Vdk-Ortsverband Stammheim Gleicher Name, neue Aufgaben

Von Georg Linsenmann 

Der VdK-Ortsverband Stammheim wurde 1947 gegründet. Eine zentrale Aufgabe heutzutage ist, Hilfe im Dschungel der Sozialgesetze zu geben.

Das Wohnzimmer von Gerd und Ingrid Frohard dient zugleich als Büro des VdK-Ortsverbandes Stammheim. Das Wohnzimmer von Gerd und Ingrid Frohard dient zugleich als Büro des VdK-Ortsverbandes Stammheim. Das Wohnzimmer von  Gerd und Ingrid  Frohard dient    als Büro des VdK. Foto: Linsenmann
Das Wohnzimmer von Gerd und Ingrid Frohard dient zugleich als Büro des VdK-Ortsverbandes Stammheim. Das Wohnzimmer von Gerd und Ingrid Frohard dient zugleich als Büro des VdK-Ortsverbandes Stammheim. Das Wohnzimmer von Gerd und Ingrid Frohard dient als Büro des VdK. Foto: Linsenmann

Stammheim - Wir werden immer noch mit dem Kriegsthema verwechselt“, erklärt Ingrid Frohard, mit einem Unterton des Bedauerns. Denn „der Wandel des VdK vom reinen ‚Opferverband‘ zum allgemeinen Sozialverband ist längst Tatsache“. Seit nunmehr 13 Jahren engagiert sie sich im Vorstand des Ortsverbandes. Zusammen mit ihrem Mann Gerd, der seit 1999 an der Spitze der Stammheimer VdK-Dependance steht. Mit der Geschichte des VdK fühlen sich die Beiden jedoch verbunden, und so halten sie auch an der traditionellen Kranzniederlegung am Volkstrauertag fest: „Viele machen das nicht mehr. Aber für uns ist das heute ein Tag der Mahnung gegen Krieg allgemein“, betont Ingrid Frohard.

Ein bisschen Geschichte darf also sein im Wohnzimmer der Frohards, das zugleich als Büro des VdK-Stammheim dient. Zumal die „Gründerväter“ des hiesigen Ortsverbandes zu den Pionieren der Organisation zählen. Schon 1947 fanden sie zusammen, noch bevor sich 1948 der Landesverband konstituieren konnte. Erst zwei Jahre später kam es zur bundesweiten Vereinigung als VdK: „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e.V.“

Der Vdk gibt Hilfe in sozialrechtlichen Fragen

Der Not entsprechend, wurde der VdK hinterm Deutschen Gewerkschaftsbund zum zweitgrößten Verband der Republik. Mehr als 90 Prozent der Mitglieder bestand aus Verletzten und Hinterbliebenen des Weltkrieges. Entsprechend dem Grundgedanken, „denen zu helfen, die vom Kriege geschlagen waren“, wie es in einer Gründungsschrift heißt. Eine Aufgabe, die inzwischen weitgehend historisch ist. Der VdK aber ist geblieben, hat seinem Namen den „Sozialverband“ vorangesetzt und sich selbst neue Aufgaben gestellt. Weshalb also kommen Menschen heutzutage zum Ortsverband Stammheim? „Weil sie in sozialrechtlichen Fragen Hilfe suchen“, erklärt Ingrid Frohard, „die Leute wissen oft nicht, was für Rechte sie haben. Und schon gar nicht, wie sie zu ihrem Recht kommen können. Darüber klären wir sie auf.“

Frohard weiß, dass das eher nach einer Aufgabe für ein Anwaltsbüro als für eine ehrenamtliche Tätigkeit klingt: „Wir sind am Anfang ins kalte Wasser gesprungen und haben uns eingearbeitet. Wir haben ja die Rechtsabteilung des Landesverbandes zur Seite“, betont Ingrid Frohard. Aber ganz unbeleckt war die heute 64-Jährige eh nicht. Schließlich war sie bis zum Ruhestand Personalleiterin beim Verband der Metallindustrie, ist Behindertenvertreterin beim Kreisverband und engagiert sich seit vielen Jahren als ehrenamtliche Richterin beim Sozialgericht. So stellt sie klar: „Wir sind eine Art Kompetenzzentrum auf unterer Ebene.“

Viele Fragen zum Thema Rente

Rentenfragen stehen dabei im Mittelpunkt: „Es geht nicht zuletzt um Menschen, die als schwerbehindert anerkannt werden wollen. Damit können sie ohne Abzüge früher in Rente gehen“, weiß die VdK-Frau. Andere Problemfelder sind etwa das Krankengeld, Reha-Maßnahmen, Genehmigung von Kuren, Einstufung im Pflegefall oder Rechtsfragen bei Arbeitslosigkeit: „Wir beraten, füllen Formulare aus, helfen bei der Formulierung eines Widerspruches. Da sitzt man schon mal ein, zwei Stunden“, erzählt Ingrid Frohard, und ihr Mann ergänzt: „Manchmal gehen wir auch von Pontius zu Pilatus. Und wenn wir nicht mehr weiter wissen, schicken wir sie zum Landesverband.“

Im übrigen empfinde der Ortsverband auch „rein menschliche Verantwortung“ für die Mitglieder. Das ist sogar institutionell verankert, mit einer „Frauenvertreterin“. So kümmert sich nicht zuletzt Erika Kurpanik um Alte, Kranke und Pflegebedürftige: „Ein Besuch oder eine Kleinigkeit zum Geburtstag, das muntert auf. Es sind ja so viele Frauen, die allein sind. Die freuen sich riesig“, weiß Ingrid Frohard.

Dass der Bedarf groß ist, spiegelt sich auch in den wachsenden Mitgliederzahlen: von 103 Mitgliedern im Jahr 1999 auf aktuell 165. Wie das zu erklären ist? „Sie kommen, weil sie sozialrechtlich vertreten werden wollen“, sagt Ingrid Frohard, „es gibt aber auch immer wieder neue Mitglieder, die sagen, das ist gut und wichtig, was ihr macht, das will ich unterstützen. Da sind auch junge Leute dabei.“ Dabei zeigt sie sich kämpferisch: „Es ist wichtig, dass der VdK stark ist und bei sozialpolitischen Fragen die Stimme erhebt. Es gibt soviel soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Für Hoteliers hat die Regierung Geld, aber nicht für ein Existenzminimum bei der Rente. Und die Frauen sind auch da am schlechtesten dran.“ Der VdK als „starke Gemeinschaft, das fängt an der Basis an“, ergänzt sie und ihr Mann zählt Aktivitäten des Ortsverbandes auf: Vorträge, Theaterbesuche, Ausflüge, Sommerfest, Herbstfest, Teilnahme am Stammheimer Weihnachtsmarkt. „Ja“, resümiert Ingrid Frohard, „wir sind ein reger Verein.“

VdK Stammheim

Anschrift Zirpenweg 7, 70439 Stuttgart Telefon 80 22 69 Mail frohard@arcor.de Vorsitzender Gerd Frohard Gründungsjahr 1947 Mitgliederzahl 165

Weitere Vereine aus ihrer Nachbarschaft finden sie unter

: http://service.stuttgart.de/lhs-services/vereinswegweiser/index.php?uid=1001

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