Vegan Street Day in Stuttgart Currywurst, Kondome und Felgenreiniger

Beim fünften  Vegan Street Day in Stuttgart wurde   unter anderem mit  schmucken  Tattoos, Kochshows mit Björn Mochinski und Kunst mit eindeutigen Botschaften  für einen Verzicht auf tierische Produkte und den Einsatz für Tierrechte   geworben. Foto: Gottfried Stoppel
Beim fünften Vegan Street Day in Stuttgart wurde unter anderem mit schmucken Tattoos, Kochshows mit Björn Mochinski und Kunst mit eindeutigen Botschaften für einen Verzicht auf tierische Produkte und den Einsatz für Tierrechte geworben. Foto: Gottfried Stoppel

In der Stuttgarter City fand am Pfingstsonntag der fünfte Vegan Street Day statt, den der Verein Animal Rights Watch alljährlich organisiert. Vielfältig wurde dabei für ein veganes Leben und die entsprechenden Produkte mit Kunst und an Infoständen geworben.

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Stuttgart - Das ist wirklich ohne Fleisch?“ Andreas Herkommer kann es nicht glauben. Nur mal so „um meine Vorurteile zu bestätigen“, gibt der 38-Jährige zu, habe er beim Vegan Street Day eine fleischlose Currywurst gekauft und kann nun nicht fassen, was er schmeckt. „Die Konsistenz ist wie Fleisch, der Geschmack auch – einfach gut“, sagt der Maschinenbauingenieur, der durch Zufall beim Gang durch die Stuttgarter City auf dem Vegan Street Day gelandet ist. „Ich glaube, ich muss meine Meinung revidieren“, sagt Herkommer als er die Hälfte der Currywurst verzehrt hat. Ob er nach dieser Erfahrung aber weniger Fleisch essen oder gar ganz darauf verzichten werde, weiß er nicht. „Es schmeckt gut, aber ich glaube, dass es solche Angebote noch nicht oft und überall gibt“, sagt er und mutmaßt, dass er in der eigenen Küche kaum Tofu und Co. verarbeiten wird. „Vielleicht wäre es aber einen Versuch wert“, meint er, als die Currywurst völlig vom Teller verschwunden ist. Das Ziel der Organisatoren des Aktionstages, Menschen zum Nachdenken anzuregen, ist erreicht. Nun muss der bei Herkommer gelegte Samen nur noch aufgehen.

Die meisten Besucher kommen ganz gezielt zum Aktionstag

Die meisten Besucher sind am Pfingstsonntag aber sehr gezielt zum Vegan Street Day gekommen, um bei der fünften Auflage der von Animal Right Watch (Ariwa) in Stuttgart organisierten Veranstaltung Nichttierisches zu schlemmen, neue und bewährte Produkte zu kaufen oder um sich bei Vorträgen und Diskussionen über Tierrechte, den Kampf gegen Tierversuche, Möglichkeiten des Widerstands gegen Massentierhaltung oder die Situation von Tieren in Zoos zu informieren, die aus Sicht vieler Veganer unerträglich sind.

„Wir haben in diesem Jahr einen stärkeren Fokus auf den Aktivismus gelegt“, sagt die Ariwa-Pressesprecherin Sandra Franz und freut sich, dass diese Angebote durchweg gut angenommen werden. Überhaupt findet der Vegan Street Day einen großen Zuspruch. „Das Wetter ist super, vielleicht ein bisschen zu heiß“, sag Franz und erinnert an das Vorjahr, als der Vegan Street Day kühl und völlig verregnet war. Erfreulich für Ariwa: die Zahl der beteiligten Aussteller ist im Vergleich zum Vorjahr um 20 auf 100 gestiegen, „und wir haben wieder eine gute Mischung von Produktanbietern und Infoständen.“

Großes Interesse an Hanftextilien

Die Bandbreite der veganen Angebote ist enorm. Neben einer reichhaltigen Auswahl an Speisen und Getränken gibt es verschiedene Textilien aus Hanf oder Baumwolle, bei denen auf den Einsatz aller tierischen Produkte aber auch auf Tierversuche verzichtet wurde. „Ich lasse alle meine Stoffe auf der Schwäbischen Alb fertigen“, berichtet Petra Rusch aus Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg), deren Hanftextilien auf großes Interesse stoßen.

„Vegane“ Putzmittel – auch zur Beseitigung von hartnäckigem Schmutz an Autofelgen – sind neben veganen Kondomen „aus Naturkautschuklatex“ zu finden. Beworben werden letzte unter anderem mit einem T-Shirt, auf dem weithin sichtbar „Fuck Vegans“ prangt. Die Provokation löst sich in Luft auf, wenn man auch die kleinen flankierenden Lettern liest. Dann steht da nämlich übersetzt: Wenn du mit einem Veganer schlafen willst, benutze vegane Kondome. Und das Geschäft läuft gut, sagt Sophie Zenker, die mit ihren Waren aus dem ostdeutschen Artern nach Stuttgart gekommen ist, nicht zum ersten Mal.

Gyros und No-Jäger-Schnitzel locken ebenso wie Green Smothies

Über mangelnden Zuspruch kann sich auch Tobias Engelhardt nicht beschweren, der mit seiner Eßbar aus Fulda angereist ist und unter anderem mit Gyros und No-Jäger-Schnitzel die Kunden lockt. Der Renner aber sind bei 37 Grad aber die Eisstände, an denen sich lange Schlangen bilden. Nicht anders sieht es zeitweise bei Sophie Wolf aus, die am „The Green Stream“-Stand sogenannte Green Smoothies anbietet, frisch zubereitete Getränke aus Früchten und grünem Blattgemüse. Der Vegan Street Day ist für Wolf die Generalprobe für ihr in Stuttgart geplantes vegane Bistro mit Bar. Dort will sie schon bald mit veganen Drinks und Snacks die Gaumen der Besucher kitzeln und ist sicher, dass ihre Idee auf fruchtbaren Boden fällt: „So etwas gibt es hier noch nicht und die Menschen ernähren sich ja immer bewusster“, sagt Wolf, die seit anderthalb Jahren Veganerin ist.




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