Veielscher Garten in Bad Cannstatt Ruhen und Spielen

Einst ein Strichertreff, dann einfache Grünfläche – nun soll wieder Leben einkehren im Veielschen Garten. Die Stadt will 260 000 Euro investieren. Foto: Maira Schmidt
Einst ein Strichertreff, dann einfache Grünfläche – nun soll wieder Leben einkehren im Veielschen Garten. Die Stadt will 260 000 Euro investieren. Foto: Maira Schmidt

Anwohner und Jugendliche haben zusammen ausgetüftelt, wie der Veielsche Garten künftig attraktiv für alle Nutzer gestaltet werden könnte. Die Stadt will 260 000 Euro investieren, aber voraussichtlich erst 2017 bauen – den Bezirksbeiräten ist das zu spät.

Bad Cannstatt: Julia Barnerßoi (baj)
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Bad Cannstatt - Heute ist der Veielsche Garten an der Waiblinger Straße eine eher wenig genutzte Grünfläche. Künftig soll wieder Leben auf dem 1,5 Hektar großen Gelände zwischen Kreuznacher und Nauheimer Straße einkehren. Anwohner und Jugendliche aus dem Stadtbezirk haben zusammen mit dem Stadtplanungsamt ausgetüftelt, wie das Stück Natur jenseits der Hauptstraße gestaltet werden könnte. Der erste Entwurf eines Landschaftsarchitekten wurde den Bezirksbeiräten in ihrer jüngsten Sitzung vorgestellt.

Das tollste an der gemeinsamen Planung sei gewesen, dass die Vorstellungen von Jugendlichen und Anwohnern „gar nicht so weit auseinander lagen“, berichtete die Moderatorin des Prozesses, Claudia Peschen. So haben sich die Vertreter des Bad Cannstatter Jugendrats, von dem der Anstoß einst kam, und die Bürger darauf geeinigt, dass es sowohl Ruheflächen als auch Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, einen Trinkwasserspender und Spielmöglichkeiten wie Bodentrampoline oder Calisthenics-Geräte geben soll. Letztere erinnern an Reckstangen – bei Calisthenics-Übungen setzt man sein eigenes Körpergewicht zum Training ein.

Einblicke ermöglichen soziale Kontrolle

Der Landschaftarchitekt Nils Hans präsentierte den Lokalpolitikern, wie sich die gewünschten Elemente auf der Grünfläche verteilen ließen. So soll die Spielfläche zum Beispiel nicht mittig, sondern näher an der Waiblinger Straße liegen, damit es für die Anwohner nicht zu laut werde. Zudem soll es zusätzlich zu den beiden bestehenden Zugängen zu dem Miniatur-Park von der Kreuznacher Straße aus einen dritten barrierefreien von der Nauheimer Straße aus geben. Nicht zuletzt habe er die überdachten Sitzgelegenheiten auf dem Papier so gestaltet, dass sie nicht zum Übernachten einladen und der Veielsche Garten gut von außen einsehbar wird. „Das ermöglicht soziale Kontrolle.“

Dass diese wichtig ist, zeigt die Erfahrung aus der Vergangenheit. 1984 hatte die Stadt den einstigen Garten der Familie Veiel in eine hochwertige Parkanlage mit Rosenbeeten und einem Spielplatz umgewandelt. Sie wurde jedoch nicht von Familien angenommen, sondern mutierte zum Strichertreff – Vandalismus und jede Menge Müll waren die Folge. Die Stadt reagierte und baute Spielplatz und Beete wieder ab.

„Das ist die falsche Priorisierung“

Das Gartenamt zeigte sich zu Beginn der Gespräche vor zwei Jahren im Gegensatz zum Stadtplanungsamt darum auch nicht sehr begeistert von der Idee, es mit dem Veielschen Garten noch mal zu versuchen. Auch noch nachdem Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen Vorschläge präsentiert hatten, wie der Veielsche Garten für Jugendliche attraktiv gestaltet werden könnte. Inzwischen gefalle die 260 000 Euro kostende Maßnahme (Finanzierung aus dem Fördertopf Stadtentwicklungspauschale geplant) aber immer besser, wie Kilian Betzold vom Gartenamt in der Sitzung sagte. „Wir finden den Kontrast zum Kurpark gut.“ Zu seinem Bedauern musste er aber zugleich mitteilen, dass das Amt derzeit an großen Projekten in Bad Cannstatt arbeite. Selbst wenn das Geld da sei, „können wir frühestens 2017 bauen.“

Im Gegensatz zu den Entwürfen begeisterte diese Aussage die Bezirksbeiräte wenig. „Das ist die falsche Priorisierung“, sagte der Linken-Bezirksbeirat Siegfried Deuschle. „Dann sind es nicht die Kinder, sondern die Enkelkinder, die einmal was davon haben.“ Auch Peter Mielert von den Grünen insistierte, dass nach einer so gelungenen Bürgerbeteiligung das Ergebnis bald umgesetzt werden müsste. „Dann muss man für das Projekt Rosensteintunnel eben zusätzlich jemanden einsetzen“, sagte er mit deutlichem Seitenhieb.

Zudem plädierte Mielert dafür, dass es auf Höhe der Kreuznacher Straße eine zusätzliche Querung über die Waiblinger Straße geben müsse, um den Seelberg besser anzubinden. Der Christdemokrat Roland Schmid machte abschließend einen konkreten Vorschlag, wie die Umgestaltung des Veielschen Gartens früher erfolgen könnte: mittels Fremdvergabe. Den Vertretern der Stadt entlockte er dazu keine Antwort.




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