 Kilometer langen See.

Lake Tahoe
Frisch kann es hier oben werden. Immerhin liegt der See 2000 Meter hoch in einer Mulde zwischen der Sierra Nevada und dem Carson Gebirge. Selbst im Mai kann es einen Wintereinbruch geben, und nur wer Schneeketten oder ein Auto mit Allradantrieb hat, ist auf der sicheren Seite. Der Schnee hat Lake Tahoe sogar zu olympischen Ehren verholfen. Hier fanden 1960 die Nordischen Wettbewerbe der Winterspiele statt. Berühmter ist das nur 15 Autominuten entfernte Squaw Valley, wo die alpinen Skifahrer um die Medaillen jagten. Willi Bogner zwischen den Slalomstangen glücklos, Heidi Biebl in der Abfahrt um so erfolgreicher. Auch Georg Thoma (Nordische Kombination) und Helmut Recknagel (Skispringen) holten Gold für Deutschland. "Es waren die letzten Spiele der kurzen Wege", sagt der Historiker Dave Antonucci. Er trifft sich noch heute regelmäßig mit dem Schwarzwälder Georg Thoma.

Touristisch ist in der Gegend um den Lake Tahoe das ganze Jahr Saison: Im Winter laufen die Lifte. Im Sommer ist der See das Eldorado für Segler, Wasserski- und Kajakfahrer. Mountainbiker finden bei South Lake Tahoe die besten Routen. Und wer sein Geld abends am Automaten noch riskieren will, ist hier ebenfalls richtig. In Kalifornien sind Spielhallen zwar verboten, doch Nevada, das Zockerparadies, beginnt am Ostufer unmittelbar hinter South Lake Tahoe.

Gold Country und Sacramento
Die Zeiten des großen Goldrausches sind seit mehr als 150 Jahren vorbei. Wer heute einen Kick sucht, wird auf dem American River beim Wildwasser-Rafting fündig. "Cool-off-strategies" (Strategien zum Abkühlen) für die heißen Sommertage nennen es die US-Boys der Rafting-Anbieter – und versprechen nicht zu viel. Wenn die Schneeschmelze in der Sierra Nevada einsetzt, wird der American River zum reißenden Fluss und jeder an Bord nass. Wer es etwas ruhiger mag, geht zum Sacramento-River. Hier fährt man Wasserski, macht eine Bootstour oder angelt. Auch in Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, ist Wasser selbst abseits des Rivers allgegenwärtig. In der kultigen Dive Bar tauchen Meerjungfrauen durch ein gut zehn Meter langes Aquarium über dem Tresen. Und vor dem historischen Museum versuchen sich Schulklassen noch immer als Goldwäscher. Monterey und San Luis Obispo County

"Deine linke Hand ist beim Abschlag nicht gerade", korrigiert mich Pat. Es dauert, bis ich die Anweisungen des Golflehrers vom Bayonet and Black Horse Golf Course in Seaside umsetzen kann. Doch dann fliegt der weiße Ball schon besser durch die Luft. Wer Golf spielen will, hat in der Gegend um Monterey und im San Luis Obispo County die Qual der Wahl. Was für eine Aussicht: Golfspielen mit Blick auf den Pazifik. Wobei nicht alle Plätze öffentlich sind. Zu den bekanntesten in den USA zählt Pebble Beach. Wer den 17 Mile Drive an der Küste entlangfährt, kommt direkt an diesem Edel-Club vorbei. Allerdings werden für diese Straße neun Dollar Maut fällig. Am Ende der Panoramastrecke landet man in Carmel, jenem Künstlerdorf, in dem Clint Eastwood einst Bürgermeister war und heute ein Restaurant betreibt.

San Francisco
"Segway!!! Segway!!!!", rufen die Leute am Straßenrand und klatschen, als wir an ihnen vorbeifahren. Krestin, unsere Führerin von der Electric Tour Company, hat nicht zu viel versprochen. Die Amerikaner lieben Segways, jene Gefährte auf zwei breiten Reifen und mit einer Lenkstange, bei denen man auf einem Brett steht und die man durch Gewichtsverlagerung zum Vorwärts- oder Rückwärtsrollen bringt. Welch andere Stadt als San Francisco eignet sich besser für eine Tour. Bergauf, bergab – ein bisschen Mut und Geschick ist da schon erforderlich. Unsere Gruppe fährt in Zweierreihen. Nach einer halbstündigen Einweisung sind wir flott unterwegs. Springt die Ampel unterwegs auf Rot und Krestin ist schon mitten auf der Kreuzung, dürfen wir ihr trotzdem folgen. Die Cops und die Autofahrer lassen den Segway-Gruppen die Vorfahrt. 50 Euro pro Person kostet der 2,5-Stunden-Trip durch das nächtliche San Francisco. Dafür gibt es die Fisherman's Wharf, den Ghirardelli Square, die Golden Gate Bridge, Alcatraz und den Pier 39 zu sehen. Dort liegen tagsüber Dutzende von Seelöwen träge auf Holzinseln in der Sonne und lassen es sich gut gehen. Das haben wir uns am nächsten Tag nach so vielen Outdoor-Erlebnissen in Kalifornien auch mal verdient.

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